Auftakt nach Maß für das Pfingst-Open-Air in Salching: Mit Wanda und Genetikk erwarteten das Publikum schon am ersten Tag zwei echte Kracher. Und obwohl es lange nach Regen aussah, spielte am Ende auch das Wetter mit. Die Bilanz des ersten Tages.

Wenn Kreidezeichen auf dem Bürgersteig den Weg zum Centro Benedetto weisen, hunderte Autos auf den Wiesen parken und bemalte, bunt bekleidete und fröhliche junge Menschen das Bild bestimmen, ist klar: Es ist wieder POA-Zeit in Salching! Einmal im Jahr versetzt das Pfingst-Open-Air die 2.500-Seelen-Gemeinde in einen positiven Ausnahmezustand. So viele Bands mit unterschiedlichsten Musikstilen findet man sonst wohl auf keinem anderen Festival.

Das haben die Veranstalter am Freitag auch gleich unter Beweis gestellt: Hier war wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Die Indie-Band Olympique etwa sorgte schon am Nachmittag für die erste große Überraschung auf der Main-Stage. Die drei Jungs aus Österreich haben noch nicht einmal ihr Debütalbum herausgebracht, dürfen aber bereits mit Awolnation auf Tour gehen. Das schürt natürlich hohe Erwartungen - die die Salzburger aber locker erfüllen konnten. Olympique ist sicher eine der Bands, von denen man in Zukunft noch häufiger hören wird. Es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass ein Auftritt beim POA den Durchbruch bedeutet. Wir erinnern uns: Auch der Rapper Cro, mittlerweile einer der bekanntesten Musiker der Nation, hat einst klein auf dem Pfingst-Open-Air angefangen.

Apropos Rap: Auch an die Liebhaber dieser meist etwas härteren Musikrichtung haben die Veranstalter gedacht und Karate Andi nach Niederbayern geholt. "Pennerrap" nennt der Berliner seinen Musikstil - wer ihm zuhörte wusste schnell, warum. Provokante Texte, harte Punchlines und Songs, die selten ohne "Deine Mutter"-Sprüche in unterschiedlichsten Varitonen auskommen: Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten, dem Publikum aber schien es zu gefallen. Und als der Rapper nach einem Song eine kurze "Saufpause" einlegte und Freibier an die Zuhörer verteilte, kannte die feiernde Menge ohnehin kein Halten mehr.

Gut so, denn im Anschluss stand eine der derzeit meist-gehypetesten Bands überhaupt auf der Bühne: Wanda. Fünf junge Wiener, die mit ihrer sympathischen Art und Nonchalance mal eben die gesamte deutsche Musikszene verzücken. Ihr Album Amore schlug ein wie eine Bombe, ging durch sämtliche Feuilletons und sorgte dafür, dass die Band schon jetzt mit Falco verglichen wird (ein Interview mit Gitarrist Manu lesen Sie hier). Nicht von ungefähr: Ihre Lieder sind im Grunde sehr melancholisch, werden aber so charmant, dass sie jedem Zuhörer ein Lächeln ins Gesicht zaubern. So war es nicht verwunderlich, dass schon bei ihrem ersten Lied viele Festival-Besucher anfingen, ausgelassen zu tanzen - und erst beim letzten Schlussakkord damit aufhörten.

Schluss war danach aber noch lange nicht, denn im Anschluss standen mit Genetikk die Headliner des ersten Tages auf dem Programm. Die Hip-Hop-Gruppe hat erst vor zwei Wochen ihr Album "Achter Tag" veröffentlicht, das mittlerweile Platz 1 der deutschen Charts belegt und als Rap-Meisterwerk gefeiert wird. Und das völlig zu Recht: Trotz ihres martialischen Auftretens (alle Bandmitglieder tragen Masken) sind ihre Texte intelligent, tiefgründig und kritisch. Bei einigen Songs kam sogar regelrecht Gänsehaut-Atmosphäre auf, etwa als Frontmann Karuzo die ersten Takte zu "Mal es in die Wolken" anstimmte und die riesige Zuschauermenge sich mit Feuerzeugen und Smartphones in ein Lichtermeer verwandelte. Und bei Songs wie "Mein Kung Fu" oder "Die Welt heilt" wurde es beinahe schon philosophisch. Straßenrap trifft nachdenkliche Texte - ein würdiger Abschluss für den ersten Tag des Festivals!

Und das Beste: Die Party geht weiter! Auch am Samstag und Sonntag stehen einige Highlights auf dem Spielplan - unter anderem das Bayern-Rap-Duo Dicht & Ergreifend, Blues Wunderknabe Jesper Munk und die Rocker von Jennifer Rostock. Wir sind gespannt!

Anmerkung der Redaktion:
Alle Berichte und Fotos vom diesjährigen Pfingst-Open-Air finden Sie auch auf unserer Sonderseite.