Tigers-Goalie im Interview

Vogl: "Nummer eins und Nummer zwei? Das ist veraltet"


Tigers-Goalie Sebastian Vogl.

Tigers-Goalie Sebastian Vogl.

Goalie Sebastian Vogl (32) durfte in den vergangenen drei Spielen der Straubing Tigers von Beginn an ran. Im Interview spricht der Niederbayer über die Situation im Tigers-Tor, das Verhältnis zu Jeff Zatkoff und die "Team always first"-Mentalität im Tigers-Team.

Herr Vogl, zum ersten Mal in dieser Saison haben Sie drei Spiele am Stück absolviert. Wie ist das Gefühl, wieder mehr zu spielen?
Sebastian Vogl: Es macht mir natürlich Spaß, im Tor zu stehen und viel Eiszeit zu haben. Ich genieße es auch, mit den Jungs zusammen zu kämpfen und auf dem Eis Gas zu geben. Es ist immer einfacher, wenn man im Rhythmus ist, Spielpraxis und Selbstbewusstsein hat als wenn man länger raus ist. Dann muss man sich erst mal reinbeißen und reinkämpfen. Das ist oft nicht so leicht, wenn man gerade nicht den "Ice Touch" hat. Aber trotzdem ist das mein Job und ich versuche, mich hundertprozentig für jedes Spiel vorzubereiten. Was auch immer die Mannschaft gerade braucht, das erfülle ich.

Wie ist das gerade an einem Tag wie vergangenen Freitag, als erst am Spieltag entschieden wurde, dass Sie spielen?
Vogl: Ich bin jetzt auch schon ein paar Jahre dabei. Früher hätte mich eine solche Situation vielleicht noch nervös gemacht. Aber heutzutage weiß ich, wie ich mich vorbereiten muss und was ich brauche, um bereit zu sein für das Spiel. Da bin ich ganz ruhig und cool geblieben und habe mich einfach gefreut, dass ich spielen durfte.

Gibt es Unterschiede in der Vorbereitung, wenn Sie wissen, dass Sie spielen oder nicht?
Vogl: Es ist nicht das gleiche Gefühl, wenn man im Tor steht oder auf der Bank startet. Deswegen ist die mentale Vorbereitung schon ein bisschen anders. Die körperliche Vorbereitung ist aber die gleiche.

Blicken wir ein bisschen zurück. Am Ende der letzten Saison haben Sie gute Leistungen gezeigt. Hatten Sie die Hoffnung, heuer zur Nummer eins zu werden?
Vogl: Mir wurde von vornherein mitgeteilt, dass wieder ein ausländischer Torwart verpflichtet wird. Ich wusste, was auf mich zukommt. Prinzipiell muss ich dazu sagen: Gerade in Straubing wird viel über Nummer eins und Nummer zwei oder Starter und Backup diskutiert. Ich finde das persönlich im modernen Eishockey ein bisschen veraltet. Im modernen Eishockey, egal ob in der NHL oder in Europa, sind die Mannschaften sehr erfolgreich damit, zwei Torhüter zu haben, die jederzeit spielbereit sind und dann vom Trainer gegen bestimmte Gegner eingesetzt werden. Ich bin kein Fan davon, dass man einen als Nummer eins und einen als reinen Backup bezeichnet. Es ist wichtig für die gesamte Mannschaft, dass man zwei starke Torhüter hat, die immer bereit sind und einem ein gutes Gefühl geben, dass man - egal was passiert - immer einen starken Mann zwischen den Pfosten hat, der einem das Spiel gewinnen kann.

Wie läuft das Zusammenspiel mit Jeff Zatkoff und was können auch Sie aus der Zusammenarbeit mit ihm mitnehmen?
Vogl: Ich kann da sehr viel mitnehmen. Jeff und ich haben ein gutes Verhältnis, er ist ein guter, lustiger Kamerad. Wir haben viele goaliespezifische Gespräche, was sehr wichtig ist. Es kann sich nicht jeder in diese Position hineinversetzen und als Torhüter braucht man da immer wieder einen Austausch mit einem Gefährten. Ich kann viel von ihm lernen, weil er viele Jahre NHL-Erfahrung hat und Erfolge gefeiert hat. Er hat mir den einen oder anderen Tipp gegeben. Ich konnte ihm vielleicht den einen oder anderen Tipp geben, wie es in Deutschland abläuft, weil da für ihn vieles neu war.

