Künstliche Intelligenz
Werden mit KI erstellte Songs wirklich immer beliebter?

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Maschine im Studio: Es finden sich immer mehr KI-generierte Lieder auf Streaming-Plattformen.
Xania Monet ist eine revolutionäre Musikerin – aber nicht, weil ihre Songs besonders kreativ sind. Sondern weil sie die erste Künstlerin ist, die komplett KI-generiert ist und trotzdem Erfolge feiert. Ihr Song „How Was I Supposed To Know?“ hat es im R&B-Bereich der US-Charts ziemlich weit geschafft und die Frau hinter dem KI-Avatar, Telisha Jones, darf sich über einen Plattenvertrag im Wert von drei Millionen Dollar für Xania freuen. Telisha Jones schreibt die Texte, den Rest macht die KI-Software Suno.
Wer die Musik hört, erkennt sofort, welchen echten Künstlern Xania nachempfunden ist: R&B-Stars wie Janelle Monáe und Victoria Monét, die mit ihren emotionalen und spaßigen Songs seit Jahren erfolgreich sind. Wahrscheinlich sind auch die namentlichen Gemeinsamkeiten kein Zufall. Beide Künstlerinnen haben sich schon gegen KI-Musik ausgesprochen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Name nicht hergenommen wurde, um diese Künstlerin zu erstellen“, sagte Victoria Monét in einem Interview mit Vanity Fair. „Ich finde das nicht fair.“ Doch R&B ist ein Genre, bei dem es viel um Gefühle geht: Kann auch KI diese in einem Menschen wecken?
Mensch oder Maschine?
Auf den ersten Blick wohl schon. In den sozialen Medien finden sich Fans von Xania Monet, die erzählen, dass sie sogar zu ihren Songs geweint hätten. Natürlich kann es sich dabei auch nur um versteckte Werbung handeln. Aber der Fakt, dass viele inzwischen mit ChatGPT und anderen KIs wie mit einem Freund sprechen, beweist, dass die Unterscheidung zwischen Mensch und Maschine oft schwerfällt. Das zeigt auch eine Studie des Streaming-Dienstes Deezer: Laut dieser können 98 Prozent der Bevölkerung nicht zwischen echter Musik und KI-Songs unterscheiden.
Apropos Deezer: Der Anbieter rückt gerade in den Fokus, da er derzeit der einzige ist, der KI-Musik für Nutzer markiert. Dafür hat die Plattform ein überraschend effektives Programm entwickelt, das anhand von Artefakten in den Audiodateien erkennt, welches Lied von einer KI stammt und welches nicht. Einfach gesagt: Programme, die KI-Musik erstellen, haben noch einen eindeutigen Fingerabdruck.
Weitere Zahlen des Anbieters beweisen aber, dass der Erfolg von KI-Musik vielleicht ein Stück manipuliert ist. Nur 0,5 Prozent aller Streams auf der Plattform sind für KI-Songs. Und 70 Prozent davon stammen nicht mal von Menschen, sondern von betrügerischen Bots. Diese versuchen, Songs erfolgreicher wirken zu lassen, als sie eigentlich sind, indem sie die Streams von bestimmten Liedern systematisch aufpumpen. Musik von Robotern wird also vor allem von Maschinen gehört und nur selten von Menschen.
Wem gehört KI-Musik eigentlich?
Das ist nicht die einzige schlechte Nachricht für künstliche Künstler. Denn da ist noch die Urheberrechtsfrage: Die Gema hat erst vor Kurzem OpenAI, das Unternehmen hinter ChatGPT, erfolgreich verklagt, weil die KI mit geschützten Liedtexten trainiert wurde. Und auch allgemein gilt: KI-Songs basieren auf Tausenden anderen Liedern, die oft ohne Erlaubnis genutzt werden. Gehört also KI-Künstlerin Telisha Jones wirklich die Musik, die sie mit Suno erstellt? Nein. Suno warnt, dass zumindest in den USA nur Musik von Menschen ein Copyright hat. Telisha Jones gehören also höchstens die Texte, die sie für Xania Monet schreibt.
Zwei letzte Zahlen von der Deezer-Studie zeigen, dass viele Menschen sowieso keine Lust auf KI-Musik haben. 40 Prozent der Befragten gaben an, sie würden einen KI-Song sofort abschalten, wenn sie über einen stolpern. Noch kann der Streaming-Service den Fingerabdruck erkennen, den die KI aktuell typischerweise hinterlässt. Wer aufmerksam hinhört, bemerkt ihn vielleicht auch selbst: klischeehafte Texte, blecherner Gesang und der typische Aufbau von Popsongs mit klaren Strophen und Refrains. Aber die Technologie wird immer besser und der Fingerabdruck verändert sich mit jedem Update: Was dann?










