Corona-Krise Airlines klagen gegen britische Quarantänepflicht

Geschlossene Geschäfte und Restaurants im April im Badeort Southend. Foto: Stefan Rousseau/PA Wire/dpa/dpa

Die britische Wirtschaft erleidet durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie einen nie dagewesenen Schock. Befürchtet wird, dass die in dieser Woche eingeführte Quarantänepflicht für Reisende die Situation noch verschlimmern könnte.

London - Die Fluggesellschaften British Airways, Ryanair und Easyjet haben eine Klage gegen die von der britischen Regierung verhängte Quarantänepflicht für Reisende eingereicht.

Die Maßnahme werde "verheerende Auswirkungen auf den britischen Tourismus und die weitere Wirtschaft haben und Tausende Arbeitsplätze vernichten", hieß es in einer Mitteilung der Airlines vom Freitag. Ein Normenkontrollverfahren sei beantragt und solle so rasch wie möglich aufgenommen werden.

Noch gebe es auch keine Hinweise darauf, wann und wie die von der Regierung ins Spiel gebrachten Sonderregelungen für bestimmte Urlaubsländer umgesetzt werden könnten, teilten die Airlines mit. Durch sogenannte "Luftbrücken" könnten Reisende nach Griechenland, Portugal oder andere Länder bei ihrer Rückkehr von der Quarantänepflicht ausgenommen werden, wurde spekuliert.

Einreisende nach Großbritannien müssen seit dieser Woche an der Grenze ihre Adress- und Kontaktdaten hinterlassen und zwei Wochen lang in Quarantäne gehen. Wer sich nicht an die 14-tägige Pflicht zur Selbstisolation hält, muss mit einem hohen Bußgeld rechnen.

Die Quarantänepflicht gilt für alle Reisenden, ungeachtet ihrer Staatsbürgerschaft. Ausgenommen sind nur wenige Berufsgruppen wie Lastwagenfahrer, medizinisches Personal und Erntehelfer sowie Reisende aus Irland, der Isle of Man und von den Kanalinseln. Frühestens Ende Juni soll die Regelung überprüft werden.

Innenministerin Priti Patel zufolge soll durch die Maßnahme verhindert werden, dass es in Großbritannien eine zweite Welle an Coronavirus-Infektionen durch eingeschleppte Fälle gibt. Doch Kritiker bezweifeln, ob sie dazu wirklich geeignet ist. Selbst innerhalb der konservativen Regierungspartei ist sie heftig umstritten. Großbritannien ist mit mehr als 41 000 Toten bei nachweislich Infizierten eines der am schwersten von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Länder in Europa.

Die Coronakrise hat der britischen Wirtschaft zudem einen erheblichen Schock versetzt. Befürchtet wird, dass die Quarantänepflicht die wirtschaftlichen Konsequenzen noch weiter verschlimmern könnte. Wie das Statistikamt ONS am Freitag mitteilte, schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt in Großbritannien im April um rund 20 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Es ist der größte Einbruch von Monat zu Monat, der jemals verzeichnet wurde und er ist drei Mal so groß wie bei der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09. Im Vergleich zu Februar war das britische Bruttoinlandsprodukt im April sogar um ein Viertel kleiner. Die Produktion brach in allen Bereichen ein.

Der Flughafen London Heathrow kündigte am Donnerstag Stellenstreichungen an. Wie viele der etwa 7000 Jobs wegfallen sollen, teilte das Unternehmen nicht mit. Heathrow-Geschäftsführer John Holland-Kaye hatte der Wirtschaftszeitung "City A.M." jedoch bereits Anfang der Woche gesagt, ein notwendiger Stellenabbau könne ein Drittel aller Mitarbeiter betreffen. Den gleichen Anteil an Jobverlusten befürchtet er schlimmstenfalls auch für die Gesamtzahl der 76 000 Arbeitnehmer, die von verschiedenen Unternehmen in Heathrow beschäftigt werden.

Passagierzahlen in Heathrow waren im vergangenen Monat wegen der Coronavirus-Pandemie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 97 Prozent eingebrochen. Die Cargo-Menge im Luftfrachtbereich ging um 40 Prozent zurück, obwohl die Zahl der reinen Frachtflüge zunahm. Ein Großteil der Luftfracht wird aber in Passagierflugzeugen befördert. Befürchtet wird, dass sich die Zahlen auch nicht erholen werden, solange die Quarantänepflicht in Kraft bleibt.

 

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