Zwischen Zuversicht und Erfolgsdruck Kinos in Ostbayern bereit für den Neustart

Auch in Ostbayern blicken die Kinobetreiber mit Hoffnung und Sorge auf den 15. Juni. (Symbolbild) Foto: Felix Kästle/dpa

Nach Wochen der staatlichen Zwangs-Stilllegung steht die Kino-Branche in Ostbayern mit dem Rücken zur Wand. Die Vorbereitungen für den 15. Juni – das Ende der Stille in den Kino-Sälen – laufen, doch ob der Neustart gelingt, hängt von vielen Faktoren ab.

Welche Bedeutung hat Kino im Jahr 2020 noch? Streaming-affine Kulturjournalisten haben diese Frage des Öfteren gestellt. Die Antwort brachte wohl der Lockdown: Mit dem Kinobetrieb stehen auch Hollywood und die großen Filmstudios still. Das sagt Thomas Negele, der Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e.V. (SPIO): „Bei den Filmen, die rein online gestartet sind, hat man vielleicht beim einen oder anderen ein ganz nettes Ergebnis. Nicht umsonst aber macht das Kino 50 Prozent des Ertrags von Filmen weltweit aus.“ Heißt: Die großen Produktionen starten im Kino, oder eben garnicht. James-Bond-Fans wissen, wovon die Rede ist.

Der wirtschaftliche Domino-Effekt ist laut Negele riesig: „Das betrifft Kinos, Produzenten, Verleiher. Da sind Schauspieler für eine bestimmte Zeit gebucht. Wenn die Studios nachdrehen wollen, stehen die Schauspieler unter Umständen nicht mehr zur Verfügung. Der Produzent muss zum Teil Förderungen zurückzahlen, weil er den Film nicht angefangen hat. Ich hätte mir selbst nicht vorstellen können, welche Auswirkungen es hat, dass die ganze Filmbranche heruntergefahren wurde.“

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Wie bei allen Gewerbetreibenden türmten sich parallel die Umsatzausfälle auf. Auf den Neustart am 15. Juni richten sich viele Hoffnungen, gleichzeitig auch Sorgen – allen voran: Wo zugkräftige neue Kinostarts herbekommen? Der US-Markt ist derzeit noch fest im Griff der Pandemie-Maßnahmen, sagt Negele: „Für Blockbuster aus Amerika haben wir einige Zusagen, für ‚Mulan‘ und ‚Tenet‘ zum Beispiel. Die Amerikaner sehen ein, dass sie uns, wenn wir aufmachen sollen, gute Ware geben müssen.“ Aber: „Sie können keinen 400-Millionen-Film starten, wenn nicht der Großteil aller Länder mitmacht. 70 Prozent der Leinwände müssen zur Verfügung stehen. Deswegen ist es für uns wichtig, dass wir einen gemeinsamen Start haben.“ Alles in der Branche schaut auf Nordamerika und wie schnell die Behörden dort den Lockdown beenden.

Kaiserschmarrndrama und 007 sollen es richten

Auf den neuen Christopher-Nolan-Streifen „Tenet“ hofft auch Verena Dollinger, Betreiberin der Rosenhof Lichtspiele in Moosburg an der Isar. Weitere Aktien sind der neue James-Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ und der neue Eberhofer-Krimi „Kaiserschmarrndrama“. Letzterer ist für den August angekündigt, die 007-Reihe soll Mitte November in die nächste Runde gehen: „Diese Filme haben treue Anhänger und nach denen fragen die Leute schon jetzt“, sagt Dollinger.

Bei den Rosenhof Lichtspielen begann der Pandemie-taugliche Umbau schon vor dem Lockdown, als klar wurde, dass Abstandsregeln zukünftig ein Faktor für den Betrieb eines Kinos sein könnten: „Wir haben einen gläsernen Spuckschutz an den Kassen und Theken. Wir haben uns bewusst gegen Plexiglas entschieden, weil das, wenn es öfter gereinigt wird, schnell trüb wird. Außerdem können wir die bisherigen Notausgänge auch als Ausgänge verwenden, um Ein- und Ausgang voneinander zu trennen.“

Die Plätze werden schachbrettartig vergeben, um ausreichend Platz zwischen den einzelnen Zuschauern und Zuschauergruppen zu schaffen, erklärt Dollinger. Auf den Toiletten sind die Handtrockner verschwunden, stattdessen gibt es wieder Papierhandtücher: „Das war eine der Vorgaben. Bei den Handtrocknern besteht laut den Experten die Gefahr, dass sie die Viren durch die Luft wirbeln. Papier ist zwar weniger ökologisch, aber wohl sicherer.“

Ob der Neustart gelingt, hängt laut Ansicht der Kinobetreiber auch von der Stimmung in der Bevölkerung ab. Lesen Sie mehr dazu im zweiten Teil!

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