Landkreis Regensburg

Missbrauch am Arbeitsplatz: Filialleiter (57) soll Lehrling sexuell belästigt haben


Symbolbild: Julian Stratenschulte/dpa

Symbolbild: Julian Stratenschulte/dpa

Von ber

Die Verhandlung am Amtsgericht endet mit einer Überraschung: Der 57-jährige Angeklagte muss sich noch vor dem Sitzungssaal einer Leibesvisitation durch die Justizwachtmeister unterziehen und das Schöffengericht ordnet eine sofortige Hausdurchsuchung bei dem Einzelhandelskaufmann aus einem Nachbarlandkreis an. Sein Mobiltelefon, sämtliche Computer und digitale Speichermedien sollen beschlagnahmt werden. Der Hintergrund: Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, als Vorgesetzter seinen damals 17-jährigen Auszubildenden wiederholt sexuell belästigt und missbraucht zu haben. Nun soll untersucht werden, ob sich jugendpornografische Darstellungen auf den Rechnern befinden.

Der Vater des heute 20-jährigen Dominik S. (Name geändert) spricht bei seiner Zeugenaussage anfangs nur von dem "Wesen", bis ihn die Vorsitzende Richterin ermahnt, wenigstens den Begriff "Angeklagter" zu verwenden, wenn er schon den Namen nicht in den Mund nehmen wolle. Die Vorwürfe gegen den früheren Chef des Sohnes sind massiv. Der damals 54-jährige Andreas P. (Name geändert) war der Straubinger Filialleiter eines Unternehmens, das in ganz Bayern und Oberösterreich Niederlassungen unterhält. Dominik hatte die Lehrstelle bekommen, so schildert es sein früherer Chef vor Gericht, weil man sich vom Fußball kannte. So lag es auch nahe, dass Andreas P. seinen Schützling jeden Tag mit dem Auto von seinem Wohnort in einem Nachbarlandkreis mit nach Straubing und wieder zurück nach Hause nahm. Während dieser Fahrten soll es etwa im Herbst 2012 in mindestens zwei Fällen zu sexuellen Übergriffen des Vorgesetzten auf den Lehrling gekommen sein. Ein weiterer, noch gravierenderer hat sich laut Anklageschrift im Betrieb ereignet: Der Filialleiter soll den 17-Jährigen zu einer Unterredung unter vier Augen in einen für niemanden einsehbaren Raum zitiert und sich dort an ihm vergangen haben. Jetzt muss er sich wegen sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener verantworten.

Andreas P., heute 57, bestreitet alle Vorwürfe. Während der Fahrten nach Straubing sei ab August 2012, also im fraglichen Zeitraum, immer noch ein weiterer Mitarbeiter dabei gewesen, er sei also nie mit dem Auszubildenden alleine im Auto gesessen. Auch für den angeblichen Vorfall im zweiten Stock der Firma hat er eine andere Erklärung. Dominik sei zu ihm gekommen und habe ihm von Geldnöten gebeichtet, die durch einen Bordellbesuch und Online-Computerspiele entstanden seien. Daraufhin habe er als Chef die genaueren Umstände wissen wollen und habe ihn zu dem vertraulichen Gespräch gebeten, das sei alles gewesen. In seinem Büro sei dies nicht möglich gewesen. Allerdings lag dem Gericht ein SMS-Verkehr zwischen Filialleiter und Azubi vor, der auch andere Schlüsse zulässt. Unter anderem schrieb der 17-Jährige: "Sei mir bitte nicht böse, ich mag das irgendwie nicht" und sein Chef antwortete: "Gib mir noch eine Chance."

Die Verhandlung wird am Montag, 13. Juli, mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt.