Nur noch drei Tage bis zum Pfingst Open Air! Dann heißt es 72 Stunden lang feiern und richtig gute Musik mit Freunden unter freiem Himmel genießen. Endlich wieder unter selbst aufgebauten Pavillons zusammensitzen, Fünfminuten-Terrinen essen, den ganzen Tag in Gummistiefeln und die Nacht im Schlafsack verbringen. Die Festivalbesucher werden wie bei jeder Open Air Veranstaltung drei Tage lang dem bayerischen Wetter ausgesetzt sein. Hier ein paar Tipps, damit das Festival nicht in den Schlamm fällt.


Wenn man morgens von der klitschnassen Seitenwand des Zeltes geweckt wurde, der Gang zur Dusche eh sinnlos war, da man schon Schwimmhäute zwischen den Fingern hatte, dann hieß es erst einmal Füße "tapen". Das heißt: Socken anziehen, Mülltüte über den Fuß, oben mit Klebeband abbinden und damit rein in die Gummistiefel, die schon Risse hatten. So blieben die Füße zumindest trocken, was in diesem Fall leider noch lange nicht warm heißt. Während sich alles andere dem Dauerregen ergab, waren Mülltüten multifunktional einsetzbar: als Ersatz für die verschlammte Regenjacke, als Verpackung für die Schlafsäcke (falls das Zelt einreißt), als Flickmaterial für das Zelt selbst oder als Seitenwindschutz für einen Pavillon.

Es war 2010 auf einem Festival am Bodensee als sich eine neue Währungsreform vollzog. Die Währung hieß: Mülltüten - möglichst groß und möglichst stabil. Wer sie besaß konnte sich glücklich schätzen und dafür Terrinen, Kissen, Nutella-Gläser und andere Luxusartikel bekommen. Der Grund: Es hatte Tage vor dem Festival wie aus Kübeln geschüttet und auch zu Festivalbeginn war kein Ende in Sicht. Als am zweiten Tag die meisten Regenjacken und Gummistiefel Risse bekamen, Zelte dem Druck des Regenwassers nicht mehr standhielten und auch wirklich der letzte Schirm zerfetzt auf dem Boden lag, gab es nur eine Lösung, und die hieß Mülltüten.
 

Doch auf Festivals schüttet es nicht nur. Wer schon einmal acht Stunden in der Sonne auf seine Lieblingsband gewartet hat, der weiß, dass eine Sonnencreme, die man normal nur zum Skifahren im Hochgebirge hernehmen würde, auch auf Festivals durchaus nicht unangebracht ist. Und die Erkenntnis, dass Gewitter und Windböen nicht nur die Frisur sondern auch das Zelt und den Pavillon ruinieren können, sollte im besten Fall dazu führen, dass wirklich genügend Zeltheringe mitgenommen und eigentlich nur Experten beim Aufbauen zugelassen werden.

Hier ein noch ein paar Tipps: Der beste Freund der Mülltüte ist das Industrie-Klebetape, mit dem man auch wirklich alles zusammenbinden kann und das (im Normalfall) auch immer hält. Solche Tapes gibt es in Baumärkten, in denen man auch unbedingt seine Gummistiefel kaufen sollte. Diese sind nämlich am widerstandsfähigsten gegen in-den-Boden-eingetretene-Raviolidosen und umgedrehte Zeltheringe. Wenn die Wetterprognosen eher düster aussehen schaden auch keine Maler- oder Gewebeplanen, die - siehe Mülltüten - multifunktional eingesetzt werden und ganze Zelte vor dem Ertrinken retten können.

Für das abendliche Grillen und Zusammensitzen am besten einen Pavillon ausleihen oder kaufen, diese schützen vor Regen und Kälte. Vermutlich gab es schon zu Woodstock-Zeiten nichts Schöneres als drei Tage lang Musik auf die Ohren zu bekommen. Damit danach aber im Ohr nichts piept oder saust, unbedingt Ohrstöpsel mitnehmen.

Das beruhigende für alle Festivalfahrer zum Schluss: Wenn es am Wochenende mal ein bisschen regnen sollte und dabei das ein oder andere Zelt nass wird, dann haben alle Straubinger und Landkreisler den Luxus kurz nach Hause zu fahren, warm zu duschen und trockene Sache anzuziehen. Und für alle anderen gilt, was ein sehr weiser und erfahrener Festivalfahrer einmal voller Vorfreude gesagt hat: "Schlamm. Endlich wieder Schlamm!"