Straubinger Kniekoryphäe Oldtimer statt Knie: Wofür Dr. Eichhorn nun mehr Zeit hat

Eichhorns Spezialität war immer das Knie, vor allem das Kreuzband. „Ich kriege durch meine Erfahrung mit den Händen raus, ob ein Kreuzband kaputt ist“, sagt er. Schon Anfang der 80er-Jahre hat er an der Universität in Bochum die endoskopische Kniechirurgie vorangetrieben. Damals wurde er noch dafür belächelt. „Andere Ärzte haben gesagt: Ich schneide das Knie auf und bin in einer halben Stunde fertig“, erzählt Eichhorn. Er hat zum Teil zwei Stunden an einem Knie operiert. Heute sind die Kamerasysteme und Instrumente deutlich besser. „Jetzt sind wir in der Lage, selbst größere Bandplastiken endoskopisch durchzuführen“, sagt Eichhorn. Für die Weiterentwicklung arbeitete Eichhorn dabei auch mit großen Firmen zusammen, die seine Ideen umgesetzt haben. Zudem war er jedes Jahr sechs bis acht Wochen im Ausland, um zu lernen und sich auszutauschen. „Da hat man viel gehört, was man nicht mitbekommt, wenn man immer nur vor Ort ist. Manches wurde auch erst an der Bar ausgetauscht“, sagt er. Einige Punkte hat er nach und nach in sein Repertoire eingebaut.

Eine "Granate"? Die musste Klaus Eder sehen

Viele seiner Patienten sind über den Profisport gekommen. Der ehemalige Nationalspieler Martin Wagner vom 1. FC Kaiserslautern war der erste. Dadurch hat sich rumgesprochen, dass in Straubing, wo Eichhorn übrigens auch zwölf Jahre lang Mannschaftsarzt der Tigers war, ein sehr guter Arzt ist. Viele bekannte Sportler folgten auf Wagner, sie aufzulisten, würde den Rahmen sprengen. Auch der Donaustaufer Klaus Eder, langjähriger Physiotherapeut der Fußball-Nationalmannschaft, hat das schnell mitbekommen. „Mich hat damals Dr. Ebner angerufen, dass er eine Granate an Land gezogen hat“, erinnert sich Eder. Diese Granate, dachte sich Eder, müsse er mal persönlich kennenlernen. „Wir haben uns von Anfang an super verstanden, es hat sich auch abseits des Berufes eine Freundschaft entwickelt“, erzählt der Physio. Auch, weil seine Frau und Dr. Eichhorn mit der Jagd und Oldtimern die gleichen Hobbys hätten.

Eder lobt „die Fachkompetenz und den Charakter“ Eichhorns. „Das findet man in dieser Kombination ganz selten.“ In 30 Jahren Zusammenarbeit habe es nie Streit, nie ein böses Wort gegeben. Auch dass Eichhorn nie dick aufgetragen habe oder in die Öffentlichkeit geprescht sei, schätzt Eder an Eichhorn. Viele seien nun traurig, dass Eichhorn aufhöre, sagt Eder. Aber ganz hört Dr. Eichhorn ohnehin noch nicht auf. Im Gegenteil: Man spürt förmlich, wie er nach wie vor für sein Thema brennt. Bemerkenswert. Eine Begeisterung, die viele in ihrem Berufsleben wohl nie erreichen.

Noch lange nicht Schluss

Eichhorn wird auch weiter im sporthopaedicum arbeiten, dreimal die Woche hält er noch eine Sprechstunde ab. „Das mache ich so lange ich Spaß daran habe oder bis ich tot umfalle“, sagt Eichhorn. Er will sich nun vor allem der konservativen Behandlung widmen. Denn auch wenn Eichhorn in seinem Leben sehr viel operiert hat, so war das für ihn immer nur die letzte Behandlungsmethode, wenn nichts anderes mehr ging. Tissue Engineering, auf Deutsch die künstliche Herstellung von biologischem Gewebe, werde die Zukunft sein, glaubt Eichhorn. „Wir arbeiten daran, irgendwann in der Lage zu sein, aus Kreuzbandzellen ein ganzes Kreuzband zu züchten“, sagt der Knie-Spezialist. Auch hier ist das sporthopaedicum als Kooperationspartner der Regensburger Universität vorne dabei.

Über ein halbes Jahr nach seiner letzten Operation vermisst Dr. Eichhorn vor allem eines: die Teamarbeit. Das Operieren an sich fehlt ihm weniger. Im Gegenteil, seit er nicht mehr operiert, schläft Eichhorn besser. „Als Operateur hat man doch immer ein gewisses Anspannungslevel. Das merkt man nicht, solange es da ist. Erst jetzt habe ich gemerkt, wie leicht es wird, wenn die Anspannung weg ist, man die Operationen vom nächsten Tag nicht schon im Kopf durchgeht.“

Oldtimer statt Knie

Zum Messer greifen zukünftig andere Ärzte des sporthopaedicums. Privatdozent Dr. Bode zum Beispiel, der Nachfolger Eichhorns. Als hervorragenden Mann stuft ihn Eichhorn ein. Ohnehin sieht er das sporthopaedicum auch für die Zukunft bestens aufgestellt. Er wünscht sich, dass man weiter Vorreiter bleibt. „Man sollte wohl portioniert auf den Fortschritt hören. Nicht bei allem mitgehen, aber dennoch Trendsetter sein“, sagt er. Zudem wünscht sich Eichhorn, dass im sporthopaedicum immer der Patient im Mittelpunkt bleibt. Die Geschicke der Praxis liegen aber schon länger in anderen Händen. Denn per Vertrag erlischt ab einem gewissen Alter das Stimmrecht eines Arztes innerhalb des Teams. „Es ist wichtig, dass die Jungen am Ende das Sagen haben, dass die alten Knacker durch ihre Halsstarrigkeit nicht Innovation und Fortschritt blockieren“, sagt Eichhorn. Zu oft erlebe man, dass die Alten nicht abtreten könnten.

Eichhorn selbst hat kein Problem, sich zurückzunehmen. Jemand für die große Bühne war er ohnehin nicht. Er ließ lieber seine Taten für sich sprechen. Nun freut er sich darauf, etwas mehr Zeit außerhalb der Praxis zu verbringen. Wie viel Freizeit er nun mehr habe, kann er nicht genau quantifizieren, die Übergänge seien fließend. Im sporthopaedicum ist er noch dreimal die Woche, aber er bildet sich durch Bücher und TV-Sendungen nach wie vor weiter, schaut auch mal auf dem Hochsitz bei der Jagd ein MRT-Bild an. Aber deutlich mehr Zeit als früher hat er dennoch. Für seine fünf Kinder und seine fünf Enkelkinder in erster Linie. Aber auch für die Hobbys, für die Jagd und die Oldtimer. „Statt an Knien schraube ich jetzt eben an alten Autos herum“, sagt Dr. Eichhorn und lacht.

 

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