Schwarzach/Cham

Nach Überlebenskampf: Luchsbaby ist wohlauf


Beim Tierarzt in Schwarzach wurde der Jungsluchs erstversorgt.

Beim Tierarzt in Schwarzach wurde der Jungsluchs erstversorgt.

Eine sehr gute Nachricht aus dem Bayerischen Wald: Der kleine Luchs "Karlchen", der am 5. September am Grandsberg bei Schwarzach im Garten eines Einödhofes halb verhungert und dehydriert gefunden wurde, hat tatsächlich überlebt. Momentan befindet er sich in einer Wildtierauffangstation in Niedersachsen. Im Frühjahr soll er ausgewildert werden.

Dabei ist die Geschichte um Karlchen dramatisch: Wochenlang hing sein Leben an einem seidenen Faden, wie Sybille Wölfl auf Nachfrage mitteilt. Wölfl ist die Luchsexpertin in Bayern, die auch das länderübergreifende Luchsmonitoring zwischen Deutschland, Österreich und Tschechien leitet. Sie ist es auch, die Karlchen seinen Namen gab und die Mithilfe von Tierärzten das halbtote Luchsjunge wieder aufgepäppelt hat.

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Im Garten eines Einödhofes am Grandsberg ist Karlchen im September 2019 gefunden worden.

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Karlchen musste notoperiert werden, weil er Plastik gefressen hatte. Nach der Operation geht es endlich aufwärts und er kommt zu Kräften.

Ein Blick zurück: Anfang September ist der damals etwa zwölf Wochen alte Jungluchs im Garten eines Einödhofes gefunden worden. Zu diesem Zeitpunkt war er laut Wölfl sicherlich schon seit drei Wochen ohne seine Mutter und am Ende seiner Kräfte. Die Finderin bringt das Tierchen zur Erstversorgung zum Tierarzt nach Schwarzach. Dann nimmt ihn Sybille Wölfl in ihre Obhut.

Nun beginnt ein Kampf ums Überleben, den die Wölfls mehr als einmal zu verlieren glauben. Sybille Wölfl und ihr Mann versorgen wochenlang, Tag und Nacht alle eineinhalb Stunden Karlchen mit Futter, Medikamenten oder Wasser. Besonders die leidenden Rufe nach seiner Mutter zerreißen den Artenschützern fasst das Herz. "Es ist so ein Elend, ihm zusehen zu müssen", sagt Sybille Wölfl damals zu unserer Zeitung.

Karlchen muss notoperiert werden

Karlchen hat Durchfall und ist komplett verwurmt, doch die Medikamente gegen die Parasiten schwächen ihn zusätzlich. Traumatisiert beginnt der Luchs in seiner Quarantänestation alles anzufressen: die Katzenstreu, seine Wärmflasche und sogar eine Plastikdecke. Von diesem Plastik stopft er sich so viel in den Magen, dass ihn ein Tierarzt notoperieren muss - und dann wendet sich plötzlich das Blatt.

Sybille Wölfl kocht extra für ihn das fetteste Fleisch. Er hat riesigen Hunger und darf zwar öfter, aber nur in kleinen Mengen fressen. Endlich kommt der kleine Kerl wieder zu Kräften und schafft es, ganz gesund zu werden.

Doch nun tut sich bereits das nächste Problem auf: Durch die Fürsorge hat der Kleine seine Menschenscheu verloren. Neben Karlchen hat die Luchsexpertin seit Herbst noch ein kleines Luchsweibchen mit dem Namen "Julchen" aus dem südlichen Oberpfälzer Wald in ihrer Obhut. Sie wurde von Menschen eingefangen, obwohl sich Wölfl sicher ist, dass sie noch eine Mutter hatte. "Sie war pumperlgesund, wurde aber durch das Einfangen traumatisiert."

Von Julchen lernt er wieder die Scheu

Ganz langsam gewöhnt Wölfl die beiden Jungtiere aneinander. Nachdem sie sich anfangs nur durch das Gitter sehen dürfen, macht sie irgendwann die Tür auf - und es klappt: Karlchen und Julchen beschnuppern sich und spielen miteinander. Von der extrem scheuen Luchsin lernt der kleine Kuder langsam auch wieder die Scheu vor dem Menschen und diese ist für ein Überleben in der Natur nach der Auswilderung lebenswichtig.

Bis zum Frühling sollen Karlchen und Julchen noch in der Wildtierauffangstation bleiben und dann geht es auf in die Freiheit.

Was aus Karlchens Mutter geworden ist, konnte laut Wölfl bis heute nicht geklärt werden, obwohl der Jagdpächter intensiv nach Spuren oder einem Kadaver gesucht hatte. Ob es ein Unfall war oder Wilderei bleibt Spekulation.