Sophias MUT Kostenfreies Leitungswasser mit "Refill"

Louisa Bahl ist Sprecherin des Organisationsteams von „Refill“. Der blaue Aufkleber zeigt, dass dieses Geschäft Teil des Projekts ist. Foto: Refill Deutschland

Ein runder blauer Aufkleber an Tür oder Fenster ist ein Hinweis dafür, dass du im Inneren deine Wasserflasche kostenlos auffüllen kannst. Dahinter steckt „Refill“. Die 24-jährige Louisa Bahl ist Teil des Organisationsteams. Im Interview erklärt sie, was das Projekt mit einem Marmeladenglas zu tun hat.

Wie viele Stationen und Brunnen habt ihr deutschlandweit?

Louisa Bahl: Insgesamt zählen wir im Moment rund 5 300 Refill-Stationen und Trinkbrunnen in Deutschland. Wo in deiner Nähe eine Refill-Station ist, kannst du auf unserer Webseite unter refill-deutschland.de herausfinden.

Wo seid ihr besonders gut vertreten?

Louisa Bahl: Unserer Schätzung nach gibt es die meisten Refill-Stationen in Städten, weil es dort mehr Geschäfte, Arztpraxen, öffentliche Institutionen und Ähnliches gibt. Aber auch in Dörfern beobachten wir, dass unser Netzwerk wächst. Oft gerade dort, wo Trinkwasser benötigt wird, zum Beispiel an Wander- oder Radwegen.

Wie kann ich mit meinem Unternehmen Teil eures Projekts werden?

Louisa Bahl: Zuerst machst du einen kurzen Check, ob du die Voraussetzungen für eine Station oder einen Trinkbrunnen erfüllst: Wenn du ein öffentlich zugängliches Gewerbe mit regelmäßigen Öffnungszeiten hast, kannst du dir online sofort Refill-Aufkleber bestellen. Oder du holst bei einer Verteilstelle in deiner Nähe Aufkleber kostenlos ab. Eine Verteilstelle ist eine Refill-Station, bei der du dir wie bei allen anderen dein Trinkgefäß auffüllen lassen kannst. Gleichzeitig hat diese Verteilstelle Refill-Aufkleber vorrätig. Finden kannst du eine Verteilstelle in deiner Nähe, indem du auf unserer Online-Karte das Stichwort „refill-sticker“ eingibst. Danach klebst du den blauen Aufkleber sichtbar an ein Fenster deines Geschäfts, Büros oder deiner Arztpraxis. Als letzten Schritt trägst du dich selbstständig auf unserer Webseite in die Refill-Karte ein.

Wie kann ich euch als Privatperson helfen?

Louisa Bahl: Wenn du Refill als Privatperson unterstützen möchtest, kannst du mit ein paar Aufklebern losziehen, von unserer Initiative erzählen und neue Stationen werben. So ist Refill in Deutschland vor allem am Anfang groß geworden, weil sich in zahlreichen Städten sogenannte „Stadtorgas“ gebildet haben. Was zusätzlich jeder tun kann: die Stationen aktiv zu nutzen. Damit tragen wir unseren Teil gegen die Plastikflut und zum Umweltschutz bei.

Wie habt ihr es geschafft, euch von Hamburg über Deutschland zu verbreiten?

Louisa Bahl: Angefangen hat alles in Hamburg, nachdem die Gründerin Stephanie auf „Refill Bristol“ in England gestoßen ist. Sie hat die Idee leicht abgewandelt und „Refill Hamburg“ im Jahr 2017 gegründet. Weil sich ihr Projekt schnell herumgesprochen hat, gab es innerhalb weniger Wochen schon mehrere Refill-Städte, die als „Refill Deutschland“ zusammengefasst wurden. In jeder dieser Städte gab es eine motivierte Person, die sich einen Sponsor für die Aufkleber gesucht, neue Refill-Stationen geworben und in die Karte eingetragen hat. In der Anfangszeit waren über 100 Ehrenamtliche am Werk, die sich vor Ort gleichzeitig um die Öffentlichkeitsarbeit gekümmert haben.

Wie sieht es weltweit aus?

Louisa Bahl:Ähnliche Refill-Bewegungen gibt es im Vereinigten Königreich, in Griechenland und Luxemburg. 2015 ist „Refill UK“ in Bristol entstanden. Auch auf Mallorca gibt es eine ähnliche Initiative, „Cleanwave“. Deren Kampagne ist mittlerweile in über 20 Ländern vertreten, darunter Australien, Chile, Italien, Island und Japan. Dann ist mir noch „Refillmybottle“ aus Bali bekannt. In Südostasien gibt es dadurch über 2 500 Orte, an denen man kostenlos oder sehr günstig Wasser abfüllen kann. „Refill Not Landfill“ aus Kambodscha will den Wasserkonsum von Touristen und lokalen Bewohnern revolutionieren und Plastikmüll reduzieren. Und es gibt noch eine Suchplattform für Wasserspeicher in den USA.

Was ist die „Karte von morgen“ und wie arbeitet ihr zusammen?

Louisa Bahl: Die „Karte von morgen“ ist eine interaktive Karte, in die jeder eintragen und bewerten kann, was „gut“ ist. Ihr Slogan „Alles Gute auf einer Karte“ bedeutet, dass visionäre Initiativen, nachhaltige Unternehmen, soziale Treffpunkte und viel mehr „von morgen“ sichtbar gemacht werden. Die Karte unter kartevonmorgen.org lebt davon, dass jeder Nutzer entscheidet, was nachhaltig ist und bewerten kann, warum. Unsere Zusammenarbeit mit der „Karte von morgen“ begann vergangenes Jahr im Sommer. Gleichzeitig konnten wir unser Projekt endlich mit einer App verknüpfen, in der unsere Refill-Stationen auffindbar sind.

Warum sprecht ihr auf eurer Webseite und Instagram so oft von einem Marmeladenglas?

Louisa Bahl: Das Marmeladenglas ist das Symbol, dass bei uns alle mitmachen dürfen – egal mit welchem Trinkgefäß sie um die Ecke kommen. Bei uns muss niemand mit der Edelstahl- oder Glasflasche beweisen, „wie nachhaltig“ er lebt. Es macht keinen Unterschied, ob du einen Campingbecher, einen tiefen Teller, eine faltbare Sportflasche oder ein Marmeladenglas zum Auffüllen dabei hast. Uns ist wichtig, dass alle mitmachen können.

Mehr Artikel aus unserer Nachhaltigkeitsserie "Sophias MUT" gibt es hier.

Weitere Artikel

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading