Nachwuchsleiter des SSV Jahn im XXL-Interview Christian Martin über Geld im Nachwuchsbereich, die sportliche Situation und die Fantasie, wieder einen Profi für den Jahn zu entwickeln

Top-Vereine zahlen zum Teil schon im Nachwuchsbereich Unsummen an Spieler, die in keinem Verhältnis mehr stehen. Wie stehen Sie dazu?
Martin: Das sehe ich sehr problematisch. Wenn es ein Spieler nicht schafft, dass er dieses Gehaltsniveau halten kann, tut er sich vielleicht schon schwer, für die Hälfte in der 3. Liga zu spielen. Oder ein Spieler schafft es gar nicht in den Profibereich. Wie soll man einem Spieler, der im Nachwuchs schon fünfstellig verdient hat, erklären, dass er jetzt einem normalen Job nachgehen muss, wo er ein Drittel verdient – wenn‘s gut läuft. Das ist zu Überdenken und birgt eine Gefahr in sich. Die Jungs sind 16, 17, 18 Jahre alt. Und das macht natürlich etwas mit den Spielern, wenn sie plötzlich monatlich einen fünfstelligen Betrag auf dem Konto haben und sich alles leisten können. Da normal zu bleiben und das richtig einzuordnen, das ist nicht so einfach.

Wie geht der Jahn im Nachwuchs mit Geld um?
Martin: Es gibt ja die Möglichkeit, Spieler mit einem Fördervertrag zu binden. Das bekommen aber nur die Top-Talente in ihren Jahrgängen. Wir wollen es uns auch nicht leisten, flächendeckend Verträge rauszugeben. Hier reden wir über Summen, die sehr überschaubar sind. Da hat der Spieler dann ein Taschengeld, mit dem er auch seine Kosten ein Stück weit abdecken kann, mehr nicht. Da sind wir sicher ein Exot, für uns ist das aber der richtige Weg.

Wir haben zu Beginn des Interviews schon darüber gesprochen, dass im Nachwuchsbereich Ergebnisse nicht die Hauptrolle spielen sollten. Blicken wir dennoch auf den aktuellen Stand. Wie zufrieden sind Sie mit dem aktuellen Abschneiden der Teams?
Martin: Die U14 und darunter blende ich aus, da interessieren mich die Ergebnisse wie gesagt überhaupt nicht. Mit der Entwicklung bin ich in diesem Bereich sehr zufrieden. Martin Reißer und unsere Trainer leisten hier tolle Arbeit. In der U15 haben wir eine richtig gute Mannschaft, mit Blick auf Ergebnis und Leistung haben wir im bisherigen Saisonverlauf aber noch Luft nach oben und wollen uns in der Rückrunde steigern. Im Bereich U16/U17 haben wir die nächsten Schritte gemacht und sind näher an der Spitze dran. In der U17 hatten wir einige verletzte Leistungsträger, deshalb mussten wiederum U16-Spieler aufrücken. Deshalb sind die Ergebnisse differenziert zu betrachten. In der U19 ist es auf Dauer schon unser Ziel, dass wir uns in der absoluten Spitzengruppe der Bayernliga etablieren und auch mal in Richtung Aufstieg gehen. Davon sind wir in diesem Jahr aber schon noch ein Stück entfernt. Insgesamt sind wir in der Gesamtqualität aber deutlich näher an der Spitzengruppe dran als noch vor ein paar Jahren. In der U21 haben wir diesen Sommer viele Spieler des 2000er-Jahrgangs aus der letztjährigen U19 integriert, entsprechend haben wir eine sehr junge Mannschaft. Sie zeigt immer wieder, dass viel Potenzial und Qualität in ihr steckt, schafft das aber noch nicht konstant. Da haben wir durch Naivität und jugendlichen Leichtsinn sicher acht bis zehn Punkte liegen gelassen.

Das oberste Ziel ist es, Talente für die eigene Profimannschaft zu entwickeln. Wie wichtig ist es dafür, dass die U21 auf Sicht in der Regionalliga sowie die U19 und U17 in den Junioren-Bundesligen spielen?
Martin: Es ist definitiv unser Ziel, das Level möglichst hoch zu setzen und uns zu verbessern. Ob das zwingend mit einem Bundesliga-Aufstieg einhergehen muss, ist die Frage. Ich finde es auch nicht optimal, wenn man zwar in der Bundesliga spielt, aber von Spieltag eins an nur gegen den Abstieg kämpft. Trotzdem würden wir uns natürlich nicht wehren und werden versuchen, den maximalen sportlichen Erfolg zu schaffen. Auch die Bayernliga ist in der U19 und U17 inzwischen richtig ordentlich in der Spitze. Wir wollen Jahr für Jahr unsere Qualität erhöhen und uns so verbessern, dass sich der Aufstieg irgendwann von alleine ergibt. Einen festen Zeitplan haben wir dafür nicht. In der U21 und U17 ist es auch eine finanzielle Frage. Für die U17 müsste man den einen oder anderen Internatsspieler dazu holen, in der U21 den einen oder anderen Erfahrenen. Dann hast du vielleicht mehr Korsettstangen, nimmst aber auch wieder Plätze für junge Spieler weg. Zudem tun sich einige zweite Mannschaften, die ein erheblich höheres Budget haben als wir, in der Regionalliga auch zum Teil sehr schwer.

Gibt es Talente, bei denen Sie die Fantasie haben, die könnten in absehbarer Zeit beim Jahn wieder den Sprung zum Profi schaffen?
Martin: Ich würde diesen keinen Gefallen tun, wenn ich konkrete Namen nenne. Aber ja, es gibt Spieler, wo wir eine entsprechende Fantasie haben.

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