Regensburg Gestatten: Jedi, das Zirkus-Nilpferd

Gefährliche Spezies, aber Nilpferdbulle "Jedi" vom Zirkus Voyage verkörpert 2,5 Tonnen Zärtlichkeit. Foto: Brun

Nilpferdbulle Jedi wurde vor gut zehn Jahren von Alois Spindler, Direktor vom derzeit in Regensburg gastierenden Zirkus Voyage, erworben. Sein voriges Herrchen musste sich von ihm trennen und den besten Kumpel des jetzt 45 Jahre alten Bullen, ein Nashorn namens Hulk, gabs dazu.

Für Zoochef und Großtier-Dompteur Spindler (Elefanten, Giraffen, Nilpferd) ist diese Tierkumpanei überhaupt nicht mit übertriebener Romantik besetzt. „Die sind halt aneinander gewöhnt, genau wie sie an ihre Halter gewöhnt sind. Ohne diesen Bezug gäbs einerseits Langeweile und andererseits kein Futter, so einfach ist das.“ Während Herr Spindler uns freundlicherweise Jedis Charakter und den erstaunlichen Grad seiner Zahmheit erklärt, ist der Koloss aus seinem Siestabecken gestiegen, hat die große Rampe, die aus dem gemeinsamen Schlafzelt der Dickhäuter aufs Freigelände führt, passiert und ist auf seinen Chef zugewalzt. Als Spindler in seinen Sack mit Pferdemüsli greift, bleibt Jedi stehen, reißt seinen Rachen auf, die Borsten daran vibrieren und die hauerartigen Eckzähne starren über 30 Zentimeter weit aus dem rosaroten Zahnfleisch hervor. Spindler wirft ein paar Hand voll von dem Gemisch aus Körnern und Flocken in das um 150 Grad aufgeklappte Riesenmaul und Jedi mammelt die Ladung rülpsend und schniefend herunter. Ja, Nilpferd- anstand funktioniert anders, als unserer.

Nilpferdanstand

Als die Sonne über dem Festplatz an der Bamberger Straße dem gutmütigen Mampfmonster auf die Schwarte brennt, läuft diese rötlich an. Aus sich langsam öffnenden Poren quillt ein Sekret, das schäumt, als die Hand des Besuchers darüberfährt. Glitschig. Wie Sonnenmilch. „Und genau diese Funktion hat das Sekret“, erklärt Spindler. Und Jedi sagt ein Nilpferdwort, das so ähnlich klingt wie „Mmmmrps’. Und lässt seine 2,5 Tonnen Zärtlichkeit einfach hinplumpsen. Direkt zwischen Dompteur und Gast. Dass Jedi im Falle des Zorns oder der Flucht 50 Kilometer schnell rennen könnte – man sieht es dem friedlich dösenden Koloss nicht an. Bevor seine wie kurzsichtig blinzelnden Augen für eine kurze Nilpferdsiesta zufallen, saugt er mit einem behaglichen Schlürflaut ein Pfund Pferdeflocken ein, die waren vorher runtergefallen.

„Überzeugt Euch selber, ob es den Tieren bei uns gut geht!“

Spindler kommt schon seit Jahren mit seinen Tiershows und jetzt mit dem gigantischen Wasserbecken nach Regensburg. Diesmal hatten Tierschutzorganisationen medienwirksam „Vorarbeit“ geleistet. Nur weil er seine Zeltstadt auf dem Privatgelände an der Donau aufbaute, und nicht auf städtischem Grund, konnte er Restriktionen vermeiden. Gegenüber Tierschutzorganisationen und Politiker, die gegen Zirkusleute agitieren, versucht Spindler, einen versöhnlichen Ton anzuschlagen, lädt sie zu öffentlichen Diskussionen und argumentiert: „Leute, überzeugt Euch selber. Macht Euch ein Bild darüber, ob es den Tieren bei uns gut geht!“ Spindler lebt mit seinen vierbeinigen Kollegen und lebt – wie er klarstellt – auch von ihnen und dem Interesse aller Generationen an Darbietungen, die durch Respekt, Vertrauen und ganz viel Belohnungsfutter erarbeitet werden.

„Das Vertrauen der Tiere, in uns, ihre Halter, entsteht durch unsere ständige Fürsorge für die Schutzbefohlenen. Und glauben Sie mir, wir verstehen uns als Tierhalter, die auch Gefühle für Tiere haben.“ Deshalb habe Spindler auch das Nashorn Hulk vor zehn Jahren dazu erworben, als er erkannt habe, dass Jedi und Hulk zusammengehören. „Und deshalb hat die ganze Familie getrauert, als Hulk vor Weihnachten mit 45 Nashornjahren auf dem Buckel starb.“ Seinem Nilpferdbullen Jedi merke er an, dass dieser seinen Kumpel vermisst. Jedi liegt derweil leise rötzelnd und ganz platt auf dem Bauch. Ab und zu zuckt ein Ohr, und ab und zu macht er ein Auge auf. Vor seinem elektroumzäunten Gatter befindet sich das von gewaltigen Eisengittern umfriedete Elefantenfreigehege. Ein großer Elefantenbulle hat sich von der stattlichen Herde seiner Art gelöst und rüsselt über den Zaun in Richtung Jedi. – Aber das wäre schon eine weitere Geschichte.

Das Gastspiel des Zirkus Voyage

Der Zirkus Voyage hat seine Zeltstadt mit Tierschau und Hüpfburgenland auf dem Festplatz an der Bamberger Straße 28 aufgeschlagen. Dort stehen sie seit dem 15. Juli und noch bis zum 31. Juli. Vorstellungszeiten: Montag und Dienstag: 16 Uhr, Mittwoch und Donnerstag: Ruhetage. Freitag und Samstag: 16 und 19.30 Uhr. Sonntag: 11 und 15 Uhr. Montag und Dienstag sind große Familientage.

 
 
 

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