NFL-Playoffs

Der große Titelfavorit ist raus


Running Back Derrick Henry (links) führte seine Tennessee Titans mit der nächsten sensationellen Leistung zum Sieg über die Titelfavoriten aus Baltimore.

Running Back Derrick Henry (links) führte seine Tennessee Titans mit der nächsten sensationellen Leistung zum Sieg über die Titelfavoriten aus Baltimore.

Am 11. Januar 2020 fanden die beiden ersten Begegnungen der diesjährigen Divisional Round der NFL-Playoffs statt. Neben einem erwartbaren Sieg der San Francisco 49ers hatte dieser Abend eine faustdicke Überraschung zu bieten.

Nach zwölf Siegen in Folge und insgesamt 14 Siegen in 16 Partien galten die Baltimore Ravens mit ihrer variablen Offensive rund um Quarterback-Star Lamar Jackson bei allen Experten als großer Favorit auf den Titel. Nachdem die Ravens in der Wildcard-Round noch aussetzen durften, empfingen sie in der Nacht von Samstag auf Sonntag die Patriots-Bezwinger aus Tennessee.

Doch die erwartete Leistung brachten die hochgelobten Offensivspieler aus Baltimore nie auf den Platz. Ihre eigentlich als unberechenbar geltende Angriffsreihe bestand in diesem Match nur aus Lamar Jackson, der selbst nicht seinen besten Tag erwischte, und sich wohl von seinen Teamkollegen etwas alleine gelassen fühlte. Mit 365 Passing Yards und 143 Rushing Yards fabrizierte Jackson zwar erneut unfassbare Statistiken, konnte sich aber weder auf Entlastung durch seine Running Backs noch auf Fangsicherheit seiner Receiver verlassen und wurde von der starken Titans-Defense so zu einigen folgenschweren Fehlern gezwungen.

Und auch die Defensive der Ravens ließ mit nur vier gelungenen Spielzügen zu wünschen übrig. Wie es nach einer solch dominanten regulären Saison zu einem solchen Leistungsabfall kommen konnte, gilt es für die Coaches nun zu analysieren, um im nächsten Jahr neu angreifen zu können.

Derrick Henry neuer Favorit auf den MVP-Award?

Auf Seiten der Tennessee Titans war es vor allem wieder ein Mann der alles und jeden durch seine Leistung in den Schatten stellte. Nachdem Running Back Derrick Henry am vergangenen Wochenende bereits die beste Defensive der Liga, die der New England Patriots zerlegt hatte, führte dieser auch diese Woche seine Gegner nach Belieben vor. Insgesamt gelangen dem statistisch besten Running Back der Liga 195 Rushing Yards, drei unerwartete Passing Yards und ein Touchdown. Aufgrund der enormen Verlässlichkeit von Henry musste das Team aus Nashville sogar nicht auf sein komplettes Repertoire zurückgreifen und schonte seinen Quarterback Ryan Tannehill zumeist für die kommenden Aufgaben.

Denn auch deren Defensive bot erneut eine sensationelle Leistung und kam zu zwei Interceptions, vier Sacks, vier weiteren negativen Spielzügen für die Baltimore-Offensive und einem forcierten Fumble. Alles überstrahlt hatte das Spiel allerdings der erwähnte Derrick Henry, der sich nun zu den Geheimfavoriten auf den diesjährigen "Most Valuable Player"-Award zählen darf. Nach dem 28:12-Sieg über Baltimore stößt Tennessee in das AFC Championship Game vor.

Souveränes San Francisco

Einen völlig ungefährdeten Sieg hatten zuvor am Samstagabend die San Francisco 49ers in ihrem Heimspiel gegen die Minnesota Vikings gefeiert. Das beste NFC-Team der regulären Saison musste dabei zu keinem Zeitpunkt an seine Leistungsgrenze gehen und auch deren Quarterback Jimmy Garoppolo wurde nur relativ punktuell gefordert. Entscheidend für den Erfolg der 49ers waren die selben zwei Mannschaftsteile, welche auch schon in der regulären Saison die Garanten für insgesamt 13 Siege waren. So lief das sogenannte "Three headed Monster", wie das aus drei Running Backs bestehende Laufspiel von San Francisco genannt wird, wieder zu Höchstform auf und kam zu 180 Yards und zwei Touchdowns.

Ferner dominierte auch die geschlossene Defensive des Teams aus der Bay Area wieder ihren Gegner aus Minneapolis und produzierte eine Interception und sechs Quartback-Sacks. Besonders bemerkenswert ist der Fakt, dass die überragende 49ers-Defensive in der zweiten Spielhälfte keinen einzigen Punkt der Vikings zuließ und so den souveränen 27:10-Sieg auf den Weg brachte. San Francisco marschiert damit als erstes Team in das NFC Championship Game.

Desolate Leistung der Vikings

Nach dem überraschenden Sieg gegen erschreckend schwache New Orleans Saints am letzten Wochenende in der Wildcard, hatten viele Fans der Minnesota Vikings Hoffnung, auch die nächsten haushohen Favoriten gefährden zu können. Jedoch bestätigte deren Quarterback Kirk Cousins seinen Ruf, in wichtigen Spielen stets zu versagen, und bot eine eher seltsame Vorstellung. Des Weiteren war das sonst äußerst verlässliche Laufspiel der Vikings nahezu vakant. Running Back-Star Dalvin Cook kam lediglich auf für seine Verhältnisse grottenschlechte 18 Yards. Die Interception in der ersten Hälfte ausgeklammert, wusste auch die Minnesota-Defensive nicht zu überzeugen und trug so zur allgemein extrem enttäuschenden Performance der Vikings bei.