Der politische Schaden für die Union ist gigantisch. Ihre Wahlkämpfer in Rheinland-Pfalz und vor allem in Baden-Württemberg haben ohnehin schon einen schweren Stand. Nun sind ihnen auch noch die beiden Abgeordneten Georg Nüßlein und Nikolas Löbel in die Parade gefahren. Der Eindruck ist verheerend: Zwei Parlamentarier, die in der Pandemie die Gelegenheit und ihre politischen Kontakte nutzen, um sich selbst die Taschen vollzustopfen. Das ist schäbig, und die Tatsache, dass die beiden am Montag aus ihren Parteien ausgetreten sind, macht es nicht besser. Groß ist die Aufregung an den Spitzen von CDU und CSU. Und die Sorge, dass im Bundestagswahljahr noch mehr Unappetitliches ans Licht kommt.

Da Fraktionschef Ralph Brinkhaus von weiteren Zweifelsfällen spricht, die es zu prüfen gelte, liegt der Verdacht nahe, dass die Grünen nicht falschliegen, wenn sie von einem "strukturellen Problem" bei CDU und CSU reden. Zwar haben sich auch schon Politiker anderer Parteien Fehltritte erlaubt. Doch Christdemokraten und Christsoziale fallen häufiger auf, weil die Grenzen zwischen der politischen Arbeit und wirtschaftlichen sowie persönlichen Interessen stärker verwischen. Die Berührungsängste mit dem großen Geld sind bei der Dauer-Regierungspartei geringer. Man denke an Philipp Amthor. Nachdem sein Fehltritt aufgeflogen ist, hat es nur ein Jahr gedauert, bis er als Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern aufgestellt wurde.