Nachwuchsleiter des SSV Jahn im XXL-Interview Christian Martin: "Achtfacher Flickflack? Das passt nicht zu uns"

Christian Martin ist seit 2016 Leiter der Jahnschmiede. Foto: SSV Jahn

Während sich die erste Mannschaft des SSV Jahn Regensburg in den vergangenen Jahren fantastisch entwickelt hat und im dritten Jahr in der 2. Liga erneut eine gute Rolle spielt, hat sich auch in der Nachwuchsarbeit der Oberpfälzer einiges getan. Christian Martin (39) ist seit 2016 Leiter der Jahnschmiede. Im ausführlichen idowa-Interview spricht er über die Philosophie im Jahn-Nachwuchs, die Bedeutung von Ergebnissen, die großen Summen, die teilweise im Nachwuchs schon gezahlt werden und den Vergleich zu andere Profi-Nachwuchsleistungszentren (NLZ).

Herr Martin, seit 2016 sind Sie Leiter der Jahnschmiede. Was sind die größten Unterschiede, die festzustellen sind zwischen dem Status quo und damals?
Christian Martin: Wir haben uns in dieser Zeit in allen Bereichen weiterentwickelt: Personell, infrastrukturell und auch konzeptionell. Die Zertifizierung als Bundesliga-Nachwuchsleistungszentrum im letzten Jahr war für uns ein großer Meilenstein. Insgesamt hat sich in der Professionalität schon massiv etwas getan – speziell in den letzten drei Jahren, aber eigentlich auch schon in den vergangenen fünf Jahren.

Mit welcher Philosophie geht der SSV Jahn an die Nachwuchsarbeit heran?
Martin: Wir wollen als Verein unseren eigenen Weg gehen. Wir wollen der Ausbildungsclub für Ostbayern sein, Niederbayern und die Oberpfalz sind unser Haupteinzugsgebiet. Das bedeutet, dass wir vor allem mit den Talenten aus der Region arbeiten und sie auf ein möglichst hohes sportliches Level bringen wollen. Gleichzeitig legen wir aber auch Wert auf die Persönlichkeitsentwicklung unserer Spieler und dürfen auch das schulische und berufliche Umfeld nicht vernachlässigen.

Im sportlichen Bereich zeichnet den Jahn aus, dass er eine sehr klare Spielidee verfolgt. Wie darf man sich das im Nachwuchsbereich vorstellen?
Martin: Wir haben uns in den vergangenen Jahren die Frage gestellt, mit welcher Art zu spielen wir die größte Wahrscheinlichkeit haben, erfolgreich zu sein. Wir sind das aus einer Gesamtclubperspektive angegangen. Es gibt also nicht nur eine Spielidee, die sich sehr umfassend mit den verschiedenen Spielphasen beschäftigt. Wir wollten auch eine Spielidee, die den Spielertypen, die wir in der Region haben, am gerechtesten wird.

Was ist denn das Besondere am „ostbayerischen“ Spieler?
Martin: Die Region zeichnet vor allem eine gewisse Bodenständigkeit aus, die auch deshalb für uns als Markenwert so wichtig ist. Deshalb wollen wir Spieler, die klar in der Birne sind. Die wissen, dass es auch noch anderes gibt als Fußball, aber bereit sind alles zu geben und für die Mannschaft zu arbeiten. Für uns ist es ein wesentlicher Wert, dass man übers Team kommt. Das ist auch die Basis, an der unsere Spielidee ansetzt. Da ist es relativ schwierig, dass sich ein einzelner Spieler einmal ausnimmt. Die Spieler sollen Fußball als Teamsport sehen. Sie sollen auch mit Selbstvertrauen agieren, denn wir versuchen in unserem Spiel immer aktiv zu sein.

Kann man denn überhaupt in jedem Altersbereich den gleichen Fußball spielen lassen?
Martin: Grundsätzlich haben wir von den Profis bis zu den Teams der Jahnschmiede die identische Spielidee, die ist auch altersunabhängig. Aber natürlich ist es etwas anderes, ob da zehnjährige Kinder oder Zweitligaprofis spielen. Die Idee ist klar, sie lässt den Trainern und Spielern aber auch immer noch einen gewissen Spielraum.

Wie schwer ist aus Ihrer Sicht der Spagat zwischen der individuellen Förderung der Talente und dem Leistungs- und Ergebnisdenken?
Martin: Jeder Trainer hat im Nachwuchs immer die Thematik, dass er die Mannschaft weiterbringt und gleichzeitig auch die einzelnen Spieler ausbildet. Beides hinzubekommen, ist die Kunst. Wir arbeiten zum Beispiel seit einiger Zeit im Leistungsbereich, also ab der U15, noch viel intensiver individuell mit den Spielern und betrachten da wirklich jeden Spieler einzeln mit Blick auf seine Stärken und Schwächen. Grundsätzlich ist die Aufgabe jedes Jugendtrainers, dass er erst einmal die Spieler weiterbringt, dass er sie technisch und taktisch, aber auch in Hinblick auf Mentalität und Physis fördert.

Das heißt, im Zweifel ist die individuelle Förderung wichtiger als das reine Ergebnis.
Martin: Definitiv. Die Bedeutung des Ergebnisses nimmt aber natürlich auch immer zu. In der U21 oder der U19 geht es schon auch ums Ergebnis, es sollte allerdings nie an erster Stelle stehen im Nachwuchs. In der U11 frage ich den Trainer aber nicht danach, wie das Spiel ausgegangen ist.

Lesen Sie auf Seite 2 des Interviews, was sich Christian Martin mit Blick auf Ligensturktur und Auf- und Abstieg im Nachwuchsbereich wünscht.

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