Rubrik der Redaktion Freistunde

Alle Teile unserer Kolumne Freischnauze

Frei der Schnauze nach. Das ist das Motto unserer Kolumne Freischnauze. Das können Anekdoten aus dem Alltag ein, Fundstücke aus der Freistunde, Geschichten mit Gefühl oder Texte voller Thesen. Jede Woche anders und neu.


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Freischnauze ist die wöchentliche Kolumne der Redaktion Freistunde.

Von Redaktion Freistunde

Teil 7 von Elisabeth Brebeck (16. Februar 2024)

Koffer-Qualen

„Ab in den Urlaub, komm, pack’ die Sachen ein“ , heißt es im Refrain des Liedes von Höhner. Für Urlaub bin ich immer zu haben. Beim Packen sieht es da aber leider ganz anders aus. Dabei ist meine Mama der perfekte Urlaubscountdown: „In zwei Tagen sind wir um diese Zeit schon am Flughafen“ oder „In 24 Stunden sind wir schon im Hotel“ begleiten mich die Tage vor der Reise.

Trotz der unermüdlichen Motivation meiner kleinen Schwester und dem Stress, den mir meine Mama macht, kann ich mich beim besten Willen nicht dazu aufraffen, meinen Koffer zu packen. Dabei war ich als Kind die Erste, die viel zu früh eine Packliste erstellt hat. Meine Mama musste mich sogar stoppen, weil ich natürlich einige Dinge noch in der Woche vor der Abfahrt brauchte. Jetzt ist der Gedanke für mich fast unvorstellbar, schon eine Woche vor dem Urlaub nur an das Kofferpacken zu denken, obwohl ich es wirklich versuche.

Ich habe mir sogar angewöhnt, schon zwei Tage vor einer Reise den Koffer leer auf meinem Zimmerboden als kleinen Reminder aufzuklappen. Das führt dann zwar dazu, dass ich mehr als einmal am Tag wortwörtlich darüber stolpere, zum Packen motiviert mich das aber noch lange nicht.

Das Ende des Lieds heißt deshalb noch immer: „Komm pack’ die Sachen ein“. Irgendwann muss ich ja den Koffer packen. Allerdings habe ich mir angewöhnt, dass das „irgendwann“ am Morgen kurz vor Abfahrt ist. Da geht der Erholungsurlaub manchmal recht hektisch los. Könnte man sich den Stress in der Früh sparen? Sicher. Sieht es deshalb nächstes Mal anders aus? Wahrscheinlich nicht ...

Teil 6 von Manuel Bogner (9. Februar 2024)

Die Liebe kostet einen Euro

Letztens stand ich in unserem Pausenraum vor dem Getränkeautomaten und wurde nachdenklich. Ein seltsamer Artikel, den ich an diesem Morgen gelesen hatte, ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Das Thema? Menschen, die Gegenstände geheiratet haben.

Ja, die gibt es. Ein berühmtes Beispiel ist die Frau, die seit 1979 mit der Berliner Mauer verheiratet ist. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung bezeichnet sie ihren Ehemann als die „erotischste und sexieste Mauer, die es je gab“ – was auch immer das heißen soll. Eine Liebesgeschichte wie bei „Titanic“, mit dem Mauerfall als tragischen Höhepunkt.


Weiteres Beispiel: Die Amerikanerin, die den Eiffelturm geheiratet hat. Da hat wohl jemand „Stadt der Liebe“ zu ernst genommen. Auf Dating-Plattformen wird ja auch oft zuerst nach der Körpergröße gefragt. Wenn aber der Eiffelturm der Schönheitsstandard ist – wer kann da mithalten?

