Laho aus Narrensicht

Dablecken, frotzeln und "vui Gfui": Liveblog zur Landshuter Hochzeit


Unsere Laho-Blogger schmeißen sich mittenrein ins Geschehen und unter die Kostümierten.

Drei unserer Redakteure (nicht auf dem Bild) schmeißen sich mittenrein ins Geschehen und unter die Kostümierten, berichten und informieren und frotzeln und dablecken ein bisserl, mit dem nötigen Grant und hoffentlich ausreichend "vui Gfui".

Vier Wochen lang mutiert Landshut während der Laho zur Kulturhauptstadt mit Herz in der Strumpfhose. Wir mischen uns kostümiert und unkostümiert am ersten Wochenende für euch unter die Leute, am Zehrplatz, bei den Aufführungen und zu den Tribünenfesten. Wir, das sind Claudia Hagn (hac), seit 2009 Wahl-Landshuterin aus Straubing und seit 2013 Laho-Liebhaberin, Ingmar Schweder (is), seit zehn Jahren in Landshut und bereits zum zweiten Mal im Einsatz als kostümierter Reporter, und Florian Pichlmaier (fp), oberbayerischer Bauernbua, dessen Interesse an der Landshuter Hochzeit bisher war wie die Grundwasserstände in und um Landshut aktuell: niedrig. Gemeinsam schmeißen wir uns mittenrein in den Ausnahmezustand, berichten und informieren und frotzeln und dablecken ein bisserl, mit dem nötigen Grant und hoffentlich ausreichend "vui Gfui". Ihr wisst ja, wie's gemeint ist: Nur fast genau so, wie wir es hier reinschreiben. Viel Spaß auf der Landshuter Hochzeit euch allen.

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Ingmar Schweder (is), Claudia Hagn (hac) und Florian Pichlmaier (fp) sind unsere Laho-Blogger (v.l.).

Ingmar Schweder (is), Claudia Hagn (hac) und Florian Pichlmaier (fp) sind unsere Laho-Blogger (v.l.).

Freitag

Altstadt, 14.31 Uhr: Ich sitze in der Redaktion, grad scheint noch die Sonne, aber ich habe schlimmste Befürchtungen - draußen könnte es bald so zu schiffen anfangen, dass wir bis auf die nicht-mittelalterliche Unterhose nass werden. Wir, das sind die Kostümierten der Redaktion der Landshuter Zeitung. Zu sechst laufen wir heute mal auf dem Platz auf und checken die Lage; wer weiß, wo es das beste Essen heute gibt. Die Zunft ist ein heißer Anwärter dafür. Bis ich aber soweit bin, muss ich mir zuerst daheim mein Kostüm überwerfen und vor allem das Kopftuch um den Kopf binden. Daran bin ich gestern im Testlauf schon ordentlich gescheitert, ich sah aus als hätte es einen Kopfkissenbezug auf meinen Haaren zrissn. Ich bleibe jedoch zuversichtlich. Irgendwas wird es schon werden. (hac) 

Altstadt, 15.00 Uhr: Die letzten Vorbereitungen für das erste Laho-Wochenende laufen. Die Kostüme sitzen. Doch wer Strumpfhosen trägt, dessen Bart muss ab. Meine letzte Nassrasur ist sechs Jahre her. Nach dem Comeback meines Rasierhobels siezt mich nun meine Freundin und kennt mich nicht mehr. Auch meine Schwiegermutter in spe frotzelt. "Der Ingmar ohne Bart ist jetzt auch nix". Was mich mit dem Gedanken spielen lässt, mich doch noch beim ZDF zu bewerben um als Traumschiff-Kapitän Max Parger in die Südsee zu segeln. Aber erst nach der Laho. (is)

Altstadt, 15.45 Uhr: Seit Wochen haben wir den ersten Laho-Abend angepeilt für einen dezenten Umtrunk auf den Tribünen: Fünf alte Freunde, Herrengedeck aus einem Kasten Vollbier, dem einen oder anderen Obstler zwischenrein, für mich ganz klassisch Kaltschalen mit Rum-Cola oder Lillet-Berry – und dann den Herrgott einfach einen guten Mann oder eine Frau oder irgendwas dazwischen sein lassen. Stattdessen tröpfeln jetzt seit gestern die Absagen rein. Wetterlage zu unsicher, der Onkel feiert 60. Geburtstag, einer hat wirklich argen Durchfall. Ich sitze im Büro und unter mir bröselt ein wilder Partyabend weg. Ein bisschen wie früher in der Kreisklasse meine Schüsse aus der zweiten Reihe: vorm Loch verreckt. (fp)

Altstadt, 16.00 Uhr: Landshut, von hier aus bist du fast am schönsten: Die Alte Bergstraße runter, Blick nach rechts, auf die Altstadt mit dem Martinsturm, der sich in den Himmel schraubt. Dort oben aber viel weniger Weiß-Blau, als die Förderer zum Start der Laho angefordert hatten. Petrus, der gnickerte Hund, wohl trotz günstigem Jahresbeitrag von 28 Euro immer noch kein Mitglied bei dem Verein. Dennoch: Auf a friedliche Wiesn! (fp)

Altstadt, 16.05 Uhr: Das Wetter ist besser als noch heute morgen angekündigt, dafür ist die Luftfeuchtigkeit unerträglich. Bis ich am Zehrplatz angekommen bin, ist mein Kupferbecher mit Schweiß und Tränen gefüllt. (is)

Zeughaus, 16.25 Uhr: Kollege Weiterschan kriegt jetzt auch sein Kostüm. Einfarbig oder zweifarbig? Das is die Frage, ähnlich wie Beatles oder Stones. Weiterschan nimmt zweifarbig und überlegt, wann er das letzte Mal eine Strumpfhose getragen hat. Mit vier im Kindergarten vermutlich. Und sie ist angeblich brutal bequem. Lassen wir hier jetzt mal so stehen. (hac)

Altstadt, 16.30 Uhr: Irgendwelche Trompeter trompeten durch die Ländgasse. Was soll das? Ruhe bitte! Ab heute ist Laho! (fp)

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Bei ihm gehen Wahlkampf und Privatvergnügen Arm in Arm: Robin Hood, äh....Helmut Radlmeier mit unseren Redakteurinnen Franziska Hofmann (l.) und Sigi Zeindl.

