Betrug kennt die verschiedensten Facetten. Da gibt es die kaufwütige Hausfrau, die im Internet Waren bestellt, obwohl sie genau weiß, das sie kein Geld auf dem Konto hat. Oder den jungen Mann, der "vergisst", sich bei der Arbeitsagentur abzumelden, wenn er einen neuen Job antritt und damit zu Unrecht weiterhin Arbeitslosengeld kassiert. Oder den Vorstandsvorsitzenden eines Unternehmens, der fiktive Umsätze in Milliardenhöhe vortäuscht. Zum Betrüger kann aber auch ein biederer Beamter und Familienvater werden, der alles tut, um die Bäckerei seiner Frau zu retten, und dabei das Gesetz übertritt. Letzterer Typus saß am Donnerstag vor Amtsrichterin Birgit Fischer auf der Anklagebank. Auch wenn das Mitleid mit dessen Schicksal im Gerichtssaal fast greifbar war, führte an einer Verurteilung kein Weg vorbei.

Der pensionierte Verwaltungsbeamte hatte im Nebenberuf die Bäckerei seiner Ehefrau im Landkreis Cham geführt. Im Rahmen dieser Tätigkeit bestellte er 2018 genau 20-mal Mehl bei einem Lieferanten, die Rechnungen in Höhe von rund 30.000 Euro beglich er aber nicht.