Plötzlich hatte auch der Getränkeautomat eine andere Wirkung auf mich. Vertraut, wie ein jahrelanger Partner, der mit einer kühlen Cola an stressigen Arbeitstagen entspannt. Es sind eben die inneren Werte, die zählen. Vielleicht sollte ich ihn am Valentinstag nach einem Date fragen? Ich wäre an dem Mittwoch sowieso im Büro …

Teil 5 von Florian Wende (2. Februar 2024)

Der frühe Vogel fährt Ski

Ich bin ein Morgenmuffel. Früh aufstehen? Nicht mit mir. Die Arbeit als Journalist kommt mir da entgegen. Hier ist die entscheidende Zeit meist der Nachmittag und Abend. In diesen Stunden blühe ich auf. Allerdings liebe ich Skifahren. Und da werde sogar ich zum Frühaufsteher.

Denn mal ehrlich: Gibt es ein schöneres Geräusch als das, wenn sich die Kanten der Ski in den frisch präparierten Schnee eingraben. Dieses chrrrrrr, chrrrr, chrrrrr. Könnte man geschrieben jetzt auch als Schnarchen interpretieren. Ziehe ich aber dem echten Schnarchen definitiv vor. So schön das Ausschlafen an Skitagen auch wäre: Lieber ziehe ich die ersten Schwünge des Tages.

Denn zu diesem Geräusch kommen die traumhaften Bedingungen, die es gleich nach Liftstart gibt. Griffige Piste, noch wenige andere Skifahrer und durch die klare, kalte Luft meist eine super Aussicht.

Könnte ich mit den Ski meinen Arbeitsweg bestreiten: Ich glaube, ich würde dauerhaft zum Frühaufsteher werden.

Teil 4 von Selina Wolf (26. Januar 2024)

Angst vor dem Fußbus

Einen schlechten Beifahrer zu haben, ist schlimm. Selbst einer zu sein, ist die Hölle. Ständig muss ich mehr auf den Verkehr achten als der Fahrer und meine Stimme wird kratzig vom „AAACHTUNG“ schreien. Ich glaube, ich sollte mir Lutschbonbons ins Auto legen.

Zudem komme ich an dem gewünschten Zielort nicht nur komplett zerrupft und schwitzend an, sondern muss mich mit einem genervten Fahrer herumschlagen. Der droht alle fünf Minuten damit, mich an Ort und Stelle rauszuschmeißen. Auch die Rückfahrten sind nicht garantiert. Argumente wie „Das sind aber über zehn Kilometer“ werden einfach nur mit dem Kommentar „Der Fußbus fährt immer“ entkräftet. Allerdings ist mein Orientierungssinn schwächer ausgeprägt als die Nase von Lord Voldemort.

Denn Himmelsrichtungen sind überbewertet. Google Maps und ich dafür beste Freunde, selbst auf dem Weg zum Zahnarzt. Zum Glück sehen das auch die wütenden Fahrer ein und ich darf mit der Drohung „Noch ein Kommentar zu meinem Fahrstil und du gehst zu Fuß“ wieder mitfahren.

Die Rückfahrten sind deshalb von Stille geprägt. Allerdings ist mir das viel lieber, als mich ständig mit Blick auf Google Maps durch den Straßendschungel schlagen zu müssen. Vielleicht sollte ich, um solche Situationen künftig zu vermeiden, mir einfach mal den Mund mit Klebeband zupappen, wenn ich wieder auf der Beifahrerseite einsteige.

Teil 3 von Kerstin Bauer (19. Januar 2024)

Verfressener Wauki

Unsere Hündin hat eine große Leidenschaft: betteln. Wird gekocht, behält sie die Lage aus kurzer Distanz genau im Blick. Wird gegessen, steht sie unter dem Tisch bereit, um Heruntergefallenes sofort wie ein Staubsauger aufzusaugen. Kürzlich freute sie sich so zum Beispiel über ein kleines Festmahl, zwei kleine Würstl-Zipfel, die meiner Gabel entglitten.

Meine Eltern finden das Betteln manchmal ziemlich nervig. Aber ganz ehrlich: Ich wäre als Hund wahrscheinlich auch nicht anders. Denn Essen macht einfach glücklich. Und wenn es einfach so vom Himmel/Teller fällt, umso mehr.