Zehrplatz, 17.03 Uhr: Menschen, die in Strumpfhosen überraschend gut ausschauen (Teil 1): Landtagsabgeordneter Helmut Radlmeier (fp)

Lagerplatz, 17.27 Uhr: Schön langsam füllt sich sowohl der Lager- als auch der Zehrplatz. Ich habe Hackschnitzel in den Schuhen, auf die Schnitzel bei der Zunft warte ich noch. Wobei mir wieder spontan einfällt, dass ich als Vegetarier ja gar keine Schnitzel esse. Dennoch hatte ich wohl recht mit dem besten Essen am Platz. Bei der Zunft wird schon einiges aufgefahren. Ich sitze neben einer großen Tonschüssel voller Obazda.  Auf den andern Holzbänken stapelt sich ebenso Essen, zum Beispiel Brezen im Überfluss. Bei der Zunft eingeladen zu sein - sehr zu empfehlen. (hac)

Altstadt, 17.31 Uhr: 1475 war die Welt größtenteils noch in Ordnung: Friedrich III. war Kaiser im Heiligen Römischen Reich, die AFD stellte damals nicht einen einzigen Landrat. Dafür gab's am Kupfereck aber auch keine eigene Spur für Linksabbieger und die Kutschen haben sich teilweise bis hinter zum Karstadt gestaut, damals noch Hertie. (fp)

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Eintopf für Schweder, der Rest bleibt hungrig.

Zehrplatz, 18.30 Uhr: Im Lager wird überall langsam gekocht. Ich habe mich erst mal für Eintopf entschieden. Nur was essen die anderen? (is)

Zehrplatz, 19.00 Uhr: Der Wettergott scheint es tatsächlich gut zu meinen, bis auf ein paar Tropfen bleibt es am Zehrplatz trocken. Wie Alexander Truhlar sagt, unternehmen die Förderer extra eine Wallfahrt vor jeder Landshuter Hochzeit - und zünden für ausreichend Sonnenschein Kerzen an. Großes Gelächter bis klar wird, das ist gar kein Scherz. Nun werde ich zuhause eine Kerze anzünden und hoffen, morgen noch auf den Zehrplatz gelassen zu werden. (is)

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Die Tribünen vor der Landshuter Zeitung.

Altstadt, 19.20 Uhr: Die Tribünen vor der Landshuter Zeitung sind bisher so leer, als würde hier gleich der TSV 1860 München spielen. (fp)

Altstadt, 19.42 Uhr: Was man bei dem ganzen Abgekulte der Laho leicht vergisst: Die Ehe von Hedwig und Georg war mindestens räumlich getrennt, für mich von außen betrachtet sogar unglücklich. Während der Bräutigam in Landshut blieb, lebte seine Ehefrau in Burghausen. Die beiden hatten quasi kaum miteinander zu tun. Funktioniert auch eine Nummer kleiner: Meine Eltern gehen sich in einem einzigen Haus seit mittlerweile 35 Jahren erfolgreich aus dem Weg. (fp)

Zehrplatz, 19.59 Uhr. Sitze bei den Reisigen, es wird sich über die Preise auf dem Zehrplatz aufgeregt. 8 Euro für zwei paar Brunner, Weinschorle 0,2 Liter 6 Euro. Schnäppchen, im Vergleich zu einem Bekannten, der 500 Euro für ein Altstadtfenster zahlt. (is)

Zehrplatz, 20.05 Uhr. Drei junge Burschen rauschen an mir vorbei, freuen sich. „Das Pflichtprogramm ist vorbei. Jetzt gehen wir richtig saufen.“ Ich frage mich derweil, wo gibts hier eigentlich das beste Essen? (is)

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Landshuts Oberbürgermeister Alexander Putz.

Altstadt, 20.29 Uhr: Kurzinterview mit Oberbürgermeister Alexander Putz: "Herr Putz, wenn sie hier grad schon so traurig rumstehen..." Putz (lacht): "Ich stehe überhaupt ned traurig rum, ich genieße das. Den Menschen hier zuzuschauen, es ist wie ein Zauber." Dann zieht er weiter, allein, wie Franz Beckenbauer nach dem WM-Titel 1990 in Italien. Der Kaiser von Rom, der König von Landshut. Lichtgestalten. (fp)

Altstadt, 20.59 Uhr: Nicht nur am Zehrplatz futtern die Besucher standesgemäß wie 1475: Auf den Tribünen gibt es Dosenbier, Lieferpizza und Gelato. Fast wie beim Gardasee-Urlaub! Die Laho - das drittauthentischste Mittelalterfest in Niederbayern. (fp)

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Warum?

Zehrplatz, tiefstes Lager, 21.08 Uhr: Was genau hier passiert ist, bleibt weiter unklar. Oben auf dem Lautsprecher, worunter diese Ansammlung lag, saß auch kein Hochzeiter. Vielleicht drückten einfach die Schuhe. (hac)

Zehrplatz, 21.28 Uhr: Wir wissen, die neuen Staffel The Witcher ist seit heute auf Netflix. Und Indiana Jones feiert seinen Abschied im Kino. Aber jetzt mal ehrlich: Leute, kommt auf den Zehrplatz. Langhaarige Typen mit Schwerten und knorrige Abenteuer gibt´s hier auch, vor allem bei den Reisigen. Hier ist es derzeit herrlich - und heute ist erst der Anfang. Es ist noch genügend Platz auf den Bänken. Die Stimmung ist von solider Qualität. Oder wie unser Ex-OB Hans Rampf gerade verlauten ließ: Hier einfach mal zu sitzen und nichts zu tun, ist auch mal schön. Wenn einem Weihwasser (Wein) gereicht wird. (is)

Zehrplatz, 21.33 Uhr: Apropos Oberbürgermeister: Jetzt hatte der Kollege Pichlmaier heute schon unserem OB Alexander Putz vor der Linse. Bleibt die Frage: Was macht eigentlich sein Schatten Bürgermeister Dr. Thomas Haslinger, oder wie ich ihn als guten Freund nennen darf: Herr Haslinger (is)

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Die Lochkarte bei Rosis.

