Tipps gegen Mobbing Psychoterror am Arbeitsplatz: Der Feind im eigenen Büro

Mobbing am Arbeitsplatz ist in Deutschland immer noch weit verbreitet. Dabei sind laut Studien Frauen etwas häufiger betroffen als Männer. Foto: imago/AntonioGuillem/Panthermedia

Mobbing, Bossing, Staffing: Psychoterror am Arbeitsplatz hat viele Gesichter. Nicht immer sind die Opfer die Angestellten. Warum Mobbing jeden treffen kann und wie man dagegen vorgehen kann.

Es beginnt oft mit kleinen Gemeinheiten. Tuschelei hinter dem Rücken des Kollegen, die Kaffeetasse wird versteckt, Arbeitsanweisungen nicht weitergegeben. Irgendwann eskaliert die Situation. Es kommt zum Konflikt am Arbeitsplatz. Die betroffene Person wird zur Zielscheibe von Schikanen und Demütigungen, solange, bis Abmahnungen oder Kündigungen drohen. Doch wie kommt es soweit? Wo hören Meinungsverschiedenheiten auf und wann fängt Mobbing an?

"Bei einzelnen Vorfällen spricht man noch nicht von Mobbing", sagt David Schmitt vom Deutschen Gewerkschaftsbund Bayern. Er ist Abteilungsleiter für Sozial- und Arbeitsmarktpolitik. "Wenn es aber drei oder sechs Monate so geht und es immer wieder passiert, dann kann man sicherlich von Mobbing ausgehen." Wie weit verbreitet Mobbing in der Arbeitswelt tatsächlich ist, lässt sich ihm zufolge schwer sagen. "Aber wir sprechen da nicht von Einzelfällen."

Nicht jeder spricht darüber, wenn er gemobbt wird. Viele Betroffene schämen sich und gestehen sich nicht ein, dass sie gemobbt werden. "Wir nehmen aber nicht wahr, dass es Zeit zur Entwarnung wäre. Nach wie vor ist das Phänomen Mobbing in unterschiedlichen Ausprägungen präsent."

Mobbing kann jeden treffen

Neben dem Mobbing, bei dem das Opfer meist von Kollegen schikaniert wird, gibt es aber auch weitere Formen des Psychoterrors wie Bossing oder Staffing. Dabei kann der Vorgesetzte entweder selbst zum Aggressor werden - oder auch zum Opfer. "Mobbing ist Ausdruck der sozialen Verhältnisse in der Arbeitswelt ist", sagt Schmitt. Arbeitsplatzkonkurrenz oder Leistungsdruck schaffen häufig einen Nährboden, auf dem Mobbing gedeihen könne. "Wir stellen auch fest, dass Mobbing gerade dort anzutreffen ist, wo die Streitkultur fehlt, wo Beschäftigte nicht befähigt werden, mit Konflikten umzugehen und sie auch zu lösen."

Einen bestimmten Typ "Mobbingopfer" könne man in den meisten Fällen nicht feststellen. "Es gibt keine wirklichen Merkmale bei Tätern oder Opfern, anhand derer man sagen könnte, dass bestimmte Persönlichkeitsstrukturen einen prädestinieren, zum Opfer oder zum Täter zu werden", sagt Dr. Simon Hahnzog, Psychologe und Akademischer Direktor an der Augsburg Business School Steinbeis IFEM. Er setzt sich bereits seit Jahren mit dem Thema Mobbing in der Arbeitswelt auseinander. "Das einzige, das auffällt, ist, dass Frauen etwas öfter betroffen sind als Männer. Aber auch da ist der Unterschied nicht besonders groß."

Gerade bei Mobbing sei es wichtig, rechtzeitig zu handeln, denn die Folgen können für Betroffene laut Hahnzog dramatisch sein. "Im Vordergrund stehen dabei vor allem depressive Erkrankungen. Aber genauso gibt es auch psychosomatische Erkrankungen, gerade im Arbeitskontext, die zu langen Krankheitsphasen führen." Zudem gebe es Vermutungen, dass zumindest bei einem nicht unerheblichen Anteil von Suiziden das Thema Mobbing eine Rolle spielen könne. 

Die vier Phasen des Mobbings

Bereits Anfang der 90er Jahre hat Diplompsychologe Heinz Leymann Mobbing am Arbeitsplatz in verschiedene Phasen eingeteilt. "Ganz am Anfang steht dabei ein ungelöster Konflikt. Dieser kann zwischenmenschlich sein, ist aber nicht selten etwas Fachliches oder Arbeitsbezogenes", erklärt Hahnzog. Darauf folgen erste Abneigungen und Schuldzuweisungen sowie vereinzelte persönliche Angriffe. 

Danach beginnt Phase zwei - der Psychoterror. Differenzen weiten sich aus, der ungelöste Konflikt gerät in den Hintergrund. Die betroffene Person wird in die Rolle des Schuldigen gedrängt. "Das bedeutet, es finden über einen längeren Zeitraum kränkende Handlungen statt, die sich irgendwann generalisieren." Der Gemobbte wird zum Außenseiter - ist isoliert von der Gruppe.

In der dritten Phase wird das Opfer zum "Problemmitarbeiter" abgestempelt. "Er bekommt die Sündenbockrolle zugeschoben. Das wird vor allem auf der Beziehungsebene ausgetragen. Dazu gehören starke, intensive Kränkungen und Ausgrenzungen, so dass sich der Betroffene dauerhaft ganz unterlegen fühlt", sagt der Psychologe. 

Zur endgültigen Eskalation kommt es in der letzten Phase. Dann geht Hahnzog zufolge meistens der Arbeitsplatz verloren - entweder, weil der Betroffene freiwillig geht, oder gekündigt wird, weil es vermeintliche Gründe gibt, dass derjenige nicht mehr so arbeitet, wie es von ihm verlangt wird. 

Auf der nächsten Seite lesen Sie, was Unternehmen und Betroffene gegen Mobbing tun können.

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