Ex-Jahn-Profi Nico Beigang sorgt jetzt in Wenzenbach für Tore

Ehrgeizig ist Beigang bis heute - auch im Amateurfußball. Foto: Markus Schmautz

Am Dienstag, 24. August, feiert Nico Beigang seinen 39. Geburtstag. Mit unserer Redaktion sprach der Ex-Jahn-Profi und jetzige Wenzenbacher Spielertrainer über seine Profi-Karriere, über den Übergang vom Profitum ins "normale" Leben, seinen Beruf als Polizist und über seine sportlichen Ziele.

Herr Beigang, alles Gute zum Geburtstag. Wie verlief damals der Absprung vom Profi-Fußball?

Nico Beigang: Danke für die Glückwünsche. Nicht so gut. Ich suchte den Weg in die Selbstständigkeit, eröffnete in Regensburg eine Salatbar. Allerdings klappte das nicht sonderlich gut. Wir waren weit davon entfernt, schwarze Zahlen zu schreiben.

Wie ging es weiter?

Beigang: 2017 bewarb ich mich bei der Polizei und wurde prompt genommen. Ich verpflichtete mich, zehn Jahre in München zu bleiben. Die Ausbildung habe ich in 20 statt 30 Monaten abgeschlossen. Aktuell arbeite ich im Dienstgrad des Polizeiobermeisters mitten in München, bin für den Dienstsport des Präsidiums zuständig. Sport ist mein Metier. Mir gefällt es gut! Weil der Sprung in die Selbstständigkeit nicht geklappt hat, weiß ich umso mehr die Vorteile des Beamtentums zu schätzen. Das Gehalt erscheint pünktlich auf dem Konto. Zudem habe ich geregelte Arbeitszeiten. Natürlich muss ich weit zur Arbeitsstelle fahren, aber das ist auszuhalten. Was mich stört, ist, dass der Respekt vor der Polizei in den letzten Jahren merklich nachgelassen hat. Das finde ich sehr schade.

Aktuell sind Sie Spielertrainer in Wenzenbach. Peilen Sie nach dem Wiederaufstieg in die Kreisliga den Durchmarsch in die Bezirksliga an?

Beigang: Das ist Quatsch. Die Liga ist ausgeglichen. Wir haben gesehen, dass wir mithalten können. Das ist vorerst einmal das Wichtigste. Alles andere wird man sehen. Allerdings bin ich so ehrgeizig wie eh und je. Wenn ich auf dem Platz stehe, möchte ich auch gewinnen. Das ist meine Einstellung, meine Mentalität. Dafür gebe ich alles. Mich macht es wahnsinnig, wenn ein Spieler in einem Trainingsspiel nicht weiß, wie es steht. Furchtbar finde ich Sportler, denen das Gewinnen nicht so wichtig ist, die sich schon vor dem Abpfiff mit Niederlagen abfinden, nicht alles Erlaubte in die Waagschale werfen, um ein Spiel zu drehen. Der Fußball in der Kreisliga liegt uns besser als der in der Kreisklasse, als fast alle Mannschaften sehr defensiv gegen uns agiert haben. Nun spielen mehr Teams mit, es entwickeln sich offensiv geprägte Partien. Bisher haben wir unsere Sache gut gemacht. Gegen meinen ehemaligen Verein, den Freien TuS, konnten wir am Sonntag den fünften Sieg im sechsten Spiel einfahren. Gemeinsam mit Prüfening sind wir an der Tabellenspitze zu finden.

Ist Prüfening Ihr Top-Favorit?

Beigang: Ich wohne ja direkt Haus an Haus mit Prüfening-Trainer Serkan Aygün. Wir teilen uns sogar einen Garten, unternehmen vieles gemeinsam, haben einen zu großen Teilen identischen Freundeskreis. Wir schieben uns immer gegenseitig die Favoritenrolle zu. Serkan hat eine starke Mannschaft. Ich freue mich über jeden Sieg, den er einfährt. Er gönnt auch mir jeden Dreier. Eine Ausnahme machen müssen wir jedoch am 12. September, wenn wir im direkten Duell in Prüfening aufeinandertreffen.

Denken Sie ans Aufhören?