Zehrplatz, zwischendrin: Ein Kollege postet gerade, bei Rosi´s am Stand gibt es eine coole Bonuskarte. Trinke 11, zahle 10. Kein Problem, denkt ihr euch vielleicht jetzt. Aber gab es im Mittelalter eigentlich schon Locher? Wenn ja, ist für gewiefte Kunden jeder zweite Drink umsonst. Vorsicht Rosi! Das System ist löchrig. (is)

Zehrplatz, 22.11 Uhr: Es regnet und am Zehrplatz ist nur noch eher wenig los, wer einen Sitzplatz braucht - hier gäbe es noch einen! Die Fürsten essen nach Geschlechtern getrennt in den Zelten. Das kennt man an sich nur noch von Ehepaaren, die sich nicht mehr so gut verstehen. In der Innenstadt verdrücken sich die Laho-Besucher auch in die Kneipen. Nach dem Musikpegel, der bis auf die Straßen zu hören ist, könnte es heute in dem ein oder anderen Pub noch ziemlich viel Halligalli geben. Also was denn nun? Kräfte sparen für die nächsten drei Wochen oder rein ins Getümmel? (hac)

Altstadt, 0.01 Uhr. Der Wildbiesler in der Altstadt gerade wie ein leerer Physiksaal: Keine Klasse. Immerhin hat ihn die Polizei nicht erwischt, die Ordnungswidrigkeit kostete in Landshut nämlich schon vor zehn Jahren etwa 80 Euro und 25 Euro Bearbeitungsgebühr. Woher ich das weiß? Eine meiner Sternstunden nach der Fußballer-Weihnachtsfeier. Der Bescheid kam per Post zu mir nach Hause, die Beziehung zwischen meiner Mama und mir seitdem wie die Temperaturen in den vergangenen Tagen: ziemlich abgekühlt. (fp)

Zehrplatz, 0.05 Uhr: So, die erste Feier im Lager nähert sich so langsam dem Ende. Während im hinteren Teil bei den Bierbänken in der letzten Stunde so gut wie nichts mehr los war, haben die Mitwirkenden und Besucher vorne auf der grünen Wiese noch einmal alles geben. Unser Fazit: Ein wunderschöner und entspannter Einstieg ins erste Laho-Wochenende. Sollte am Samstag und Sonntag das Wetter passen, wird es grandios. Schöner letzter Aspekt: Anstatt zubereitetes Essen wegzuwerfen, hat ein Beschicker kurz vor Ladenschluss für Kostümierte und letzte Nachtschwärmer unentgeltlich ein Nachtmahl zubereitet. So geht zusammenhalt auf der Laho. Das war´s von uns für heute. Gute Nacht euch allen. (is) 

Samstag

Papiererstraße, 9.15 Uhr: Okay, selbst bei mir altem Grantler hat sich am Freitagabend ein Funserl Lebensfreude ins Gesicht verirrt. Alle zehn Meter triffst du alte Bekannte:

"Habedere!" 

"Ganzhabedere."

"Und?"

"Ja muss!"

"Ja eh. Ois klar, sauguad!"

"Servuspfiadeciao."

Knapp, unverfänglich, weiter zum nächsten, damit kein ernstes Thema die Stimmung drückt. Mein Nachbar bringt es auf den Punkt: "Mir wär's aa Wurscht, wenn da jetzt a Rocker-Fest wär. Hauptsach' es rührt se was!" Doch die Schattenseiten bleiben ned aus: Meine Freundin schleppt mich jetzt gleich zum Festspiel. (fp)

Altstadt, 9.56 Uhr: Der Nachbar im Hof nebenan renoviert - wie in den vergangenen gefühlt 17 Jahren - seine Bude weiter. Und das seit 7 Uhr früh. Während der Laho sollte jegliches Gehämmere vor 15 Uhr verboten werden. Ich habe gerade in meinem Gang einen Haufen mit Schuhen, Handy, Buchskranzl, Kupferbecher, Ledertaschen, Holzlöffel, einer Breze und einem Socken gefunden. Interessant. Vielleicht trinke ich jetzt mal eine bis vier Tassen Kaffee. Ob es Kaffee im Jahr 1475 schon gab, weiß ich gerade nicht. Recherchiere ich mal. Wenn ich mein Handy aus dem Haufen im Gang geborgen habe. (hac)

Altstadt, 11.09 Uhr: Habe herausgefunden, wann Kaffee nach Europa kam. Es war Anfang des 17. Jahrhunderts. Zur originalen Landshuter Hochzeit gab es also noch keinen, geschweige denn einen Soja-Latte-Macchiato mit Eis. Wie die das damals alles ohne Koffein überlebt haben, ist mir ein großes Rätsel. Hiermit nochmal danke an den, der die ersten Kaffeesäcke damals auf ein Schiff gewuchtet und sie nach Europa gebracht hat. Ein wahrer Held der Geschichte. (hac)

Rathaus, 11.15 Uhr: Beruhigend: Das Festspiel ist ein niederschwelliges Angebot für kulturferne Banausen wie mich. Wie hat schon Monaco Franze gesagt: "Kultur war für uns, dass einer sauber gwaschn war." In dem Stück wird auf Bairisch geschimpft und rumgeplärrt, getanzt und gesungen und gefeiert. Holt mich ab - und alle anderen im Rathausprunksaal auch. Laho, bin jetzt Fan von dir. (fp)

Altstadt, 12.35 Uhr: Nachricht vom stadtbekannten Hobby- und Eventfotografen Benni Diemer. 400 Fotos habe er am Freitagabend auf dem Zehrplatz gemacht. Sauber, Benni. Es sind sogar 421. Ihr kennt Benni Diemer noch nicht? Dann empfehlen wir einen Klick auf diesen Artikel. (is) 

Burg Trausnitz, 12.56 Uhr: Um 13 Uhr wird die Landshuter Hochzeit für den Samstag offiziell angeschossen. Wer jetzt noch nicht wach ist: Guten Morgen! (hac)

Altstadt, 13.03 Uhr: Gerüchteweise soll am heutigen Samstag Italo-Schlager-Star Roy Bianco von Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys zur Landshuter Hochzeit kommen. Roy, wir haben da ein paar Fragen: Wann spielt ihr endlich mal in Landshut und was kostet Amore beziehungsweise die Liebe zu dir? (is)

