Interviewserie "Über den Rand" Marcel Uekermann: Design-Perfektionist bei Google

Analoge Freizeit: Wandern ist eine von Marcel Uekermanns liebsten Beschäftigungen. Foto: Marcel Uekermann

Nur wenige in der Region kennen den Namen Marcel Uekermann. Aber fast jeder hat schon Software verwendet, die durch seine Hände gegangen ist. Fast jeder in der westlichen Welt, um genau zu sein.

Aufgewachsen auf einem Anwesen nahe Mitterfels im Landkreis Straubing-Bogen, entwickelt Marcel Uekermann heute bei Google in Kalifornien die Software, die unter anderem das Navigieren per Smartphone möglich macht.

Über seinen Weg zum amerikanischen Internet-Giganten und die wichtigen Stationen seines Lebens haben wir mit Marcel Uekermann gesprochen.

Marcel, Sie sind Jahrgang 1984, also per Definition noch kein „Digital Native“. Woher kam die Initialzündung, etwas in der Richtung Web-Entwicklung zu machen?

Marcel Uekermann: Ich hab von meinen Eltern schon früh einen Computer bekommen. Das war damals ein Atari. Bald habe ich sogar Sachen für die Schule, zum Beispiel Hausaufgaben, lieber mit dem Computer gemacht als mit der Hand. Der zweite Faktor war Online-Gaming, insbesondere Counter-Strike. Das war gleichzeitig der Einstieg ins Webdesign: Die Webseite meines Counter-Strike-Clans war die erste Website, die ich gemacht habe. Inspiriert von Counter-Strike haben ein paar Freunde aus der Schule und ich dann „Grand Theft“ entwickelt, ein eigenes Computerspiel auf Basis der Half-Life-Engine. Wir nennen uns übrigens heute noch „das GT-Team“ (lacht).

Würden Sie sich selbst eher als Bastler bezeichnen, der lange an Sachen herumschraubt oder erledigen Sie alles „in einem Zug“?

Uekermann: Definitiv ersteres. Als Designer bin ich ein Perfektionist, der lang an etwas herumfrickelt, bis er wirklich happy damit ist. Das wäre wahrscheinlich bei Google auch so, allerdings bist Du da dazu angehalten, kollaborativ zu arbeiten. Du hast jede Menge Talent um Dich herum; und wenn Du von den anderen Leuten Feedback bekommst, dann ist das Endergebnis besser, als wenn Du drei Wochen lang nur für Dich selbst herumbastelst. Wichtig sind auch die Ergebnisse von User Research.

Wie funktioniert das?

Da gibt es viele Methoden. Das ist zum Beispiel das Feedback „direkt von der Straße“. Es werden Leute gefragt nach dem Motto: „Hallo, haben Sie kurz Zeit, bei Starbucks einen Kaffee zu trinken und die neue Google App auszuprobieren?“ Die Leute bekommen einen Starbucks-Gutschein und ein Smartphone – und wir finden heraus, wie gut jemand, der noch nie damit zu tun hatte, mit bestimmten Funktionen einer App klarkommt. Aber, wie gesagt - das ist nur eine von vielen Methoden.

Lesen Sie im zweiten Teil unseres Interviews, wie ein Tag im Leben eines Designers bei Google aussieht – und warum es auf dem Firmengelände Kioske und eine Wäscherei gibt.

 

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