Poetry Slam Pascal Simon aus Regensburg ist Vollzeit-Poet

Pascal Simon hat viele Talente, die er alle in seinem Soloprogramm zeigt. Foto: Markus Freitag

Pascal Simon aus Regensburg hat einen mutigen Schritt gewagt. Der 27-Jährige hat sein Studium abgebrochen und ist jetzt da, wo er hingehört: auf der Bühne.

Slammer, Stand-up-Comedian, Moderator, Schauspieler, Autor, Verleger, Veranstaltungsorganisator – die Liste von Pascal Simons Aufgaben ist lang. Wer den 27-Jährigen kennenlernt, fragt sich, wie er für all das Zeit findet. Er lacht und erklärt: „Ich mache das hauptberuflich, so einfach ist das. Wenn man überlegt, wie viel Zeit man in einem Vollzeitjob verbringt, kommt da viel Zeit zusammen, die ich für all das aufwenden kann.“

Das Interview findet im Foyer des Theaters an der Universität Regensburg statt. Schon etliche Male stand Pascal hier auf der Bühne. Er hat in dem Theater das Schauspielen für sich entdeckt und hier auch schon mehrmals sein „Showzimmer“ veranstaltet, eine Kleinkunst-Show, die er mittlerweile nicht mehr alleine organisiert, weil ihm dafür die Zeit fehlt. „Das Studentenwerk hat das zum Großteil übernommen. Ich mache nur noch das Booking der Künstler und die Moderation“, erklärt er. Vor Kurzem stand er im Uni-Theater auch mit seinem ersten Soloprogramm auf der Bühne, das eine Mischung aus all dem ist, was er kann.

Aller Anfang: Poetry Slam

Angefangen hat Pascals Leidenschaft für die Bühne mit Poetry Slam. Kurz vor seinem 18. Geburtstag tritt er das erste Mal bei einem solchen Dichterwettstreit an, damals in Ingolstadt, seiner Heimat. „Das hat mich irgendwie angefixt“, sagt Pascal. Von da an kommen immer mehr Auftritte an anderen Orten hinzu. Eichstätt, Weißenburg, München – sein Hobby verselbstständigt sich. „Man lernt viele Leute in der Slam-Szene kennen, die einen dann woandershin einladen. Auf einmal stand ich oft zweimal die Woche auf einer Slam-Bühne“, erinnert sich der 27-Jährige.

Geld fürs Slammen

Auch während seines freiwilligen Wehrdienstes in München und während seines Studiums für Mündliche Kommunikation und Sprecherziehung an der Uni Regensburg sind Poetry Slams nicht aus seinem Leben wegzudenken. Irgendwann wird er für seine Auftritte bezahlt. „Mein Hobby wurde zum Nebenjob, der mir durchs Studium geholfen hat“, sagt er. Im Studium entdeckt Pascal schließlich das Schauspielen. Eine Freundin nimmt ihn zu einer Uni-Theatergruppe mit. Dort findet er vor allem Gefallen an dem, was sich hinter den Kulissen abspielt. „Da entwickelt sich eine besondere Gruppendynamik, wenn man für den Auftritt eine Woche lang ins Theater einzieht. Das ist sehr inspirierend“, betont er. Auch als Veranstaltungsorganisator und Moderator betritt Pascal in dieser Zeit zum ersten Mal die Bühne. Er lädt zum Slam in Pfaffenhofen ein, denn: „Viele Slammer haben einen eigenen Slam. So einen wollte ich auch“, sagt er.

Mit der Zeit kommen weitere Veranstaltungen hinzu: Lesebühnen, das „Showzimmer“, noch mehr Slams – für Pascal Möglichkeiten, auch ohne Studienabschluss Geld fürs Leben zu verdienen. „Ich habe mich gefragt: Warum da noch weitermachen?“, sagt der 27-Jährige. Deshalb bricht er 2016 nach fünf Semestern ab.

Das Studium war zu abstrakt

Blickt er heute auf diese Entscheidung zurück, bereut er sie nicht. Im Gegenteil: „Das Studieren war nichts für mich. Das war so abstrakt, so ohne Ziel. Und ich kam mit der Bürokratie nicht klar. Bei den anderen Sachen, die ich mache, war immer klar, warum ich das mache.“ Trotzdem nimmt er vieles aus seinem Studium mit: „Ich habe gelernt, wie ich verständlich und deutlich spreche, auch wie ich spontan und schlagfertig reagiere. Das hilft mir auf der Bühne weiter.“

Pascals Slam-Texte lassen sich nicht in eine Schublade stecken, wie er verrät: „Ich habe keinen konkreten Stil. Meine Texte sind sehr abwechslungsreich. Sie sind witzig, aber auch nachdenklich, emotional und verkopft.“ Der 27-Jährige experimentiert viel und kombiniert auch mal Genres und Gattungen, die eigentlich überhaupt nicht zusammenpassen. Das gelinge ihm mal mehr, mal weniger. „Viele meiner Texte gehen auch in Richtung Stand-up-Comedy“, fügt er hinzu. „Hauptsache sie heben sich ab.“ Das ist Pascal wichtig. Der Slammer möchte herausstechen, sich vom typischen Slam-Schema abheben. „Leider gibt es immer mehr Poeten, die Texte so schreiben, wie sie der Masse gefallen. Deshalb sind viele Texte gleich“, sagt er.

Typisch seien laut Pascal lyrische Texte, die auswendig vorgetragen werden, eine Metapher aufbauen, eine Geschichte durchspielen und am Ende auf eine Moral hinauslaufen. „Dann gibt es da noch die emotionalen Erpressertexte, bei denen sich die Leute zum Applaus genötigt fühlen, weil sie sonst ein schlechtes Gewissen hätten“, sagt er. Auch Julia Engelmann, die wohl bekannteste Slammerin Deutschlands, schreibe ihre Texte immer nach dem gleichen Schema. „Sie sind immer die gleiche belanglose Selbstbeweihräucherung“, findet Pascal.

Poetry Slam als Sprungbrett

Ob er sich vorstellen kann, mit Poetry Slam irgendwann aufzuhören? Viele nutzen das Format als Sprungbrett, Hazel Brugger zum Beispiel oder Luke Mockridge. Pascal verneint: „Ich werd‘ es wahrscheinlich nie sein lassen, weil ich Slams sehr schön finde.“ Vor allem seinen Slam in Pfaffenhofen wird er nicht einstampfen, denn es liegt ihm am Herzen, dass es dort eine Möglichkeit zum Auftreten gibt.

Das Interview ist vorbei. Pascal bleibt noch an der Regensburger Uni. Er möchte auf dem Campus Plakate für seine nächste Veranstaltung aufhängen. „Die gestalte ich übrigens selbst. Deshalb bin ich manchmal auch Grafiker“, sagt er und lacht. Noch eine seiner vielen Aufgaben.

Eigentlich wäre Pascal Simon als Feature-Poet beim Poetry Slam "Freischnauze" am Samstag, 28. März, in Straubing aufgetreten. Der Dichterwettstreit vom Jugendzentrum Straubing und der Jugendredaktion Freistunde wurde allerdings angesichts der aktuellen Lage zum Corona-Virus in den Dezember verschoben. Mehr Infos dazu gibt es hier.

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