Altstadt, 13.32 Uhr: Ganz rechts neben der Tribüne vor dem Gebäude der Landshuter Zeitung steht ein Mülleimer. Gerade kommt ein Mann vorbei und packt die rumstehenden Pfandflaschen in seinen Rucksack. Genau wie Hubert Aiwanger im Wahlkampf: fischt am rechten Rand. (fp)

Altstadt, 14.01 Uhr: Auf den Tribünen ist egal, wer du bist. Die Anwältin sitzt neben dem Erzieher, schwarze Menschen neben deutschen Kartoffeln, sogar Rothaarige sind geduldet. Wie in einem gut choreografierten Schmuddelfilm: Alle kommen zusammen. (fp)

Innenstadt, 14.40 Uhr.: Kleiner Servicehinweis: In etwa einer halben Stunde, um 15 Uhr, öffnet der Biergartenbetrieb auf dem Zehrplatz. Bis 17 Uhr läuft übrigens noch der Altstadttreff der Mitwirkenden der Landshuter Hochzeit. Danach beginnt das Lagerleben. Ab 21 Uhr gehen dann endlich die ersten Festlichen Spiele im nächtlichen Lager (Turnierplatz) über die Bühne. Wir sind gespannt und natürlich für euch auch dabei. Das Wetter soll halten. Falls nicht, haben die Förderer vorgesorgt. Der Ausweichtermin bei Ausfall infolge schlechter Witterung findet am Freitag, 7. Juli, um 21.15 Uhr statt. Viel Spaß heute Abend! (is)

St. Martin, 15 Uhr: Die Martinskirche ist voll. Die Reisigen singen hier nämlich jetzt ihre Lieder. Wer da nicht ergriffen ist, hat kein Herz. Besser als "Angels" von Robbie Williams. Ich schwöre. (hac)

St. Martin, 15.15 Uhr: Ganz ehrlich, das müsst ihr euch mal anhören. Die Akkustik der Kirche gepaart mit der Stimmgewalt der Reisigen, ich werde Tonaufnahmen davon ins All schießen, damit auch Aliens wissen was Schönheit bedeutet. (is)

Altstadt 15.20 Uhr: In der Landshuter Altstadt ist gut was los. Ich werde meinen Plan, ein Bürgerbegehren für ein historisches Mittelalterfest in Landshut auf den Weg zu bringen, um mehr Leben in die Innenstadt zu locken, wohl doch zu den Akten legen können. 

Ländgasse, 15.50 Uhr: Die wohl dicksten Buchskränze Landshuts hängen in der Ländgasse an einem Altstadthaus. An alle Hausbesitzer, die noch nicht geschmückt haben: Es wird Zeit, bald ist die Laho wieder vorbei! Kennt man ja von Weihnachten, diesen fiesen Schmückungsdruck! (hac)

Lager, 15.58 Uhr: Die Hofküche ist als erste anwesend und bespricht sich. Hinten werden Apfelscheiben geschnitten, da könnte später ein Apfelkiache irgendwo rausspringen! Gefragt von einem Mann aus der Nähe von Wien, was es mit dem Doppeladler mit rot-weiß-rotem Wappen auf sich hat, kann ich nur spekulieren. Was ich spekuliert habe, traue ich mich hier nicht öffentlich sagen, das ist wie in der Schule im Geschichtsunterricht. Lieber den Mund halten, als sich komplett blamieren. Wer eine Ahnung hat, was es mit den Farben auf sich hat: Infos gern zu mir! (hac)

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Was hat es mit dieser Fahne auf sich?

Altstadt, 16.02 Uhr: Apropos Fahndl im Wind: Ministerpräsident Markus Söder schaut morgen auch vorbei in Landshut, erst zum Staatsempfang auf der Burg Trausnitz, dann zum Umzug. (fp)

Lager, 16.23 Uhr: Die Hofküche serviert einen Pfannkuchen, da können alle anderen einpacken. Ich sowieso. Er schmeckt wie bei meiner Oma und Kalorien sind da keine drin. Auch kein Butterschmalz. Wie man vielleicht schon rauslesen kann: Auf der Laho dreht sich einiges ums Essen und Trinken. Und das war 1475 nicht anders... da hielten die reichen Herzöge alle Gäste und Bürger eine Woche lang aus. Würde ich mir von Alexander Putz (Hallo Alex!) auch mal wünschen. (hac)

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Authentizität - auch beim kulinarischen Angebot in der Altstadt großgeschrieben.

Altstadt, 17.25 Uhr: Das kulinarische Angebot in Landshut auch am Samstag ganz nah dran an den Vorlieben des Brautpaars von 1475 und dabei streng authentisch: Schon Georg hat seinen Hotdog am liebsten mit Weißwurst zusammengebastelt und Hedwig hat nur selten ein Softeis ohne Topping verdrückt. Preise damals halt noch in D-Mark statt Euro, eh klar. Aufmerksame Zeitungsleser wissen natürlich, dass wir euch hier gefoppt haben: Die Weißwurst hat ein Münchner Metzger erst 1857 erfunden. (fp)

Zehrplatz, 17.54 Uhr: Richtig lange Schlange jetzt vorm Zehrplatz. Entweder wollen die wirklich alle da rein - oder die ganzen grantigen Niederbayern freuen sich einfach nur, dass sie endlich Mal wieder in einer Schlange anstehen und schimpfen dürfen, wie sakrisch langsam es vorwärts geht. (fp)

Zehrplatz, 18.02 Uhr: Am Ende der Schlange übrigens neben dem Einlass auch die offizielle Schirmabgabestelle: Die dürfen nicht mit rein, wahrscheinlich aus Authentizitätsgründen, könnt ihr also getrost Zuhause lassen - auch mit Blick auf das Wetter. Höchstens so um 23 Uhr könnte Landshut laut aktuellen Wetterberichten ein paar Tropfen abkriegen. (fp) 

Zehrplatz, 18.21 Uhr: Vollständige Liste mit sämtlichen Dingen, vor denen ich Angst habe: 1. Herzinfarkt. 2. Markus Söder. 3. Meinen Chef in Strumpfhosen zu sehen. (fp)

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Simon Kunert, Redaktionsleiter der Landshuter Zeitung. Auf der Laho unter dem Decknamen Ritter Kunibert unterwegs. 

