Straubing/Leiblfing Das halten Ärzte von der Video-Sprechstunde

Und was sagen die Praxen selbst dazu? Wir haben drei Ärzte aus Straubing und Umgebung befragt:

Jörg Lichte, Facharzt für Allgemeinmedizin in Hunderdorf, kann der Video-Sprechstunde durchaus etwas abgewinnen: „Ich persönlich würde es bevorzugen, da sich so manches Problem auch auf diesem Weg lösen lassen sollte. Außerdem ermöglicht es einem Arzt, sich auf schnellem Weg vorab ein Bild zu machen. Hierdurch kann die Dringlichkeit eines persönlichen Kontaktes besser abgeschätzt werden als nur durch eine telefonische Beratung. Dies stellt sowohl für den Arzt als auch den Patienten eine Erleichterung dar, da im ländlichen Raum oft ein schneller Besuch beim Arzt nicht umsetzbar ist. Es kommt aber natürlich immer auf den einzelnen Patienten und seinen Fall an. Nicht alle Krankheiten können aus der Ferne erkannt oder behandelt werden. Komplett ersetzen können wird die Video-Sprechstunde den persönlichen Kontakt niemals, da man alle Sinne braucht um eine Krankheitssituation und den erkrankten Patienten einschätzen zu können.“

Was er kritisch sieht, ist die rechtliche Situation. Hier seien derzeit für Ärzte noch einige Fragen offen, die es zu klären gilt. „Auf lange Sicht wird die Video-Sprechstunde aber Normalität werden“, ist Jörg Lichte überzeugt. Was ihm dabei etwas Bauchschmerzen bereitet: Dadurch wird wohl auch die Anzahl der Arzt-Patienten-Kontakte noch weiter zunehmen. „Es ist auch gut, dass es die Möglichkeit gibt, Probleme schnell anzusprechen um Schlimmerem entgegen zu wirken. Die Patienten werden diese Möglichkeit sicherlich auch sehr großzügig wahrnehmen. Allerdings: Das Internet braucht keine Ruhephasen - der Arzt schon“, gibt Jörg Lichte zu bedenken. Deswegen werde es in Zukunft noch wichtiger sein, den Ärztemangel zu bekämpfen, um den zu erwartenden Anforderungen auch gerecht zu werden.

Dr. med. Wolfram Haaser von der Facharztpraxis für Gynäkologie und Geburtshilfe in Straubing steht dem Thema Video-Sprechstunde ebenfalls aufgeschlossen gegenüber. „Es gibt sicher verschiedene gute Anwendungsmöglichkeiten dafür – es könnte zum Beispiel helfen, die normale Sprechstunde zu entzerren“, findet er. Allerdings müssten dafür auch entsprechende technische und rechtliche Voraussetzungen erfüllt sein. Bis dahin sei es aber noch ein langer Weg. Doch auch Dr. Haaser ist überzeugt: „In Zukunft wird die Video-Sprechstunde sicher weit verbreitet sein.“

Das sieht auch Dr. med Albert Solleder, Facharzt für Chirurgie in Straubing, so. Auch er hat sich bereits mit dem Thema Video-Sprechstunde auseinander gesetzt und ist sich sicher: „Das wird im Zuge der Digitalisierung sicher noch zunehmen.“ Den größten Vorteil der Video-Sprechstunde sieht er in der Zeitersparnis für Ärzte und Patienten. Außerdem bestehe so auch die Möglichkeit für ein kurzfristiges Gespräch. Ersetzen können werde die Video-Sprechstunde den Arztbesuch aber nicht. „Allein schon das ärztliche Ethos, den Patienten mit allen Sinnen zu untersuchen, spricht dagegen“, so Dr. Solleder. „Und das ist ohne persönlichen Kontakt nicht möglich.“ Die Video-Sprechstunde sei aber eine gute Ergänzung. „Die Tele-Medizin ist sicherlich ein Thema, mit dem sich Ärzte in Zukunft häufiger auseinander setzen müssen“, ist Dr. Solleder überzeugt. Die Stadt Straubing beschäftige sich im Rahmen des Konzepts „Gesundheitsregion Plus“ unter der Leitung von Prof. Dr. Sebastian Maier (Klinikum Straubing) ohnehin schon seit längerer Zeit damit. Jetzt sei allerdings zunächst der Gesetzgeber gefordert, um noch offene Fragen zu klären und für Ärzte Klarheit zu schaffen. „Sobald das gewährleistet ist, sollten wir uns diesem Trend aber nicht verschließen“, so Dr. Solleder.

 
 

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