Beigang: Eigentlich nicht. Der Lockdown war für mich etwas ganz Schlimmes. Ich bin ein sehr geselliger Typ. Ich liebe es, auf dem Platz zu stehen, mit den Jungs in der Kabine zusammenzusitzen. Fußball ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Ganz ehrlich: Ich kann mir nicht vorstellen, ganz ohne Fußball auszukommen.

Sie sind ja ein Bananenflanker. Freuen Sie sich auf das Legendenspiel am 5. September in Rottach Egern?

Beigang: Für mich ist es eine Ehre, dabei sein zu dürfen, obwohl ich in Anführungszeichen nur Dritte Liga gespielt habe. Anscheinend habe ich mich 2019 gut geschlagen und wurde erneut eingeladen, um an der Seite von Felix Neureuther, Julia Simic, Simone Laudehr, Tobias Schweinsteiger, Michael Hofmann, Markus Othmer, Michael Wiesinger, Jens Lehmann, Torben Hoffmann oder Benny Lauth gegen Bayernlegenden wie Martin Demichelis, Giovanne Elber oder Claudio Pizarro antreten zu dürfen. Die Idee der Bananenflanker ist, dass behinderte Kinder unterstützt werden. Sie entstand in Regensburg. Inzwischen gibt es deutschlandweit etwa 20 Standorte. Wann immer ich Zeit habe, bin ich gerne bei Veranstaltungen für den guten Zweck dabei. Zuletzt oft im Raum München.

Beigangs bewegt Karriere

Wohl kaum ein Amateurfußballer ist in der Region so bekannt wie Nico Beigang. Geboren ist er in Berlin, den größten Teil seiner Jugend hat er in der Nähe von Darmstadt verbracht.

Nachdem er für die U 19 der Frankfurter Eintracht gespielt hatte, verschlug es ihn zum SV Darmstadt in die Regionalliga Süd. Bei den "Lilien" spielte der 1,89 große Vollblutstürmer von 2000 bis 2007, dann ging es weiter zu den Stuttgarter Kickers, bevor er im Januar 2008 beim Jahn in der Regionalliga landete. Wenige Monate später gelang mit den Rothosen der Aufstieg in die Dritte Liga. Im ersten Drittliga-Jahr unter Markus Weinzierl absolvierte Beigang 31 Partien für den Jahn, schoss fünf Tore.

Eine Saison später traf er in 16 Partien drei Mal, bevor er im Januar 2010 zu den Sportfreunden Lotte in die Regionalliga West wechselte. In der Spielrunde 2010/11 spielte Beigang in der Regionalliga für die SpVgg Weiden, die kurz darauf aber Insolvenz anmelden musste. "Mir war klar, dass es das für mich im Profifußball war", sagt Beigang, der schon vorher etwas die Lust am professionellen Fußball verloren hatte. "Beim Jahn setzte man mir immer wieder einen Neuen vor die Nase und am Ende habe ich doch immer wieder gespielt. In Lotte mussten wir unter Trainer Maik Walpurgis wie auf einem Schachbrett agieren. Das war nichts für mich!"

Trotz einiger Enttäuschungen konnte Nico Beigang allerdings nicht vom Fußball lassen. Zum Glück für den Amateursport in Ostbayern.

Seine erste Station im niederklassigeren Fußball war die DJK Vilzing in der Landesliga. In 16 Partien traf er acht Mal. Weiter ging es nach Tegernheim. Mit 28 Toren in 27 Spielen schoss er den FCT 2011/12 als BOL-Vizemeister zurück in die Landesliga. Dann absolvierte Beigang zwischen 2012 und 2015 insgesamt 87 Ligaspiele mit 64 Toren für den Freien TuS in der Landes- und Bezirksliga. Über den Bayernligisten TSV Bogen (48 Spiele, 12 Tore), den Bezirksligisten Plattling (9/1) und den SV Sulzbach (35/39) kam Beigang schließlich zum SV Wenzenbach (24/28).

Von 2012 bis 2015 war er Spielertrainer beim Freien TuS, in der Saison 2017/18 schaffte er als torgefährlicher Spielertrainer mit dem SV Sulzbach den lange ersehnten Sprung in die Bezirksliga. Seit 2019 steht Beigang in Wenzenbach in der Verantwortung. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht: "Solange ich körperlich fit und nicht der schlechteste Spieler auf dem Platz bin, möchte ich gerne weiterspielen."

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