Sie sind einer, der mit der "Team always first"-Mentalität vorangeht und tragen diesen Spruch auf Ihrer Maske. Sagen Sie sich entsprechend auch, dass Sie persönlich manchmal in Sachen Spielzeit ein bisschen zurückstecken müssen im Sinne des Teams?
Vogl: Ich bin stolz, als Niederbayer hier in Niederbayern für einen super DEL-Verein spielen zu dürfen. Dass ich überhaupt die Möglichkeit habe, hier zuhause zu sein. Ich habe vom Verein tolle Möglichkeiten bekommen, um hier mit meiner Familie zu leben. Ich gebe natürlich immer alles für die Mannschaft. Aber ich bin auch dazu bereit, wenn die Mannschaft einen guten Lauf hat, mich auch mal hinten anzustellen und nicht immer im Tor zu sein.

Noch einmal zu diesem Motto "Team always first". Das wurde in diesem Sommer geboren. Wie darf man sich das im Alltag vorstellen. Hat man sich einmal darauf eingeschworen, oder muss man das in der Mannschaft auch immer wieder erneuern?
Vogl: Man muss es sich immer wieder mal ins Bewusstsein rufen. Nicht jeden Tag, aber immer wieder mal. Gerade wenn es mal nicht so läuft, dass man sich überlegt: Was sind wir eigentlich für eine Mannschaft? Was sind unsere Ziele, unsere Stärken? Was ist unsere Mentalität? Dafür sind solche Leitsprüche ganz wichtig.

Würden Sie sagen, dass das Team bisher die große Stärke der Tigers ist?
Vogl: Wir können nur erfolgreich sein, wenn alle ihren Teil dazu beitragen. Auch wenn manche Sturmreihen hier und da einen Lauf haben und die Tore erzielen. Aber da gehört mehr dazu. Da gehören die Verteidiger dazu, das Unterzahlspiel, die anderen Reihen, die die Energie aufs Eis bringen und vielleicht die Strafen rausholen, damit die anderen in Überzahl die Tore schießen können. Es ist immer ein Mannschaftserfolg.

Wie fällt Ihr Fazit der bisherigen Saison aus? Sind Sie zufrieden oder wäre sogar noch mehr möglich gewesen?
Vogl: Es geht immer noch mehr. Es ist ganz okay, wo wir sind. Aber ich denke, es ist noch Luft nach oben. Wir können noch mehr Gas geben und noch mehr herausholen für uns dieses Jahr. Ich denke, wir können eine Überraschungsmannschaft sein und uns noch weiter vorarbeiten.

In den vergangenen Spielen gab es auch den einen oder anderen Fight. In Straubing gab's auch schon einen Goalie-Fight. Haben Sie auch Lust, mal aktiv einzugreifen?
Vogl: (lacht) Ich bin jetzt nicht der Fighter. Ich hatte schon mal einen Kampf in Wolfsburg gegen Mannheim. Da hatte ich ziemlich bittere Konsequenzen danach und eine Sperre von der Liga. Das möchte ich nicht mehr. Ich bin lieber auf dem Eis und überlasse die harten Sachen den anderen.

Heute Abend kommen die Augsburger Panther an den Pulverturm. Was erwarten Sie von der Partie?
Vogl: Die Augsburger sind zurecht da wo sie sind. Sie haben gute Arbeit geleistet. Sie haben sehr gefährliche Spieler wie Drew LeBlanc, Matt White und andere, auch schussstarke Verteidiger. Da dürfen wir uns schon anschnallen und müssen bereit sein. Aber wenn wir so auftreten wie beim letzten Mal gegen Augsburg und noch ein bisschen konsequenter sind, dann können wir das Spiel schon ziehen.

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