Lager, 19 Uhr: Ein Gerücht, das im Lager die Runde macht, ist falsch. Die Ziege vom Fahrenden Volk ist nicht schwanger und kann morgen beim Hochzeitszug mit durch die Altstadt laufen. Die Ziege ist nämlich ein Ziegenbock, also männlich. Weiblich ist stattdessen der Esel, der dann eine Eselin wäre. Oder eine Eseldame. Ich komme nicht mehr mit. Martin Mezger dafür morgen schon. Martin, wir freuen uns auf deine Späße! (is)

Lager, 19.15 Uhr: Den häufigsten Spruch den ich höre: „Deine Haare sind ja nicht sonderlich lang.“ Gleich habe ich ein Interview mit Hans Rampf. Mal gucken was er sagt. (is)

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So schaut es gerade in der Altstadt aus.

Altstadt, 19.54 Uhr: Die Tribünen in der Altstadt heute fast so voll wie die Konten der Familie Eller. (fp)

Lager, 20.20 Uhr: Ex-OB Hans Rampf ist dieses Jahr zum ersten Mal bei der Landshuter Hochzeit dabei. Und irgendwie habe ich gerade Imperator-Vibes. Aber ich bin ein Jedi, wie mein Vater vor mir. (is)

Altstadt, 20.42 Uhr: Haben am zweiten Tag schon das trendigste Accessoire unter den Gästen ausgemacht: Die Leute haben Becher aus - ich schätze Mal - Kupfer dabei, die sie sich in Leder-Schlaufen an den Gürtel schnallen. Die leeren Becher füllen sie mit Wasser auf, manche sogar mit Bier oder Cuba. Saupraktisch. Könnte sich in Zukunft durchsetzen. (fp)

Lager, 20.47 Uhr: Ich sitze auf dem Hochsitz der Musiker, die damals extra aus Polen angereist sind - aus Gründen. Ich habe nämlich vor Pferden genau so viel Angst wie Kollege Pichlmaier vor Markus Söder und seinem Chef in Strumpfhosen. Hoch zwei. Und wenn auf dieser Wiesmahd irgendwas wie von der Tarantel gestochen rumrennt, dann Pferdl. Natürlich nur dann, wenn sie sollen. Sagen mir Leute, die sich damit auskennen. (hac)

Zehrplatz, 21.02 Uhr: Ex-OB Hans Rampf ist übrigens Novize bei den Glaubensbrüdern des Deutschen Ritterordens bei der Landshuter Hochzeit, also ein Kampfmönch der Dominikaner, würden jetzt Diabolo-4-Spieler sagen. Sein größter Wunsch nach drei Wochen Aufführung: Stiftspropst Monsignore Dr. Franz Joseph Baur die Beichte abnehmen. Mehr über unser Treffen mit Rampf in der Montagsausgabe der Landshuter Zeitung. (is)

Turnierplatz, 21.06 Uhr: Bei den Festlichen Spielen im Nächtlichen Lager hat es einen Darsteller beim Lauf auf den Leitern am Publikum vorbei von der Leiter gehauen. Er musste mit einer Trage vom Platz gebracht werden. Ärztliche Hilfe steht bereit. Gute Besserung an dieser Stelle. (hac)

Turnierplatz, 21.20 Uhr: Die Markgrafen sind jetzt auch da. Genau so wie die Fürsten und die Geistlichkeit. Der Papst fehlt noch. Sollte er hier auftauchen, erfahren Sie es hier als Erstes. (hac)

Turnierplatz, 21.41 Uhr: Da das Treiben auf dem Turnierplatz sonst seinen gewohnten Lauf nimmt, zurück zur alles entscheinden Frage: Wo ist Bürgermeister Dr.Thomas Haslinger? Der Mann, der sonst immer überall ist. Ich bin ja kein Stalker, aber sein letzter Facebookeintrag rührt vom 25. Juni.Das ist nach putz´scher Zeitrechnung ein halbes Erdzeitalter her. Urlaub? Entführt? Herr Haslinger, senden Sie ein Lebenszeichen.Am Sonntag kommt doch Söder in die Stadt. Gotham braucht Sie! (is)

Tunierplatz, 22.03 Uhr: Die Fahnenschwinger und Fahnenwerfer sind am Platz. Und die beiden Feuerpyramiden brennen so gut wie schon lange nicht mehr. Inklusive funkenflug. Hinter den Kulissen reiten sich die Feuerköpfe warm. Hier geht es wirklich heißt er. Eine Schau! (hac)

Turnierplatz, 22.14 Uhr: Laut Sprecher des Turnierplatzes geht es dem verunglückten Mitwirkenden den Umständen entsprechend gut. Was auch immer das heißen soll. Weiterhin gute Besserung. (bb)

Turnierplatz, 22.45 Uhr: Excuse my French, but Oida: Da rutscht einem doch glatt das Herz in die Strumpfhose. Mit einer teils irren Geschwindigkeit reiten die Ringelstecher hier durch den Turnierhof, fast jeder Stich sitzt. Ein Bub aus der ersten Reihe: "Die schießen hier durch, das ist der Wahnsinn." Auch der erste Doppelstich gelingt. Und irgendwo steht gerade Oliver Kahn von der Couch auf, klatscht, weiß gar nicht warum und sagt: "Weiter, immer weiter".  (is/hac)

Altstadt, 22.54 Uhr: Einerseits: hab ich mit meinem Chef ausgemacht, dass wir hier nur ganz dezent Witze auf Kosten der Hochzeiterer machen. Andererseits: steht hier ein Mann Mitte 50, mit viel zu wenigen und viel zu langen Haaren und einem Mottoshirt: „Komm saufet, ihr Brüder.“ Sonst die Stimmung auf den Tribünen ausgelassen, es laufen schon wieder dieselben Lätschen rum wie gestern und Kenner kaufen beim Stegfellner Hauswein für neun Euro pro Liter. Sprit gibt's ähnlich günstig nur an der Tankstelle an der Podewilsstraße. (fp)