Teil 2 von Manuel Bogner (12. Januar 2024)

Das Internet ist Altland

Journalisten sind Totengräber: Denn in so mancher Recherche stoßen wir auf Webseiten, die teils älter sind als wir selbst, und wohl seit Ewigkeiten von niemandem besucht wurden. Seitdem habe ich mit ein paar anderen Kollegen einen Wettbewerb gestartet, wer die hässlichste und älteste Website finden kann.

Hier ein paar Favoriten:

  • Die Website einer Achterbahn, die so bunt und überladen ist, dass eine Epilepsie-Warnung angebracht wäre.
  • Knallgelbe Konzertblogs, die unabhängig voneinander erstellt wurden, aber genau denselben erblindenden Gelbton verwenden.
  • Den Blog eines durchgedrehten Querdenkers mit Tausenden Seiten hirnlosen Geschwurbels. Die Website besteht zu 90 Prozent aus unformatiertem Text und Hyperlinks, die ins Nichts führen.
  • Eine Website aus den Geburtszeiten des Internets, auf der die Geschichte des Erfinders des Strandkorbs erzählt wird.
  • Und last, but not least: die Website eines Verlags. Weißer Text auf schwarzem Hintergrund. Zwischen den Zeilen sind einzelne Pixel, die wohl Sterne darstellen sollen. In den Ecken sind große GIFs von sich drehenden Weltkugeln, die den Besucher beim Runterscrollen verfolgen und – wie sollte es auch sonst sein – immer wieder wichtigen Text blockieren.

Einst hieß es: Das Internet ist Neuland. Ich finde, dass das Ding dann doch schon ziemlich alt ist. Wie viele Schätze an grauenhaftem Web-Design wohl noch in den Tiefen des WWWs liegen?

Teil 1 von Florian Wende (4. Januar 2024)

Bis einer schmunzelt

Mit Humor ist es ja so eine Sache. Jeder lacht zwar gerne – chronische Miesepeter mal ausgenommen –, aber jeder über etwas anderes. Wo der eine den eigenen Witz kaum zu Ende erzählen kann, weil er selbst schon losprustet, zuckt beim anderen der Mundwinkel gerade mal einen Mikrometer nach oben. Ungefähr so, wie wenn der schrullige Onkel an den Feiertagen wieder seine Geschichten von früher erzählt hat. Aber das ist ein anderes Thema.

Humor. Das wird ein Thema dieser neuen Rubrik sein, die wir Freischnauze getauft haben. Getreu dem Motto: frei der Schnauze nach. Wobei weiter Zweibeiner diese Zeilen hier tippen, weder Vier- noch Nullbeiner ... Notiz an mich selbst: Bitte mal googeln, ob eine KI wirklich keine Beine hat.

Bei Humor wird es aber nicht bleiben. Es wird bei Freischnauze um Dinge aus dem Leben gehen, die viele kennen, manche vielleicht bald erleben werden und anderen neue Erkenntnisse vermittelt. Das können Anekdoten aus dem Alltag, Fundstücke aus der Freistunde, Geschichten mit Gefühl oder Texte voller Thesen sein.

Alles sorgfältig, ansprechend und persönlich geschrieben. Dazu jede Woche anders und neu. Denn es lacht nicht nur jeder anders, jeder nimmt auch Texte anders wahr. Wir wollen übertreiben, wir wollen kritisieren, wir wollen unterhalten und wir wollen berühren. Nicht, bis einer heult. Sondern im besten Fall bis einer schmunzelt. Mehr als ein Mikrometer. Schauen wir mal, wie lange das dauert.

Ideen für die Rubrik, Lust, auch mal was zur Freistunde beizusteuern oder der Redaktion ordentlich die Meinung zu geigen? Dann einfach hier entlang: kontakt@freistunde.de