Corona Teil zwei des Corona-Tagebuchs

– TAG 12 –
Freitag, 27. März

In der Nacht wird Jakob wach. Sein T-Shirt ist durchgeschwitzt, er friert. Jakob setzt sich auf, will sein Oberteil wechseln. Er muss husten – und es hört nicht mehr auf. Er versucht, den Reiz zu unterdrücken und zu atmen. Doch er merkt, wie er immer weniger Luft bekommt. Er kippt nach vorne und hofft, so leichter atmen zu können. Aber es wird nicht besser. Und: In seiner Position kann Jakob den Knopf nicht mehr erreichen, um Hilfe zu rufen. Er zittert und hat Angst: „Ich habe gewimmert und wusste nicht, ob das noch mal gut wird.“ Sein Zimmernachbar ruft einen Pfleger. Der kann Jakob beruhigen. Mit einer Atemübung bekommt er wieder Luft und schläft innerhalb von Sekunden ein.

– TAG 13 –
Samstag, 28. März

Auf einem Stuhl sitzend duscht Jakob das erste Mal im Krankenhaus. Zum Stehen fehlt ihm die Kraft. „Danach musste ich mich aufs Bett setzen und habe Schweißausbrüche bekommen.“ Ihm ist schwindlig. Doch nun geht es bergauf. In den Nächten muss Jakob nicht mehr schwitzen. In Deutschland gibt es gut 60 000 Corona-Erkrankte.

– TAG 15 –
Montag, 30. März

Die Tage im Krankenhaus sind lang. Jakob klappt zur Abwechslung zum ersten Mal seinen Laptop auf. Er schaut eine Netflix-Serie. Nach einer halben Stunde muss er aber aufhören. „Das war so anstrengend.“ Besuche darf Jakob nicht empfangen, aber Angehörige dürfen etwas liefern. Jakobs Bruder bringt in den nächsten Tagen Gyros aus seinem Heimatdorf. Doch dieses Mal schmeckt es ihm nicht besonders. Er hat keinen Appetit: „Die können dir das beste Essen hinstellen, es schmeckt wie Tapete.“ Er bringt im Klinikum nur wenig runter. Gerade mal so viel, dass das Bauchknurren aufhört. Insgesamt nimmt Jakob acht Kilo ab. Das Gyros ist für Jakob aber ein Stück Normalität.

– TAG 17 –
Mittwoch, 1. April

Gute Nachrichten: Maries Symptome sind weg. Sie wird sich später testen lassen und erfahren, dass es auch bei ihr Corona war, die Infektion jedoch glimpflich verlaufen ist. Auch Jakob macht Fortschritte, er fühlt sich langsam besser. Vom Klinikum erhält er Gummibänder, mit denen er sich dehnen kann. Denn das Zimmer darf er nicht verlassen.

– TAG 18 –
Donnerstag, 2. April

Jakobs Zimmernachbar wird entlassen. Er ist 61 Jahre alt, sein Nachfolger wird ein 63-Jähriger sein. Jakob ist der jüngste Patient in Donaustauf und will auch endlich raus. Er macht sich selbst Druck: „Jeder weitere Tag war schwierig. Aus dem Krankenhaus rauszukommen, war für mich das Zeichen, dass ich das Gröbste überstanden habe.“

Auch Theresa hatte Corona. Ihre Infektion verlief glimpflicher. Doch ihre Familie musste sich stark umstellen. Theresas Geschichte liest du hier.
Einen Kommentar zum Thema gibt es hier.

 TAG 20 –
Samstag, 4. April

Endlich, Jakob darf heim. Seit gestern braucht er keinen zusätzlichen Sauerstoff mehr. Seine Quarantäne beginnt.

– TAG 22 –
Montag, 6. April

Die Tage zuhause sind für Jakob nicht schlimm: „Ich war einfach so froh, daheim zu sein und mal wieder was anderes zu sehen.“ Mit seinen Freunden zockt er online auf der Playstation und hat so endlich wieder Kontakt zu ihnen. In Deutschland gibt es über 100 000 Corona-Erkrankte.

– TAG 25 –
Donnerstag, 9. April

Jakob liest, schaut Netflix-Serien, zockt auf der Playstation oder schläft. Er braucht Erholung, die Tage vergehen zügig.

– TAG 36 –
Montag, 20. April

Die Quarantäne ist seit Samstag vorbei. Jakob geht mit Marie spazieren. Er wird immer noch schnell schlapp. Nach einer halben Stunde ist er erledigt: „Das fühlt sich an, als wäre ich einen Marathon gelaufen.“ Das wird noch eine Weile so weitergehen. Aber jeden Tag wird es besser.

– TAG 39 –
Donnerstag, 23. April

Jakob hat einen Termin bei seinem Hausarzt. Seine Entzündungswerte sind gut. Er ist weiter krankgeschrieben.

– NACHTRAG –
Mittwoch, 29. April

Corona ist für Jakob weitestgehend erledigt. Das Virus hat ihn sechs Wochen lang beschäftigt. Wichtig ist ihm, zu sagen, wie froh er ist, dass ihn sein Hausarzt getestet hat. Und wie gut sich die Pfleger und Ärzte in Donaustauf um ihn gekümmert haben. Jakob möchte nun anderen Infizierten helfen und hat sich als Spender für Blutplasma eingetragen. Zurzeit wartet er auf das Erstgespräch. In Deutschland gibt es rund 160 000 Corona-Fälle, darunter gut 120 000 Genesene. Jakob ist einer davon.

Quellen der Corona-Fallzahlen: Robert-Koch-Institut, Johns Hopkins University, Stand: 29. April 2020, 17 Uhr

Auch Theresa hatte Corona. Ihre Infektion verlief glimpflicher. Doch ihre Familie musste sich stark umstellen. Theresas Geschichte liest du hier.
Einen Kommentar zum Thema gibt es hier.

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