Museen Zauberwelt Wirtshaus: Ausstellung in Regensburg eröffnet

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern. Foto: Armin Weigel/dpa

Die Konkurrenz für Gasthäuser ist groß: Fast-Food-Ketten, Catering und Szenebars haben sich ausgebreitet. Verordnungen, Personalmangel und Landflucht machen es Wirten zusätzlich schwer. Eine Ausstellung in Regensburg beleuchtet den Wandel bayerischer Wirtshauskultur.

Gemütlichkeit, Bier und Stammtisch-Brüder prägen die Wirtshauskultur ebenso wie schwierige Arbeitsbedingungen, Bürokratie und sich wandelnde Essgewohnheiten. Die Ausstellung "Wirtshaussterben? Wirtshausleben!" im Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg befasst sich mit Traditionen und Wandel der Branche. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete das Wirtshaus als emotionale Sache. Dort kämen Menschen zusammen - von der Taufe, über Hochzeiten und den Leichenschmaus bis hin zum Public Viewing. Für Touristen aus aller Welt sei die Wirtshauskultur ein Grund, nach Bayern zu reisen, so Söder bei der Eröffnung am Freitag.

Museumsdirektor Richard Loibl sagte in Anlehnung an ein Zitat von Kabarettist Gerhard Polt, das Wirtshaus sei eine "Zauberwelt". Diese sei unter anderem durch Weltausstellungen berühmt geworden. "Bayerisches Bier ergoss sich in die Welt." 1912 habe in Bayern der Pro-Kopf-Verbrauch bei Bier 270 Liter betragen. Wegen der Bier- und Wirtshauskultur seien die Menschen nach München gekommen. "Bis der Erste Weltkrieg die Lust am Massenbesäufnis verdarb." Später hätten Umgehungsstraßen und Gewerbegebiete die Dörfer leerer werden und Wirtshäuser sterben lassen.

Söder und Loibl schwelgten in Wirtshaus-Nostalgie. Schafkopfen, Kegeln, Flipper und die Musicbox mit dem Song "Griechischer Wein" gehörten ebenso zur Wirtshauskultur wie Schützen, Fußballer und Motorrad-Clubs, sagte Loibl. "Ein Eimer kaltes Wasser und ein Nudelholz standen zur Konfliktlösung bereit." Eine gute Wirtin sei Psychologin und Lebensberaterin zugleich gewesen.

Söder erinnerte an seine Kindheit, als er gerne das Gasthaus seiner Tante im Landkreis Fürth besucht habe. Die Speisekammer sei für ihn damals ein Sehnsuchtsort gewesen, und vor den Männern am Stammtisch habe er Respekt gehabt. Und - ganz der Landesvater - sagte er: "Dass Bayern so erfolgreich ist, liegt an den wunderschönen Bergen, an der reichen Kultur, aber auch an der Qualität der Gasthäuser."

Die Ausstellung blickt auf die historischen Anfänge der Gastronomie in Bayern mit römischen Tavernen vor rund 1800 Jahren, in denen es Essen und Trinken, Glücksspiel, Gewalt und Prostitution gegeben habe. Erste Wirtshäuser ließen sich seit dem 11. Jahrhundert im Freistaat nachweisen. Seit den 1960er Jahren geht insbesondere auf dem Land die Zahl der Schankwirtschaften zurück. Zu den Gründen gehören den Ausstellungsmachern nach fehlendes Fachpersonal, Konkurrenz durch Imbissketten, schärfere Vorschriften, Mobilität auf dem Land und geändertes Freizeitverhalten.

Zu sehen ist die Ausstellung im Museum der Bayerischen Geschichte am Donaumarkt in Regensburg bis 11. Dezember, dienstags bis sonntags von 9.00 bis 18.00 Uhr.

Dieser Artikel ist Teil eines automatisierten Angebots der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er wird von der idowa-Redaktion nicht bearbeitet oder geprüft.

 
 
 

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