Corona Wie das Virus den Alltag einer 18-Jährigen verändert hat

Handschuhe und Mundschutz kannte Theresa schon von ihrer Arbeit im Krankenhaus. Nun wurden sie zum Alltag zuhause. Foto: Carsten Rehder/dpa

Es war vermutlich beim Frühstück. Dabei hat sich Theresa wohl mit Corona infiziert. Denn die Kollegin, mit der sie zusammensaß, zeigt noch am selben Abend Symptome. Zwei Tage später bricht Corona bei Theresa aus. Und verändert den Alltag zuhause.

Theresa (Name von der Redaktion geändert) ist 18 Jahre alt und macht in einem niederbayerischen Krankenhaus die Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Bald gibt es den ersten Fall im Klinikum. Kollegen folgen, die an Corona erkranken. „Es war klar, dass ich mich irgendwann anstecke“, sagt Theresa heute. Vier Wochen, nachdem alles losging. Sie hat damals ein „mulmiges Gefühl“, wenn sie zur Arbeit geht. Betont aber: „Ich habe mich für diesen Beruf entschieden, da muss man auch in solchen Situationen da sein.“

Die 18-Jährige hat am Freitag, 27. März, Frühschicht. Seit Corona auch im Klinikum angekommen ist, muss sie bei der Arbeit immer einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Das ist nicht ganz ohne. „Man bekommt davon Kopfweh und wenn man Treppen steigt, wird einem danach schon mal schummrig vor Augen“, schildert sie, fügt aber an: „Es ist einfach wichtig, ihn zu tragen.“

Eine halbe Stunde ohne Schutz wird wohl zum Verhängnis

Als Theresa Pause macht, geht sie in die Stationsküche. Eine Kollegin kommt dazu, die beiden sitzen gegenüber im Abstand von eineinhalb Metern und frühstücken. Mit Mundschutz ist das schwierig, deshalb kommt der in dieser halben Stunde weg. Ihre Kollegin meldet sich am selben Abend und berichtet von Corona-Symptomen. Sie gibt ihre Kontaktpersonen an, darunter Theresa. Das bedeutet für die 18-Jährige: Quarantäne.

Auch Jakob hatte Corona. Das Virus machte ihm über einige Wochen zu schaffen. Sein Corona-Tagebuch liest du hier.
Einen Kommentar zum Thema gibt es hier.

Theresa wohnt bei ihren Eltern. Beide sind über 50 Jahre alt und leicht vorerkrankt. Es ist Sonntagabend und Theresa ist in ihrem Zimmer, als sie ein Kratzen im Hals bemerkt. Dazu kommt ein leichter Druck auf der Lunge. „Sowas habe ich noch nie gehabt.“ Sie beginnt zu schwitzen und das Fieberthermometer zeigt 38 Grad. Erhöhte Temperatur. Das Fieber wird im Verlauf der Krankheit nicht höher steigen, doch die Vermutung liegt nahe: Theresa hat Corona. Sie macht am Montag selbst einen Abstrich und erhält am nächsten Tag die Bestätigung: positiv.

Ein Tisch als Kontaktpunkt mit ihrer Familie

Theresas Zimmer liegt im ersten Stock und ist recht groß – genau wie das Wohnhaus selbst. Die 18-Jährige hat ein eigenes Bad und einen Balkon. Dinge, die in den nächsten beiden Wochen noch wichtig werden. Als die ersten Symptome auftreten, reagiert die Familie sofort.

Vor Theresas Zimmer stellt sie einen kleinen Tisch. Er wird zum Kontaktpunkt zwischen der 18-Jährigen und ihrer Familie. „Meine Mama hat mir das Essen immer raufgebracht und dort hingestellt“, erklärt Theresa. „Ich habe dann gewartet, bis sie wieder unten war, mir das Essen geholt und dann alleine in meinem Zimmer gegessen.“ Wenn Theresa fertig ist, stellt sie das Geschirr nach draußen. Ihre Mutter bringt es mit Handschuhen nach unten. Gegenstände, die man nicht in die Spülmaschine stecken oder wegwerfen kann, desinfiziert Theresas Mutter gründlich. Das Telefon zum Beispiel.

So schaffen es Theresa und ihre Familie, dass das Coronavirus über zwei Wochen nicht von ihr auf ihre Eltern überspringt. „Wir haben wirklich genau darauf geachtet. Das war mir sehr wichtig. Man weiß ja wirklich nicht, wie Corona verläuft“, sagt Theresa. Ihre Eltern will sie auf keinen Fall gefährden.

Sehen tun sich die 18-Jährige und ihre Eltern nur wenig in dieser Zeit. „Wir haben eine Galerie im Haus, da haben wir uns manchmal unterhalten“, sagt Theresa. Sie von oben, ihre Mutter von unten.

Knapp zwei Wochen im eigenen Zimmer: keine einfache Zeit

Corona verläuft bei Theresa relativ glimpflich. Auch wenn sie starke Lungenschmerzen hat. „Es hat richtig gebrannt, sowas hatte ich noch nie und habe das gar nicht gekannt“, schildert sie. Sie bekommt Husten und Schnupfen, hat Kopfweh. Am 11. April lassen dann die Symptome aber nach. „Seitdem ist es wirklich besser“, sagt sie. „Aber ich merke noch ein wenig, dass ich nicht so belastungsfähig bin.“

Knapp zwei Wochen hat Theresa fast nur in ihrem Zimmer verbracht. Keine einfache Zeit. Sie spielt am Computer, telefoniert, schaut Filme. Und ruht sich natürlich viel aus. Eine gute Abwechslung ist da ihr Balkon. „Darauf habe ich mich immer schon gefreut, wenn ich mich um 16 Uhr endlich raussetzen konnte.“ Dann scheint nämlich die Nachmittagssonne auf Theresas Balkon.

Auch Jakob hatte Corona. Das Virus machte ihm über einige Wochen zu schaffen. Sein Corona-Tagebuch liest du hier.
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