Straubing Das ist das Lesecafé Donauwelle

Die Schüler haben alle Hände voll zu tun. Der Andrang ist groß, es kommen viele Stammgäste. Foto: Stefanie Sobek

Pizza, Torte, Sandwichtoast, Kaffee ... Solch feine Sachen gibt es donnerstags in der Stadtbibliothek in Straubing – im Lesecafé Donauwelle, das Schüler der Bildungsstätte St. Wolfgang betreiben. Sie lernen durch dieses Projekt viel – vor allem fürs Leben.

Wer die altehrwürdigen Gemäuer der Bibliothek im Salzstadel betritt, bleibt erst einmal verwundert stehen. Dort, im Erdgeschoss, wo es normalerweise ziemlich ruhig zugeht, herrscht reges Treiben. An liebevoll gedeckten Tischen sitzen Leute jeden Alters, die sich unterhalten, lachen und sich dabei ein Stück Torte oder einen Toast zu ihrem Kaffee schmecken lassen. Dazwischen wuseln Schüler umher, die die Gäste nach ihren Wünschen fragen und ihnen die bestellten Speisen und Getränke bringen.

Eine der Schülerinnen ist Celina (18). „Ich freue mich jede Woche aufs Lesecafé“, sagt sie. Am Anfang des Schuljahres sei die Arbeit noch ungewohnt gewesen, aber mittlerweile hat sie die Abläufe so verinnerlicht, dass sie fast automatisch ablaufen. „Das ist das Ziel“, erklärt Lehrerin Angela Blindzellner, die für das Projekt, das es mittlerweile schon seit über zehn Jahren gibt, verantwortlich ist. Die Schüler der Berufschulstufe sollen lernen, selbstständig zu arbeiten, vor allem in Vorbereitung auf das Leben nach der Schule. Die Bildungsstätte St. Wolfgang ist ein Förderzentrum mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. Das Lesecafé ist ein Lernort, in dem die Jugendlichen unter realen Bedingungen Erfahrungen für die berufliche Zukunft sammeln können. Sie lernen, strukturiert zu arbeiten, mit anderen zusammenzuarbeiten und auch stressige Situationen zu meistern.

„Die Kunden sind alle so nett“

Und genau das findet Verena (18) so toll: „Es macht einfach Spaß, auch außerhalb der Schule etwas machen zu können.“ Ihr gefällt es besonders, im Service zu arbeiten. „Die Kunden sind alle so nett“, schwärmt sie. Zum Beispiel helfen sie mit, wenn es beim Zusammenrechnen der Preise etwas länger dauert. Viele der Besucher sind Stammgäste, auch einige Gruppen sind darunter. Der Aufwand ist immens. Schon am Mittwoch beginnen die Vorbereitungen (siehe unten). Lehrerin Angela Blindzellner bespricht mit den Schülern die Aufgaben. Doch zuerst heißt es: Hände waschen, Schürzen anziehen. „Jeder, der beteiligt ist, bekommt eine Hygienebelehrung“, erklärt sie. Und schon geht es los. Wenn alle Produkte fertig sind, kommen sie in die Kühlung. Für die Schüler geht die Arbeit weiter. Sie bügeln Schürzen und Geschirrtücher. Am nächsten Morgen wird alles im Kleinbus zur Bibliothek gefahren. Und dann beginnt die eigentliche Arbeit im Lesecafé. Und spätestens dann, wenn man in die glücklichen Gesichter bei Gästen, Schülern und Lehrern blickt, versteht man, warum sich dieser Aufwand Woche für Woche lohnt.

Das Lesecafé findet jeden Donnerstag – außer in den Ferien – von 9 bis 12 Uhr statt.

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