Ostbayern Feuerwehreinsatz: Nur noch mit Polizei?

Die Feuerwehr-Gewerkschaft fordert mehr Polizeischutz für Einsatzkräfte (Symbolbild). Foto: Patrick Seeger/dpa

Feuerwehrkräfte werden immer häufiger im Einsatz attackiert. Vergangene Woche hat die Feuerwehr-Gewerkschaft Alarm geschlagen und mehr Polizeischutz für Einsatzkräfte an Silvester gefordert. Ob in den Städten Straubing, Landshut und Regensburg auf die Forderung eingegangen werden soll, erklären uns Vertreter von Feuerwehr und Polizei aus der Region.

Die Gewalt nehme drastisch zu, sagt Siegfried Maier, stellvertretender Bundesvorsitzender und Bayern-Chef der Feuerwehr-Gewerkschaft, im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Und weiter: „Immer mehr Kollegen haben Schwierigkeiten, weil sie im Einsatz bedroht werden. Wir haben Angst, dass das noch schlimmer wird.“

Vor allem bei Massen-Events, zum Beispiel an Silvester, kam es in der Vergangenheit immer wieder zu unschönen Szenen. Ein Beispiel aus Dortmund. „Ein Feuerwehrmann, der die Pumpe bediente, um seine Kollegen in einem brennenden Haus mit Wasser zu versorgen, sei so heftig mit Raketen beschossen worden, dass er unter dem Feuerwehrwagen Schutz suchen musste. Für die Kollegen, die versuchten, das Feuer zu löschen, und plötzlich kein Wasser mehr hatten, bedeutete das Lebensgefahr“, sagt Maier.

Silvester ist ein anstrengender Tag

Die Probleme an Silvester, beispielsweise wenn es um das Durchkommen auf großen Plätzen geht, bestätigen auch Gesprächspartner aus der Region. Es sind viele Menschen unterwegs, trinken Alkohol und feiern ausgelassen. „Silvester ist sicher einer der anstrengendsten Dienste im Jahr. An dem Tag ist der Respekt vor Hilfskräften teilweise geringer“, sagt Johannes Buchhauser, Amtsleiter für Brand- und Katastrophenschutz von der Feuerwehr Regensburg. Trotzdem fordere er nicht bei jedem Einsatz Polizeischutz. Der Aussage schließen sich die Feuerwehren aus Landshut und Straubing an. „Bei Einsätzen an abgelegenen Orten, zum Beispiel bei Abseits stehenden Papiercontainern, die an Silvester gerne brennen, ist das auch nicht nötig. Handelt es sich um Einsätze in der Innenstadt und in Bereichen mit großer Personenansammlung, war bisher immer die Polizei mit dabei. Das wird auch heuer wieder so sein“, sagt Dominik Zehatschek, Pressesprecher der Feuerwehr Landshut. Stephan Bachl, Stadtbrandrat von der Feuerwehr Straubing sagt: „Die Polizei ist bei Alarmen zu 90 Prozent dabei. Ist die Polizei nicht vor Ort und wird sie dann doch gebraucht, wird sie sofort alarmiert und schreitet ein.“

2017 gab es nach Angaben des Bayerischen Landeskriminalamtes 88 Fälle von Gewalt gegenüber Feuerwehrkräften. Im Vergleich zu 2016 mit 93 Fällen bedeutet das einen Rückgang. Auch in Relation zu allen Feuerwehr-Einsätzen 2017, insgesamt 223.000, ist die Zahl niedrig. „Ein dauerhafter, unmittelbarer Schutz von Feuerwehrkräften bei jedem Einsatz wäre nicht gerechtfertigt“, sagt Günther Tomaschko, Pressesprecher vom Polizeipräsidium Niederbayern. Das sehen auch die befragten Feuerwehren so.

Respekt gegenüber Einsatzkräften sinkt spürbar

Handgreifliche Attacken auf Feuerwehrkräfte sind ihnen in Straubing, Landshut und Regensburg aktuell nicht bekannt. Spürbar ist allerdings der sinkende Respekt der Bürger bei Anweisungen durch Einsatzkräfte. „Immer wieder haben wir es mit verbalen Attacken in Form von Beleidigungen zu tun. Man merkt seit einigen Jahren, dass die Gesellschaft immer mehr verroht“, äußert Bachl.

Die mutmaßlich am meisten gefährdete Gruppe unter den Einsatzkräften ist aber gar nicht die Feuerwehr, sondern der Rettungsdienst. „Ein Löschzug mit 21 Mann ist nicht so leicht angreifbar wie ein Rettungsdienst, der aus zwei Personen besteht“, sagt Bachl. Für 2018 meldete das Bayerische Rote Kreuz Mitte November 86 Fälle von Attacken auf Helfer. Bei den Attacken handelte es sich um Beleidigungen, Anspucken, Schläge, Tritte und Waffengewalt. Die Zahl dürfte aber deutlich höher sein, weil nur 30 von 73 Kreisverbänden überhaupt Meldungen abgegeben haben.

Gesetzeslage verschärft

In Niederbayern und der Oberpfalz funktioniere die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehren und Rettungskräften sehr gut. „Kritik wegen mangelnder Unterstützung durch die Polizei ist dabei noch nie geäußert worden“, sagt Tomaschko. Im Vorfeld eines Einsatzes gebe es Gefährdungshinweise. Sofern eine Gefährdung besteht oder es zu Übergriffen kommt, reagiert die Polizei schnellstmöglich. Bei größeren Einsatzlagen wie dem Gäubodenvolkfest in Straubing, der Landshuter Hochzeit oder an Silvester, erhöht die Polizei von vornherein ihre Präsenz.

Zur Unterstützung der Einsatzkräfte wurde zuletzt die Gesetzeslage geändert. Seit Mai 2017 ist eine Strafverschärfung in Kraft getreten. Tätliche Angriffe auf Einsatzkräfte werden mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahre geahndet. Zudem wurde der Straftatbestand der Behinderung von hilfeleistenden Personen eingeführt. Bleibt zu hoffen, dass die strafrechtlichen Möglichkeiten nicht allzu oft ausgereizt werden müssen.

 
 

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