Turnierhof, 23 Uhr: Hallooo? Was war das für ein Auftakt. Die ersten Festlichen Spiele im nächtlichen Lager liefen so, wie viele sich das erhofft hatten: nahezu perfekt. Bis auf einen kleinen Unfall am Anfang klappte alles wie gewünscht. Die Ringelstecher präsentierten sich vor 10.000 Zuschauern in Bestform, die Feuerkopfstecher auch in Form. Top drauf waren auch die Fahnenwerfer, Fahnenschwinger, Morisken und alle weiteren Mitwirkenden. Die Festlichen Spiele im nächtlichen Lager gehören ohne Zweifel zu den Höhepunkten der Landshuter Hochzeit. Für die Zuschauer, als auch für die Mitwirkenden. Und am Sonntag geht´s gleich weiter: Um 14 Uhr steht der erste Hochzeitszug durch die Alt- und Neustadt an, ab 17 Uhr die Reiter- und Ritterspiele auf dem Turnierplatz. Wir freuen uns! Jetzt wird noch gemütlich auf dem Zehrplatz gefeiert. Und vielleicht später in der Altstadt. Schaut´s euch an. (hac)

Ländtor, 0 Uhr: So gut wie während der Laho sind die Nachtbusse in Landshut wohl selten ausgelastet. Gilt aber ebenso für Mülleimer. Voll: Während der Laho ein geschützter Markenbegriff auf allen Ebenen. Am Zehrplatz ist bald Feierabend, zumindest für die Besucher. Die stürzen sich nach einem grandiosen Abend ins Nachtleben, das wir für euch am nächsten Wochenende genauer unter die Lupe nehmen werden. Welche Laho-Location rockt, und wer hat es schwer, ist aber dennoch ein Besuch wert? Ihr werdet es erfahren. Boah, ich sag´s euch: Bei den Temperaturen ein Kostüm zu tragen, da kommt man leicht ins Schwitzen. Ich habe diese Woche schon das zweite Mal geduscht und es ist erst Samstag. Nun ist hier im Liveblog erst mal Feierabend und nicht vergessen: Bänke gehen laut Sicherheitskonzept an der Zugstrecke nicht. Campingstühle schon. Servus! (is/hac/bb)

Sonntag

Altstadt, 7 Uhr: Guten Morgen. Die Nacht war viel zu kurz, die Fußballer aus Tiefenbach hatten dafür die deutlich härtere. Die Mannschaft hat sich in drei Schichten aufgeteilt und sitzt bereits seit 1 Uhr oben am St. Martin, um Plätze für den Hochzeitszug (ab 14 Uhr) zu reservieren. Bei so viel Enthusiasmus fällt mir doch glatt der Frühstücksscampi in den Kupferbecher. Die Jungs feiern übrigens auch ihren Aufstieg von der Kreisklasse in die Kreisliga. Für uns klingt das eher nach einem Abend der Marke Champions League. (is)

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Seit 1 Uhr mit Klappstühlen in der Altstadt: Die Fußballer aus Tiefenbach. 

Altstadt, 7.15 Uhr: Hach schön, hinter der sogenannten Südkurve der Laho bei der Heilig-Geist-Kirche macht am Sonntagmorgen die Klapp-bestuhlte Altstadt auf. Wie es den Tiefenbacher Fußballern geht, die bereits seit 1 Uhr morgens ihre Plätze für den Umzug in der Altstadt reservieren? Ob das schon als Ansitzen gilt, ist zweifelhaft. Ich vermute ja stark, dass es die Herren nach der Feierei einfach nicht mehr nach Hause geschafft haben - unter dem Deckmantel des Ansitzens hat das aber natürlich einen deutlich würdigeren Anstrich. (fra)

Altstadt, 9.15 Uhr: Neben der Tribüne der Ehrengäste steht ein streng aussehender Polizist mit seinem äußerst niedlichen Polizeihund. Letzterer hat zuvor gecheckt, ob unter den Plätzen, die später von Ministerpräsident Söder und Co. eingenommen werden, auch bloß kein Sprengstoff oder Ähnliches platziert wurde. Ich spiele mit dem Gedanken, ob ich den Polizisten ansprechen soll. Nicht aus journalistischer Neugierde, sondern weil ich gerne seinen Schäferhund streicheln würde. Ich lasse es bleiben und überquere das Kopfsteinpflaster. Die Gruppe, die vor der Sparkasse unter den Bögen bereits seit 3.25 Uhr morgens ansitzt, berichtet mir von ihrem Morgen: Um 4.30 Uhr kam es bereits zu den ersten Revierkämpfen, um 5 Uhr wurde zu allem Überfluss noch die Kaffeekanne gestohlen. Übrigens nicht etwa eine Thermoskanne, sondern die Glaskanne, die zu einer Filter-Kaffeemaschine gehört. Wer macht sowas? Und hat die Polizei auch Kaffeekannenspürhunde? (fra)

Altstadt, 10.33 Uhr: Vor meinem Fenster in einer Altstadtgasse schleppen Menschen in unregelmäßigen Abständen Plastikstühle vorbei. Ich frage mich kurz, ob ich am bulgarischen Goldstrand bin oder mein Geisteszustand mittlerweile bedenkliche Züge angenommen hat. Dann fällt mir ein: der erste Hochzeitszug steht an. Alles also normal. (hac)

Neustadt, 11 Uhr: Was macht eigentlich Chocolatier Olaf Minet? Zur Laho wollte er fünf Bänke vor seinem Geschäft platzieren und reservieren. Wegen des Sicherheitskonzeptes der Stadt sind es nun Klappstühle geworden. Dennoch: Revier bleibt Revier. (is)

Altstadt, 11.35 Uhr: Gerade beim Blick aus dem Redaktionsfenster ganz erschrocken festgestellt: auch heute ist offensichtlich wieder irgendwas mit Laho! So wie an den kommenden drei Wochenenden, sagt meine Kollegin. Abnutzungserscheinungen, wie sonst nur beim Kupferbecher, den meine Freundin gestern eingeweiht hat: Ihre Hände sind jetzt grün und blau, bin dankbar für wissenschaftliche Erläuterungen von jemandem aus dem metallverarbeitenden Gewerbe. Schmeiße aber schon Mal die Begriffe Grünspan und Oxidation aus dem Chemie-Leistungskurs in den Ring. (fp)

Altstadt, 11.43 Uhr: Aha, heute also Umzug. Denke an meinen jüngsten Umzug, im Juli 2022 aus der Neustadt in eine Wohnung in der Papiererstraße: Da war überhaupt gar keiner dabei, der mitangepackt hat. Jetzt aber alle ganz engagiert, gschafteln schon seit den frühen Morgenstunden in ihren Campingstühlen herum. Wo wart ihr vor einem Jahr bitteschön alle? Umziehen, für mich eh jeden Tag ein Thema: Bei Übergewicht gar nicht so einfach. Wenigstens muss ich mich nicht mit Strumpfhosen rumärgern. (fp)

Altstadt, 11.55 Uhr: Auf der Holzbrücke über die Isar spricht mich eine Frau an. Habe Stöpsel im Ohr, höre also nix und gehe unweigerlich davon aus, dass sie mir sagen will, wie schön es ist, neben den ganzen kahlgesichtigen Guatlbuam unter den Hochzeitern Mal einen akkurat getrimmten Bart zu sehen. Sie will aber nur ein Foto von sich selbst, mit Isar und Martinskirche im Hintergrund. Enttäuschend, gleich in zweifacher Hinsicht: Zwei Kräne durchschneiden den schönen Ausblick auf die Landshuter Altstadt. War mir eigentlich sicher, dass die zur Laho weg sind - wurden aus Authentizitätsgründen aber wohl stehen gelassen: Die Griechen haben Kräne schon vor 2500 Jahren erfunden. (fp)

Altstadt, 12.56 Uhr: Wie in jeder Krise gibt es sie auch bei der Laho, die Profiteure: Einer davon ist die Bäckerei Mareis. Deren Bäcker flanschen einfach ein Funserl mehr Teig an ihre Brezenrohlinge, schreiben Laho drauf und verlangen drei Euro für die Pfeffer- und dreifünfzig für die Käsevariante. Achtung, dieser Beitrag kann Spuren von unbezahlter Werbung enthalten. (fp)

Redaktion Altstadt, 13.06 Uhr: Draußen vorm Fenster trommeln irgendwelche Gruppen vorbei, auch eine quäkende Flöte ist dabei. Manch einer der Redaktionskollegen fragt sich, ob die Menschenmengen vielleicht weniger geworden sind im Vergleich zu 2017. Da waren es beim ersten Zug aber auch "nur" knapp über 30000 Besucher - rein überblicksmäßig kann ich grad nicht sagen, wie viele Besucher es heute schon sind, aber es sind auf alle Fälle mehr als sonst an einem Sonntagnachmittag. Soviel trau ich mich wetten. (hac) 

Altstadt, 14.10 Uhr: Neben der astreinen Bezahlung ein weiterer Vorzug der Arbeit bei der Mediengruppe Attenkofer/Landshuter Zeitung: Den Festzug zur Laho von einem Altstadtfenster im ersten oder zweiten Stock aus beobachten. Andere zahlen dafür fünfhundert Euro, ich schleuse gratis meine Eltern in unser Altstadthaus. Mama heute also endlich Mal auf Augenhöhe mit den ganzen Großkopferten, Grüße an dieser Stelle an Verleger Dr. Martin Balle am Fenster nebenan: Danke für die Finanzierung meines ausschweifenden Lebensstils. Unten beim Fußvolk schwitzen in der Zwischenzeit Ministerpräsident Markus Söder und wohl auch Wittelsbacher-Abkömmling Prinz Ludwig. Mama schaut erhaben über sie hinweg. (fp)

Altstadt, 14.21 Uhr: Vor den Hochzeitern marschieren drei Polizisten und heizen mit Laolawellen das Publikum an. Von wegen Deeskalation. (fp)

Altstadt, 14.33 Uhr: Die Hochzeiter schreien das Publikum an, die Besucher schreien zurück. Eins zu eins wie die Ehe meiner Eltern: ein einziges Geschrei. (fp)

Altstadt, 14.40 Uhr: Immer wieder Kutschen zwischen den Fußgruppen, gezogen von Pferden. Kann mich noch gut an die Faschingsumzüge bei uns daheim in Gammelsdorf erinnern. Klar, das ist Oberbayern, wir sind finanziell ganz anders aufgestellt als die Landshuter. Aber da hat wirklich jeder, der a bisserl was auf sich hält, die Pferde daheimgelassen und stattdessen den 1000er Fendt Vario vor den Faschingswagen gespannt. (fp)

Altstadt, 14.50 Uhr: Die Fahnenschwinger gerade auf Höhe von Markus Söder. Ob er auch kurz sein Fahnderl hochhält und schaut, wie der Wind sich dreht? Ja sorry, hatten wir sinngemäß gestern schon, kann ich aber ned liegenlassen, so einen dankbaren Scherz. (fp)

Dreifaltigkeitsplatz, kurz vorm Zug (sorry, kleiner Rückblick, aber ich musste mich erst im Kostüm zurück in die Redaktion kämpfen): Die Hölle ist los. Ein Mann auf der Tribüne erzählt von Menschen, die jetzt neuerdings bei Popkonzerten und Ähnlichem (Laho?) Tabletten nähmen, um nicht so oft aufs Klo zu müssen. Denn Ansitzen dauert - und bei den Temperaturen, vor allem bei direkter Sonneneinstrahlung - braucht es ein bisschen Flüssigkeit. Die dann ja auch wieder raus muss. Dann kommen noch andere Tipps daher, bei Popkonzerten tragen einige jetzt schon Dinge, die eigentlich nur kleine Babys brauchen. Ich möchte nicht näher drauf eingehen, hoffe aber, jeder auf der Tribüne und am Zugrand konnte rechtzeitig eine Toilette finden. Aber auch dieses Thema braucht seinen Platz, denn: Nichts Menschliches ist uns fremd. (hac) 

Altstadt, 15.06 Uhr: Gut okay, muss auch hier wieder zugeben: Kann man sich schonmal anschauen, das ganze. Liebevoll gemacht, alle so gut drauf wie zuletzt höchstens Mal beim Sommermärchen 2006. "Hallooo!" "Hallooo!" "Hallooo!" Ja, is ja recht jetzt, wir ham eich scho gseng, ihr gehts ja schließlich mitten auf der Straß'. (fp)

