Schutzmaßnahmen für Kinder Ein Problem in allen gesellschaftlichen Schichten

Zu einer anderen Einschätzung kommt das zuständige Ministerium: Ein „signifikanter Anstieg“ der vorläufigen Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche sei in Niederbayern „nicht erkennbar“, teilt das Familienministerium auf Anfrage von idowa mit. Auch ein Gefälle zwischen städtischem und ländlichem Milieu ist nach Ansicht der Behörde nicht erkennbar, ebenso ist kein Zusammenhang mit sozialen Schichten gegeben: „Einschlägige Erkenntnisse, dass Migrationshintergrund oder sozialer Status eine besondere Rolle spielen, liegen nicht vor. Kindeswohlgefährdungen sind in allen gesellschaftlichen Schichten zu finden.“

Das Familienministerium war die einzige staatliche Stelle, die auf unsere Anfrage zu einer Stellungnahme bereit war. Die Regierung von Niederbayern und die Verwaltung des Bezirks verwiesen zuständigkeitshalber auf den jeweils anderen.

Auswirkungen des Lockdowns noch unklar

Wie sich die Statistik weiter fortschreiben wird, ist noch unklar. Auf die Frage, ob die zuständigen Ämter die Betreuung kritischer Fälle auch in des Lockdowns zur Verfügung stellen konnten, antwortet das Familienministerium: „Soweit zur Einschätzung einer Kindeswohlgefährdung ein Hausbesuch erforderlich ist, wird dieser, angepasst an die Erfordernisse des Infektionsschutzes, auch durchgeführt.“

Sozialverbände und Soziologen hatten in der Zeit des Lockdowns gewarnt, dass die Ausgangsbeschränkungen zahlreiche Familien überfordern könnten, für problembehaftete Familien auch zur Zerreißprobe werden könnte. Die bisher erhobenen Daten bestätigen das allerdings nicht – so zumindest die Sicht des Ministeriums: „Hinweise auf einen merklichen Anstieg an Gefährdungssituationen wurden bisher von der Fachpraxis nicht festgestellt“, schreibt die Pressestelle auf unsere Anfrage. Gleichwohl gelte es aufgrund der aktuellen Situation einzelne „Frühwarnsysteme und Präventionsmaßnahmen anzupassen, als auch für steigende Beratungs- und Unterstützungsbedarfe sowie mögliche steigende Interventionsbedarfe zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Gewalt vorbereitet zu sein.“

Als Schutzmaßnahme registrieren die zuständigen Jugendämter „die vorläufige Aufnahme und Unterbringung von Minderjährigen in einer Notsituation durch das Jugendamt“. Sie sollen eine schnelle Intervention zugunsten von Minderjährigen darstellen. Oder in den Worten des Ministeriums: „Besteht eine dringende Gefahr und kann die Entscheidung des Gerichts nicht abgewartet werden, so ist das Jugendamt verpflichtet, das Kind oder den Jugendlichen in Obhut zu nehmen.“ Ob die Jugendämter in Zukunft noch häufiger von dieser Ausnahmeregelung Gebrauch machen müssen, ist derzeit noch unklar.

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