Schutzmaßnahmen für Kinder Mehr überforderte Eltern in den Städten?

Wenn Eltern überfordert sind, muss oft das Jugendamt eingreifen. (Symbolbild) Foto: Stefan Karl

Mehr als 3.750 Elternpaaren in Bayern wurden im vergangenen Jahr ihre Kinder zeitweise entzogen. Das waren 4,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Während die Zahlen für den Freistaat einen positiven Trend ausweisen, steigen die Fallzahlen in Niederbayern leicht an. Die Statistik für Ostbayern weist zudem aus, dass die Kinder, die das Jugendamt in Obhut nimmt, immer jünger werden.

In der Mehrzahl der Fälle muss das Jugendamt einschreiten, weil Eltern überfordert sind. Das gilt laut einer Aufstellung des Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung für etwa zwei Drittel der Fälle. 626 der betroffenen Kinder wurden auf ihren eigenen Wunsch zeitweise von ihrer Familie getrennt untergebracht. Im Schnitt müssen sich die Jugendämter um mehr Jungen und männliche Jugendliche als um Mädchen kümmern. Sie machen einen Anteil von knapp 53 Prozent der Fälle aus. Das kritische Alter, in dem die Familiensituation problematisch wird, liegt zwischen 14 und 18 Jahren.

Mehr Problemfälle in den Städten

Während die Zahlen für den Freistaat insgesamt leicht rückläufig sind, hat die Anzahl der Unterbringungen in Niederbayern zugenommen. Die Zahl der vorläufigen Schutzmaßnahmen stieg von 361 auf 372 im Jahr 2019. In der Hauptsache kommt dieser Zuwachs der Fälle aus der jüngeren Altersgruppe: 213 Kinder unter 14 Jahren wurden in Niederbayern im Jahr 2019 ihren Eltern entzogen – das sind 70 mehr als im Jahr zuvor.

Ein genauerer Blick auf die Zahlen zeigt, dass mehr Problemfälle in den Städten als auf dem flachen Land gegeben sind. In den mittleren und großen Städten der Region gab es auf 1.000 Einwohner gerechnet mehr vorläufige Schutzmaßnahmen als im ländlichen Ostbayern. Die Spitzenplätze belegen Regensburg, Passau, Straubing und Landshut. In Regensburg kommen auf 1.000 Einwohner 1,3 Inobhutnamen, für Passau weisen die Statistiker einem Fall auf 1.000 Einwohner aus. Der Durchschnittswert liegt indes bei 0,3 für Niederbayern beziehungsweise rund 0,4 für die Oberpfalz. Besonders gute Werte melden die Behörden in München: Mit 0,23 vorläufigen Schutzmaßnahmen lag die Landeshauptstadt deutlich unter dem bayernweiten Durchschnitt.

Lesen Sie im zweiten Teil des Artikels, was das zuständige Ministerium zu den Zahlen sagt und wie die Verantwortlichen die Auswirkungen des Lockdowns im Zuge der Corona-Maßnahmen einschätzen.

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