Altstadt, Redaktion, 15.41 Uhr: Ich sitze hier mit Kostüm, eine Kollegin kommt rein und sagt: "Mei, du schaust oba liab aus!" "Liab" ist das letzte Adjektiv, das ich mir momentan zuordnen würde. Aber wie heißt es so schön: Komplimente muss man annehmen. Leider ist mein Kopftuch ein wenig verknittert, ich verweigere mich seit jeher des Bügelns. Sorry liebe Förderer, aber ich tue sonst eh schon mein Bestes. Und eure Schuhe sind saubequem! (hac)

Grieserwiese, 16.51 Uhr:  Der Zehrplatz trotz großem Andrang wie Kapitän Nemo: Alle Luken sind noch dicht. Es staut sich ohne Ende. Zum Festplatz wird man die Wittstraße entlanggeschleust und dann um die halbe Grieserwiese rum. Im Publikum Gegrummel. Und wo sind die Lautsprecherdurchsagen, wenn man sie mal braucht? Kommt schon, "Fördera":  macht das Ding auf und lasst die Besucher rein. (is)

Altstadt, 16.52 Uhr: Die Altstadt gerade ein wunderbares Beispiel dafür, was in Deutschland alles falsch läuft: Der Umzug ist seit gut einer Stunde vorbei, die Absperrungen und Barrieren sind schon fertig eingesammelt und die kleinen Müllautos des Landshuter Baureferats kutschieren den Müll weg. Weit und breit nix zu sehen vom Bürokratie-Dickicht, das Behörden und Verwaltungen lähmt - hier arbeitet am Sonntagabend einfach jeder brav vor sich hin. Riesenfrechheit! Und die Besucher? Sind auch alle gut drauf, schimpfen nicht über die Ampelkoalition oder das Heizungsgesetz, reden nur das nötigste: "Himmel Landshut?" "Tausend Landshut!" (fp)

Altstadt, 16.56 Uhr: Aus dem Karstadt- und Oberpaur-Parkhaus kommt gerade niemand mit dem Auto raus: Die Polizei hat vorne an der Wittstraße abgesperrt. Der trockene Kommentar einer "Parkhausfrau": "Als Landshuter weiß man, dass man erst ab 20 Uhr wieder raus kann." Hilft meinen Freunden aus Oberbayern aber wenig. In zwanzig Minuten soll es laut Polizei ein Zeitfenster zum Rausfahren geben. Kommt alle gut nach Hause, egal ob mit Kutsche oder auf dem Pferd. (fp)

Altstadt, 17.14 Uhr: Die Mitarbeiter des Bauhofs geben wohl erst Ruhe, wenn hier alles wieder so gschleckt ist wie vor dem Umzug: Sogar den Pferdeäpfeln rücken sie schon auf die Pelle. Landshut putzt sich direkt wieder raus - so wie ich nur zu offiziellen Terminen mit der Politprominenz oder zum monatlichen Sonntagsschmuser nach dem Tatort. Gerade ist aber Sommerpause. (fp)

Turnierplatz, 17.27 Uhr: Die Angst vor Pferden is heute noch größer als gestern. Warum? Weil die Pferde viel größer sind als gestern. Oder wie ein Bekannter grad gesagt hat: "Ich kenne Leute, deren Wohnung ist kleiner als so ein Pferdl." (hac)

Altstadt, 18.10 Uhr: Jetzt, wo doch so viele Tribünen in der Altstadt stehen und sich alle auf dem Zehrplatz vergnügen, wo sind die Bands für die Tribünengäste? Garopa: Bitte übernehmen Sie. Zum Artikel über die Landshuter Afro-Punker geht es übrigens hier entlang. (is)

Altstadt, 18.52 Uhr: Ein Brautpaar huscht gerade Richtung Martinskirche. Kein herzogliches, sondern ein ganz stinknormales, aus 2023. Entweder leichtsinnig oder mit ganz viel Kalkül, auf den Tribünen und vor dem Chocolat brandet jedenfalls Applaus auf. Hatte gehofft, heute kein Hallooo mehr zu hören - jetzt gab's gleich eine Handvoll davon. (fp)

Altstadt, 19.30 Uhr: Drei Mal hat´s gerade richtig geknallt in der Altstadt. Waren´s die Böllerschützen? Ministerpräsident Markus Söder war heute auch bei der Landshuter Hochzeit zu Gast. Auf den Tribünen wird vermutet: Der ein oder anderen CSU-Stadtrat ist vor stolz einfach geplatzt. (is)

Altstadt, 20.15 Uhr: Roy Bianco war dieses Wochenende tatsächlich bei der Landshuter Hochzeit. In der Altstadt, an der Isar, auf dem Zehrplatz. Und um zwei Fragen noch einmal deutlich zu machen. Lieber Roy, wann spielst du mit deinen Abbrunzati Boys endlich in Landshut? Und war Landshuts Messechef eigentlich schon einmal im Urlaub in Neapel?  (is)

Redaktion, Altstadt, 20.17 Uhr: Die Ritterspiele sind rum, es gab etliche Stiche, die Ringelstecher haben getroffen - frei nach einem Comic von Asterix und Obelix kann man da nach dem ersten Laho-Wochenende nur folgenden Satz bringen: "Man kennt se, man mog se, olle san sauguad drauf!" Draußen am Turnierplatz gibt es jetzt Essen bei den Gruppen, die Redaktion schustert die letzten Artikel für morgen zusammen. An Guadn, liebe Hochzeiter! Wir essen dann die Reste. (hac)

Altstadt, 21.15 Uhr: Uffz, also wenn ihr euer Auto vermisst, diese Meldung kam gerade von der Polizei: Um die Rettungswege freizuhalten musste im Innenstadtgebiet 42 mal abgeschleppt werden. Also eine ähnlich erschreckend gute Bilanz wie bei den Junkern am Samstagabend. (is)

Redaktion, Altstadt 21.36 Uhr: Liebe Leit, in der Redaktion befinden wir uns gerade in der Endphase der Produktion für die Montagsausgabe. Deshalb ist hier im Liveblog nun Feierabend. Aus. Ende. Schee wars. Es war ein geniales Wochenende mit euch - und ein fantastischer Auftakt zur 42. Landshuter Hochzeit. Wir bedanken uns bei allen Lesern, für euer Feedback zum Liveblog und für eure Botschaften. Auf eine friedliche Wiesn die nächsten drei Wochen, wie Kollege Pichlmaier immer zu sagen pflegt. Wir sehen uns!  (is/hac/fp)