Wow. Mit diesem Wort ist der zweite Tag des Pfingst-Open-Air in Salching eigentlich schon exakt beschrieben. Trotz Dauerregen verbreiteten am Samstag Publikum und Bands gleichermaßen gute Laune. Und Jennifer Rostock sorgten mal eben für den (bisher) besten Auftritt des Festivals. Die Bilanz des zweiten Tages.

Eine junge Dame mit rosa Mütze und ein junger Mann mit einer Papp-Krone stoßen beim Getränke-Holen zusammen und kommen ins Gespräch. Stunden später sieht man sie immer noch gemeinsam vor der Bühne tanzen. Ein Jugendlicher mit Dreadlocks verliert im Eifer des Gefechts seine Schuhe - und macht einfach barfuß weiter. Der Sonnenbrillenverkäufer wippt im Takt zur Musik und verlässt schließlich seinen Stand, um bei einem Lied ganz vorne in der Menge mit dabei zu sein. Es sind Momente wie diese, die das Pfingst-Open-Air einzigartig machen. Und von ihnen gab es am zweiten Tag gleich eine ganze Menge.


Der Samstag ist traditionell der stärkste Tag des Festivals - und das dürfte auch heuer der Fall sein, immerhin hatten die Veranstalter mit Jennifer Rostock ein absolutes Highlight auf dem Programm. Schon am Nachmittag war das Gelände ebenso dicht bevölkert wie am Vorabend, und mit fortschreitender Uhrzeit kamen immer mehr Musikbegeisterte dazu. Das musikalische Spektrum: Wieder extrem abwechslungsreich. Den Anfang machten William's Orbit, eine Indie-Rockband aus Weiden. Ein Radiosender hat sie erst vor kurzem zur besten Nachwuchsband der Region gekürt, erste Fördergelder für ihr geplantes Album gab es auch schon und nun kam mit dem POA gleich die Chance auf einen Auftritt vor großem Publikum. Und die fünf Jungs haben sie genutzt.

Weiter ging's mit Blackout Problems. Die drei Wahl-Müncher lieferten einen aufregenden Stil-Mix mit folkigen und elektronischen Einflüssen und brachten die Zuhörer damit schon um 15.30 Uhr zum Stagediving. Den Schlusssong "The city won't sleep tonight" beendete Sänger Mario dann auf den Händen der Fans.

Anschließend folgte ein Stilwechsel, denn die nächsten drei Bands durften alle zum Genre Hip-Hop gezählt werden. Mit Liquid, einem Rapper aus Regensburg, bekam das Festival einen positiven regionalen Touch - teilweise ziemlich krachender Dialekt inklusive. Anschließend folgte Neonschwarz, eine Hip-Hop-Formation aus Hamburg. Mit intelligenten Texten und klaren Messages (der Song "2014" prangerte zum Beispiel die steigende Anzahl von Übergriffen auf Flüchtlingsunterkünfte an) traf das Quartett exakt den Geschmack des Publikums. Einziger Wermutstropfen (für den die Hamburger aber nichts können): Unmittelbar nach ihrem Auftritt begann es zu regnen. Und es hörte bis zum Abend nicht mehr auf.

Der Stimmung tat das zum Glück keinem Abbruch. Im Gegenteil: Man hatte fast das Gefühl, die Festivalbesucher würden bei Regen noch mehr tanzen als zuvor. Der nächste Act Kayef, ein erst 19 Jahre alter Rapper aus Düsseldorf, der vor allem über YouTube bekannt wurde, hatte leichtes Spiel: Seine dynamischen und kurzen Songs eigneten sich hervorragend zum Mitsingen - was die Zuschauer auch fleißig taten.

Derart aufgewärmt war das Publikum im Anschluss bereit für Moop Mama, eine Band, die nicht nur vom Musikstil sondern auch von der Größe her an Seeed erinnert. Zehn Mann standen während des Auftritts auf der Bühne, sieben Bläser, zwei Schlagzeuger, ein Sänger. Ihre Musik: Ein irrer Mix aus Brass und Hip-Hop, dem sich niemand entziehen kann und der deswegen perfekt geeignet für Festivals ist. Die Interaktion mit dem Publikum machte der Band sichtbar Spaß und nach über einer Stunde tanzbarer Musik par excellence hatte so mancher Zuschauer nicht nur Regen-, sondern auch Schweißtropfen im Gesicht.

Und dann: Bäm! Jennifer Rostock stürmten die Bühne und gaben mit einer riesigen Konfetti-Kanonade sofort die Richtung für die nächsten 75 Minuten vor. Besonders Frontfrau Jennifer Weist machte keine Gefangenen: Sie heizte das Publikum immer wieder an, brüllte wie besessen ins Mikrofon und hatte vor fast jedem Lied eine witzige Anekdote zu dessen Entstehung parat. Absolutes Highlight: Bei dem Song "Der Kapitän" holte sich Weist spontan zwei textsichere Mädchen aus dem Publikum und ließ sie für sich singen. Nun, zumindest eines. Das andere bekam vor lauter Lampenfieber keinen Ton heraus, sodass die Powerfrau doch selbst wieder zum Mikro greifen musste. Die Gunst des Publikums war ihr nach dieser Aktion sicher - anzügliche Witze, Striptease-Einlagen und Moshpits taten ihr Übriges dazu. Jennifer Rostock sind eben eine Live-Band, die wissen, wie man eine Show abliefert - da konnte man zwischenzeitlich sogar den Regen vergessen. Einziges Manko: Der Auftritt war trotz Zugabe irgendwann vorbei. Im Anschluss übernahm die Antilopen-Gang noch die Bühne, um die Nacht mit ihrem "revolutionsromantischen Rüpel-Rap" gebührend ausklingen zu lassen.

Das Wetter hätte besser sein können - die Stimmung nicht: Der zweite POA-Tag ist spektakulär zu Ende gegangen. Am Sonntag stehen aber nochmal einige Highlights auf dem Programm - unter anderem Jesper Munk, Megaloh und AnnenMayKantereit. Es bleibt spannend!

Anmerkung der Redaktion:
Alle Berichte und Fotos vom diesjährigen Pfingst-Open-Air finden Sie auch auf unserer Sonderseite.