Unfall im Landkreis Regensburg Großer Kran stürzt auf das Neutraublinger Hallenbad

, aktualisiert am 16.12.2021 - 17:00 Uhr
Ein großer Baukran ist auf eine Schwimmbad-Baustelle gekippt (Luftaufnahme mit Drohne). Zwei Bauarbeiter wurden dabei schwer verletzt. Sie kamen in ein Krankenhaus. Foto: Armin Weigel/dpa

In Neutraubling wird derzeit ein neues Hallenbad gebaut. Am Donnerstagvormittag ist dort plötzlich ein großer Kran auf den Neubau gekippt. 

Harald Stadler hatte keinen guten Donnerstagmorgen: Um kurz nach 10 Uhr erfuhr der Neutraublinger Bürgermeister, dass ein 20 Tonnen schwerer Kran soeben auf sein wichtigstes Bauprojekt gestürzt ist. "Ich war gerade in meinem Büro, als ich von der Feuerwehr erfuhr, dass sie einen Einsatz am neuen Hallenbad haben - und offensichtlich noch zwei Personen auf dem umgestürzten Kran gestanden sind."

Diesen Personen gelten Stadlers Gedanken: "Wie es ihnen geht, das weiß ich noch nicht. Einer konnte seine Hände bewegen, habe ich gesehen, als man ihn weggebracht hat, und anscheinend sind beide ansprechbar. Aber zur Schwere der Verletzungen kann ich noch gar nichts sagen." Wie es weitergeht? "Zuerst ist es ganz wichtig, dass die beiden Personen soweit versorgt werden, dass sie hoffentlich keine Schäden davontragen."

Die Arbeiter sind außer Lebensgefahr

Eine beruhigende Nachricht kam im Laufe des Tages: Die beiden Personen sind außer Lebensgefahr. Die Arbeiter im Alter von 24 und 31 Jahren befanden sich zum Unfallzeitpunkt wohl außen am Kran, als dieser umstürzte. Die Feuerwehr Neutraubling rettete die beiden in Zusammenarbeit mit Notärzten und Sanitätern über eine Drehleiter vom Dach. Der Rettungsdienst brachte die beiden in nahe gelegene Krankenhäuser. Die anderen Bauarbeiter wurden von der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) betreut. Das Gebäude musste vollständig geräumt werden.

Wie es mit dem Hallenbad weitergeht, das müsse man erst noch abklären, sagt Stadler. Rein durfte man heute noch gar nicht: Der bislang 12 Millionen Euro teure Neubau könnte im schlimmsten Fall akut einsturzgefährdet sein.

An Weiterarbeit ist erst nach der Freigabe durch den Baustatiker wieder zu denken: Eben der Statiker, der das Hallenbad auch geplant hat, muss deswegen am heutigen Freitag aus Baden-Württemberg kommen. "Aber was ich von der Feuerwehr mitbekommen habe, hat der hintere Teil des Krans die Decke des Hallenbads durchschlagen und krachte dort gegen Stahlträger und Wände."

Vom Fahrer des Krans war mehr zum Geschehen zu erfahren: So sei der vordere Hauptausleger, an dem die Lasten in die Höhe gezogen werden, schon abgebaut gewesen. Mit einem Teleskopkran setzte der Kranführer den Kranausleger gerade zum Abtransport um, war also mit dem Baukran selbst zum Zeitpunkt nicht verbunden.

Wie von Geisterhand drehte sich der Kran

Scheinbar von Geisterhand begann sich dieser Baukran plötzlich zu drehen - und kippte schließlich. Warum der Kran sich plötzlich bewegte, das ist zum Zeitpunkt noch allen Beteiligten ein Rätsel. "Die Sachverständigen von der Dekra können erst etwas sagen, wenn der Kran geborgen wurde", sagt Stadler. Die Polizeiinspektion Neutraubling hat mittlerweile ebenfalls Ermittlungen zur Unfallursache aufgenommen.

Wann der Kran geborgen wird, ist indes noch unklar und hängt wohl auch vom Urteil des Statikers ab: Da er das Dach durchschlagen hat, muss besonders Acht gegeben werden, bei der Bergung das Bauwerk nicht noch weiter zu beschädigen.

Die Feuerwehr war mit rund 30, der Rettungsdienst mit 27 Einsatzkräften im Einsatz. Außerdem waren Vertreter der zuständigen Berufsgenossenschaft, der Stadt Neutraubling sowie des Gewerbeaufsichtsamtes vor Ort. Da sich der Unfall am Rand eines Wohngebietes ereignet hat, gab es keine Verkehrsbehinderungen.

Stadler, der von Berufs wegen eigentlich selbst Polizist ist, hat sich ein Wiedersehen mit seinen ehemaligen Kollegen von der Polizei anders vorgestellt: "Eigentlich hätten wir jetzt Weihnachtsfeier gehabt, aber die ist wegen Corona abgesagt worden."

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