Straubing

Allein unter Frauen - als Mann in der Hauswirtschaft


Lorz ist seit Anfang August am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Straubing. Dort bleibt er im Rahmen seines Vorbereitungsdienstes bis kommenden Mai.

Lorz ist seit Anfang August am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Straubing. Dort bleibt er im Rahmen seines Vorbereitungsdienstes bis kommenden Mai.

Kochen, backen, putzen - alles Frauensache? Nein, findet Marcel Lorz. Er arbeitet seit Kurzem in der Abteilung Hauswirtschaft an der Landwirtschaftsschule in Straubing und tritt damit den Beweis an: Rollenbilder sind von Vorgestern.

Fragt man Lorz, wie viele Männern ihm schon vorangegangen sind, muss er nicht lange überlegen. "Bisher hat ein einziger Mann in Bayern vor mir diese Ausbildung gemacht”, sagt er. Lorz absolviert seit Anfang August seinen Vorbereitungsdienst beim Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Dazu gehört auch der Unterricht an der Landwirtschaftsschule, Abteilung Hauswirtschaft - und so steht der 24-Jährige ab sofort jede Woche vor 18 Studierenden. Die erste Lektion hat er bereits hinter sich, an einem Freitag ging es um Schneidetechniken bei Obst und Gemüse.

Straubing ist Lorz' erste Station in seinem zweijährigen Vorbereitungsdienst. Ursprünglich stammt er aus Schweinfurt in Unterfranken. Dort legt er die mittlere Reife ab, danach stellt sich die Frage nach einer Lehrstelle. "Ich habe schon immer gerne gekocht” erzählt er. Koch werden wäre eine Option gewesen. Aber viele Ausbildungsstätten bilden erst aus, wenn man volljährig ist.

Lorz entscheidet sich für eine Lehre zum Hauswirtschafter: "Mir war wichtig, etwas zu machen, wo ich den Sinn sehe, etwas, das mir für das spätere Leben etwas bringt”, sagt er. In der Ausbildung merkt er, dass ihm das Unterrichten liegt. Vieles schaut er sich bei seinen Lehrerinnen ab: "Die waren mit Engagement und Leidenschaft dabei und haben das auf ihre Schüler übertragen.”

Lieber Erwachsene unterrichten

Lorz will das auch. Bereits nach der Ausbildung hätte er als Lehrer an allgemeinbildenden Schulen anfangen können, wo man mit jungen Erwachsenen arbeitet. Aber Lorz entscheidet sich bewusst für die Aufstiegsfortbildung zum staatlich geprüften Betriebswirt für Ernährungs- und Versorgungsmanagement. Auch weil er merkt, dass er lieber Erwachsene unterrichtet. Schließlich erfährt er zufällig, dass auch eine Laufbahn beim Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten möglich ist. Er bewirbt sich - und wird genommen.

Zum August ist er nun ans Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten nach Straubing versetzt worden. Seine Position heißt im Amtsdeutsch "Vorbereitungsdienst für landwirtschaftlich-hauswirtschaftliche Fachlehrer und Fachberater”. Seine Aufgaben: Beraten, informieren und fördern - und vor allem lehren. 20 Unterrichtseinheiten muss Lorz bis Mai 2021 absolvieren, dann wird er an einen anderen Dienstort geschickt.

Der Unterfranke unterrichtet die Fächer Küchenpraxis, Haus- und Textilpraxis und Hausgartenbau. Das heißt unter anderem: Seinen 18 Studierenden beibringen, welche Garmethoden es gibt oder wie sie ihre Küchenarbeit am besten organisieren. Die Frauen, die vor ihm sitzen, absolvieren die Fachschule für Ernährung und Haushaltsführung, 21 Monate lang und in Teilzeit. Sie wollen sich weiterqualifizieren, sie können dank Teilzeitunterricht Familie und Berufstätigkeit miteinander vereinbaren, einige reduzieren teilweise sogar etwas ihre Arbeitszeit. Die Altersspanne ist groß, sie reicht von Mitte 20 bis Mitte 50, das Durchschnittsalter ist genau 40 Jahre.

Hauswirtschaft: Als Mann ein Exot

Üblich ist ein Mann in dieser Position nicht. Die Semesterleiterin des Studiengangs, Ingeborg Hüllbusch, erinnert sich "an insgesamt drei Männer in diesem Bereich - im Zeitraum von 25 Jahren.” Lorz ist Exot - aber sein Status ist für ihn kein Problem. "Die Damen waren natürlich neugierig, haben mich aber sofort akzeptiert”, sagt er. Das sei in seiner Ausbildung nicht immer so gewesen: "Ich habe gemerkt, dass Frauen, die in Führungspositionen und bereits lange im Beruf sind, sich von einem jungen Mann nicht immer etwas sagen lassen”. Dennoch habe er sich nie als Fremdkörper wahrgenommen. "Wenn man fachlich etwas drauf hat, dann sind die Unterschiede bei Alter und Geschlecht kein Problem”, meint er. Vor allem schätzt der 24-Jährige, dass seine Studierenden motiviert seien: "Sie wollen etwas lernen, was sie zuhause umsetzen und ausprobieren können.”

Fehlt nur noch, dass auch einmal ein Mann zu Lorz' Studierenden gehört. "Es ist nicht verkehrt, als Mann in der Hauswirtschaft zu arbeiten", schmunzelt der Unterfranke. Das Bild des Berufs in der Gesellschaft sei verzerrt: "Hauswirtschaft ist viel mehr als Kochen, Waschen und Bügeln. Dazu gehört auch das Planen und Vorbereiten sowie Fachwissen in vielen Bereichen”, sagt Lorz. Vor allem ausgebildete Fachkräfte seien immer mehr gefragt, weil viele hauswirtschaftliche Dienstleistungen aufgrund des demografischen Wandels mittlerweile vergeben werden.

Fachkräfte sind zukünftig gefragt

Da erscheint die Corona-Krise plötzlich als Chance. "Das Interesse dieses Jahr am Infoabend war größer als je zuvor”, sagt Ingeborg Hüllbusch. Die Menschen seien in der Phase des Lockdowns gezwungen gewesen, sich zu fragen: 'Was koche ich heute? Wie organisiere ich mich?' Lorz bestätigt: "Jeder der eine Fachausbildung macht, hat gute Aufstiegschancen.” Das gilt auch für Lorz selbst, der für das knappe Jahr in Straubing nach Landshut gezogen ist, weil er viele Lehrgänge in Grub bei München absolvieren muss.

Schließt er den Vorbereitungsdienst erfolgreich ab, kann er sich vorstellen, an der Fachakademie Triesdorf zu unterrichten. Da nimmt man die Bewährungsprobe fern der Heimat gerne auf sich - die Landschaft hat er schon einmal ins Herz geschlossen: "Ein bisschen fühle ich mich wie im Urlaub. Es ist schön hier in Niederbayern.”