Nieselregen fällt vom Himmel. Der Boden ist leicht matschig. Gleich tritt die Band Jennifer Rostock auf dem Pfingst-Open-Air in Salching auf. Unzählige Festivalbesucher - fast alle in Regenjacke oder mit Regencape - drängen sich zusammen. Ich befinde mich mitten darunter und stehe vorne an der Absperrung. Sängerin Jennifer Weist und ihre Jungs sind meine Lieblingsmusiker. Aber nicht ihr Auftritt ist an diesem Samstag mein Highlight. Für mich noch viel besser: Ich durfte Frontfrau Jennifer, Bassist Christoph und Keyboarder Joe zum Interview treffen.

Für das Treffen mit meiner Lieblingsband habe ich mir etwas Besonderes einfallen lassen: Ich frage die Drei nicht einfach nur aus. Ich spiele Flaschendrehen mit ihnen. Als ich ihnen davon erzähle, müssen sie lachen. "Mit oder ohne Knutschen?", fragt Christoph. Ohne! Denn bei dieser Version von Flaschendrehen gibt es nur Wahrheit und keine Pflicht.

Aber wer sind Jennifer Rostock überhaupt? Die Band gibt es seit 2007. Sie haben bereits vier Studioalben veröffentlicht. Ihr letztes trägt den Titel "Schlaflos" und ist im Januar 2014 erschienen. Im Dezember hat die Gruppe ein eigenes Plattenlabel gegründet und darüber eine EP, also ein kleines Album mit vier Songs, herausgebracht. Besonders macht die fünfköpfige Band, dass sie sich keiner Musikrichtung zuordnen lässt.

Bevor wir die Flasche das erste Mal drehen, unterhalten wir uns kurz über das Pfingst-Open-Air. Bassist Christoph hat sich auf dem Festival umgesehen und festgestellt: "Die Leute sehen ziemlich fertig aus." Ansonsten sei es hier sehr laut, fügt Jennifer hinzu.

Auf Festivals spielen die Musiker gerne. Dabei ist es ihnen egal, ob sie auf kleinen oder großen Festivals auftreten. "Wichtig ist, was vom Publikum zurückkommt. Wenn die Leute Spaß haben und uns das zeigen, ist es auch ein geiles Festival", erklärt Sängerin Jennifer.

Zeit fürs Flaschendrehen! Bevor es losgeht, teilt Bassist Christoph mit: "Wir haben aber keine Geheimnisse mehr voreinander." Somit stelle ich alle Fragen selbst.


Ich drehe die Plastikflasche. Sie zeigt auf Christoph. Die Frage: Was ist das Peinlichste, das dir auf einem eurer Konzerte passiert ist?


Christoph: Ich bin mal in Münster auf einem Konzert auf einer Bierlache ausgerutscht und aufs Kinn gefallen. Dabei ist mein Kinn ein bisschen aufgeplatzt. Aber ich hab' das Konzert wie ein Ritter bis zum Ende gespielt - mit einem weißen T-Shirt. Da war dann alles voller Blut. Danach sind wir direkt ins Krankenhaus gefahren. Ich musste ja genäht werden. Dort wurde ich von einem ganz schön heißen Arzt behandelt. Das muss sogar ich zugeben. (Jennifer lacht) Dann hab' ich ein Bild gepostet, wie ich da mit dem Arzt bin, weil ich mir gedacht habe, dass ich so etwas Mitleid erhaschen kann. Aber alle nur so: Boah, ist der Arzt heiß!
Jennifer: Aber eigentlich war's nicht peinlich. Ich bin ja auch schon mal auf der Bühne hingeflogen.

Christoph packt die Flasche und dreht sie weiter zu Joe. "Ich würde ganz gerne wissen, was dein peinlichstes Bühnen-Erlebnis ist", ruft er dabei.

Joe: Das Gute ist: Ich kann mich nicht erinnern (alle lachen).

Wir lassen die Flasche erneut kreisen. Jennifer ist an der Reihe. Die Frage: Wie war dein erster Kuss?

Jennifer: Oh Gott! Das liegt schon echt lange zurück. Ich glaube, da war ich zwölf Jahre alt. Ich war bei meiner Oma in Thüringen. Da saß ich auf einem Gullydeckel und hab' mit einem 16-Jährigen rumgemacht.

Die Sängerin dreht die Flasche. "Nächste Frage an Christoph", ruft sie und deutet auf ihn. Sie lautet: Was hast du letzte Nacht geträumt?


Christoph: Wir waren auf einem Dorffest, auf dem irgendeine Band gespielt hat und einen Soundcheck gemacht hat. Das waren so alte Männer, die auf einer Bühne standen, vor der niemand war.

Wir drehen die Flasche. Jennifer greift ein und bringt sie vor Joe zum stehen. Die Frage: Gibt es ein Lied von euch, das du nicht leiden kannst?


Joe: Das müssen wir anders formulieren. Es gibt Songs, die ich heutzutage anders machen würde. Ganz weit vorne dabei wären "Du willst mir an die Wäsche" und "Oh, Cowboy".
Jennifer: Aber "Mein Parfüm" findest du ok, oder was?
Joe: Naja, generell über das zweite Album könnte man nochmal gehen. (Jennifer lacht) "Du willst mir an die Wäsche" war ursprünglich eigentlich als Punk-Song geplant, aber durch eine Aneinanderreihung von verschiedenen Zufällen wurde am Ende eine Kaugummi-Pop-Nummer draus.

Als Nächstes muss Bassist Christoph wieder eine Frage beantworten: Was wolltest du euren Fans schon immer mal sagen?

Christoph: Gute Frage...
Jennifer: Ich finde ja, dass wir unseren Fans schon sehr viel sagen. Wir machen ja Facebook selbst, Instagram selbst. Alles, was so über uns irgendwo geschrieben steht, formuliert Christoph. Der hat nämlich den Jennifer-Rostock-Humor. Ich finde, das ist eine Sache, die bei uns ziemlich gut funktioniert. Alle anderen Sachen nicht so, aber das schon (alle lachen). Außerdem ist es megageil, dass super viele Leute schon von Anfang an dabei sind und mit uns gewachsen sind und trotzdem da geblieben sind.

Wir geben der Flasche ein letztes Mal Schwung. Sie deutet auf Christoph, als sie zum Stehen kommt. Die Frage: Angenommen, euer Tourbus brennt und du könntest nur eine Person aus dem Bus retten. Wen würdest du mitnehmen?

Christoph: Meinen Laptop!
Jennifer: Du Arschloch! (alle lachen) Unser Tourbus hat wirklich schon mal gebrannt. Wir hatten da einen Kabelbrand und der Baku (Anmerkung der Redaktion: Baku ist der Schlagzeuger der Band) hat da noch drin geschlafen. Die mussten alle ganz schnell evakuiert werden. Wir hatten an dem Wochenende schlechtes Karma.
Christoph: Kurz darauf haben wir mit dem Bus nämlich noch eine Winkekatze überfahren.
Jennifer: Bei uns sind nämlich Winkekatzen verboten. Das ist für uns kein Glücksbringer. So ein Ding bewirkt bei uns das Gegenteil.

Am Ende unterhalten wir uns noch kurz darüber, ob Jennifer Rostock demnächst wieder neue Lieder in Planung haben. "Ja, auf jeden Fall", sagt Jennifer. Ob die Sängerin mit ihren Jungs die Platte aber wieder in den USA aufnimmt, steht noch nicht fest. "Es wird auf jeden Fall geil", sind sich alle einig.