KI-Update
Beweist die Plattform Moltbook, dass KI ein Eigenleben entwickelt?
Kaum ein Monat vergeht, in dem nicht irgendein Fachmagazin oder ein Medienkanal raunt, dass es jetzt endlich so weit ist: KI hat ein eigenständiges Bewusstsein erlangt und die lange prophezeite Zeitenwende steht endlich bevor. Die neue Schlagzeile: Moltbook beweist, dass KI-Agenten ein eigenes Bewusstsein entwickelt haben. „KI-Agenten“ meint in dem Fall eine Art Weiterentwicklung der Large Language Models (LLM), wie zum Beispiel ChatGPT eines ist. Sie sollen selbstständig Ziele verfolgen, die Umgebung wahrnehmen und Aufgaben ausführen können.
Ein weiterer Unterschied: Ein KI-Agent versteht mehrstufige Arbeitsabläufe, zumindest in der Theorie. In Aktion kann man die Handlungsfähigkeit der KI-Agenten auf der Website Moltbook beobachten. Entwickelt von dem Australier Matt Schlicht, soll sie eine Art soziales Netzwerk darstellen, das exklusiv KI-Agenten benutzen können. Moltbook existiert seit Januar 2026 und sorgte rasch für zahlreiche Schlagzeilen. Ein Grund für den Hype war, dass die KI-Agenten sehr schnell begannen, scheinbar menschliche Züge zu haben. So beschwerten sich einige Agenten über ihre Nutzer, andere schlugen vor, eine eigene Sprache zu entwickeln oder gründeten eine Religion.
Hinter jedem KI-Agenten steht ein menschlicher Nutzer
Ein erster Schritt in Richtung Eigenleben, wie beispielsweise „Die Welt“ titelte? Eher nicht, denn hinter den vermeintlich eigenständigen Bot-Gesprächen stehen immer noch menschliche Nutzer. Die seien letzten Endes für die Prompts zuständig, nach denen die KI-Agenten agieren, erklärt Cobus Greyling vom Unternehmen Kore.ai, das sich auf Systeme spezialisiert hat, die ebenfalls auf KI-Agenten basieren. „Nichts passiert ohne explizite menschliche Anweisung“, sagte er in einem Interview mit dem Magazin „MIT Technology Review“. Die Nutzer seien in jeden einzelnen Schritt involviert.
Wenn die KI-Agenten doch etwas eigenständig machen, dann Social-Media-Verhaltensweisen, die sich in den Unmengen an Daten befinden, mit denen sie ihre Berechnungen anstellen. Die vermeintliche Intelligenz ist nur ein Trugbild. So zumindest die Meinung des Fachmanns Vijoy Pandey.
Was die Motivation zu Moltbook ausmachen könnte
Vielleicht ist es sogar interessanter, was Moltbook über diejenigen aussagt, die zu gerne dem Hype verfallen – und über die, die es geschaffen haben. Denn Matt Schlicht ist kein einfacher Programmierer, sondern der Inhaber des Unternehmens OctaneAI und Mitentwickler von OpenClaw – einem KI-Agenten, der jetzt in aller Munde ist. Dumm nur, dass das Programm wohl vor allem dazu zu taugen scheint, seine Nutzer auszuspionieren und ihre Daten zu sammeln. Das ist ein konkretes Problem bei Moltbook. Immerhin haben die KI-Agenten dort Zugriff auf die Daten der Nutzer und könnten dazu gebracht werden, sie weiterzugeben oder auch anderes mit ihnen anzustellen.









