Spanisches Königshaus Genug der Skandale: König Felipe bricht mit seinem Vater

Spaniens König Felipe bekommt viel Lob nach dem Bruch mit seinem Vater. Foto: José Oliva/Europapress/dpa/dpa

Mitten in der Coronavirus-Krise erlebt Spanien noch einen Einschnitt ganz anderer Art - im Königshaus. Im Zuge eines neuen Skandals distanziert sich Felipe VI. öffentlich von seinem Vater. Der Grund: Plötzlich muss er seinen eigenen Namen reinwaschen.

Madrid - Um die Beziehung zwischen König Felipe und seinem Vater Juan Carlos ist es schon lange nicht mehr zum Besten bestellt - das ist in Spanien kein Geheimnis.

Zu viele Skandälchen und ausgewachsene Skandale haben sich im Laufe der Jahre um den Altkönig und Lebemann gerankt, die dem rechtschaffenen und stets um das Ansehen des Königshauses besorgten Felipe ein Dorn im Auge waren. Aber dass jetzt sein eigener Name im Zusammenhang mit einer millionenschweren Finanzaffäre aufgetaucht ist, hat bei dem Bourbonen das Fass zum Überlaufen gebracht: Am Sonntagabend zog er die Notbremse und brach öffentlich mit seinem 82-jährigen Vater.

Die Nachricht kam wie ein Donnerschlag und lenkte das Land für kurze Zeit sogar von der Coronavirus-Krise samt landesweiter Ausgangssperre ab: Der 52-Jährige kündigte an, auf das Erbe, das ihm später zustehen würde, gänzlich zu verzichten. Damit nicht genug: Juan Carlos wird zudem das Gehalt gestrichen - zuletzt waren das rund 194.000 Euro jährlich aus der Haushaltskasse der Casa Real.

"Die Krone muss die Würde der Institution gewährleisten, ihr Ansehen bewahren und ein integres, ehrliches und transparentes Verhalten haben", ließ der Zarzuela-Palast zur Begründung verlauten. Damit versuche das Haus Bourbon nicht nur, die Krone von jeglichem Korruptionsvorwurf reinzuwaschen, sondern erkenne auch klar an, dass sich Juan Carlos möglicherweise eines Vergehens schuldig gemacht habe, kommentierte das Blatt "La Vanguardia".

Eine umstrittene Elefantenjagd in Afrika, mutmaßliche Seitensprünge, Vetternwirtschaft bei einem großen Betrugsskandal rund um seinen Schwiegersohn Iñaki Urdangarin und andere Eskapaden hatten vor sechs Jahren zu seinem Thronverzicht geführt. Und was hat der emeritierte Monarch dieses Mal angestellt?

Die Justizbehörden in der Schweiz und in Spanien ermitteln - allerdings genießt Juan Carlos zumindest bisher noch Immunität in seiner Heimat. Er soll im Jahr 2008 millionenschwere Schmiergelder aus Saudi-Arabien kassiert haben. Das Geld stammte demnach vom mittlerweile verstorbenen saudischen König Abdullah, der dem damaligen Regenten 100 Millionen US-Dollar überwiesen haben soll. Nun bewegt die Frage: War das ein "Geschenk" oder wurde dadurch möglicherweise der Bau einer Schnellbahnstrecke von Medina nach Mekka durch ein spanisches Konsortium begünstigt?

Besonders heikel: Einem Bericht des britischen "Telegraph" zufolge sollen sowohl Felipe als auch Kronprinzessin Leonor als Begünstigte einer Offshore-Stiftung auftauchen - offenbar ohne ihr Wissen. Deshalb sah sich der König jetzt gezwungen, die Flucht nach vorn anzutreten und seinen guten Namen reinzuwaschen, indem er klarstellt, dass er kein Geld aus dem Vermächtnis seines Vaters erben will.

Landesweit erntete er Anerkennung für den mutigen Vorstoß. "In seinen wenigen Amtsjahren hat er sein festes Engagement für den vorbildlichen Charakter der ersten staatlichen Institution unter Beweis gestellt", lobte das renommierte Blatt "El Mundo" die "schwierige, aber unvermeidliche Entscheidung".

Vielleicht steht die drastische Reaktion Felipes auch in direktem Zusammenhang mit der Viruskrise, mutmaßten Kommentatoren. Es herrscht Ausgangssperre, die Straßen sind wie leer gefegt, eine gespenstische Stille liegt selbst über Metropolen wie Madrid und Barcelona - für die lebenslustigen Südländer ein fast unerträglicher Zustand.

Da hilft ihnen eine starke Führung, ein Monarch, zu dem sie aufschauen und dem sie vertrauen können, meinen manche. "In diesen schwierigen Momenten, die das Land gerade durchmacht, können die Bürger sicher sein, einen vorbildlichen, ehrlichen und verantwortungsbewussten König zu haben", brachte ein Kommentator in "El Mundo" das Gefühl auf den Punkt.

 

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