Merkblatt des Innenministeriums Welche Last können Dächer tragen?

Jeder Hausbesitzer sollte die Gegebenheiten seines Daches kennen, um bei starkem Schneefall notfalls eingreifen zu können. Foto: Armin Weigel, dpa

Feuerwehr, THW und freiwillige Helfer sind zur Zeit allerorten im Einsatz um nach den starken Schneefällen der letzten Wochen Hausdächer von der Last zu befreien. Doch welche Schneelast wird einem Dach zuviel? Ab wann wird es kritisch? Das Bayerische Staatsministerium des Inneren hat ein Merkblatt herausgegeben, das Hausbesitzern wertvolle Tipps an die Hand gibt.

Der Blick nach oben auf das verschneite Dach reicht bei Weitem nicht aus, um die Gefahr durch Schnee abschätzen zu können. Auf der sicheren Seite sind kühle Rechner. Im Standsicherheitsnachweises eines Gebäudes ist genau angegeben, welcher Druck auf einem Dach lasten kann, bevor es gefährlich wird. Also gilt es, in den Unterlagen nachzusehen, wo die Werte beim eigenen Haus liegen. Die sind unter anderem von der Dachneigung abhängig. Wer die Unterlagen nicht zur Hand hat, kann auch bei der Bauaufsichtsbehörde (meist das Landratsamt) oder bei einem örtlichen Ingenieur- oder Architekturbüro nachfragen.

Die Schneelast wird nicht in Kilogramm angegeben, also nicht als Gewicht, sondern in Kilo-Newton, also als Druck, der infolge des Gewichts auf einer bestimmten Fläche lastet. Während eine Portion Pulverschnee oft nur mit einem Gewicht von etwa zehn Kilogramm auf einem Quadratmeter Dachfläche lastet, kann Nassschnee auch das Vierfache wiegen, Eis sogar bis zum Neunfachen.

Wer die Schneelast auf seinem Dach feststellen möchte, der kommt um eine Probe nicht herum. Das Bayerische Staatsministerium des Innern rät in seinen Ausführungen, ein Rohr (zum Beispiel ein genügend langes Ofenrohr) mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern zu nehmen und ein rundes Stück Schnee von Dach herauszustechen. Klappt das nicht, so kann dies auf eine Eisschicht hindeuten.

Ein solches Rohr entnimmt Schnee von einer Fläche von ungefähr 79 Quadratzentimeter. Wer diesen Kern wiegt, der kann aus dem Gewicht des Schnees, geteilt durch die 0,0079 Quadratmeter, den Druck auf einem Quadratmeter errechnen. Wiegt zum Beispiel der herausgestochene Schneezylinder zwei Kilogramm und wird durch die Fläche des Bohrkerns geteilt, errechnet sich hier eine Schneelast von 2,55 Kilo-Newton, dies entspricht 25,5 Kilogramm Schnee auf einem Quadratmeter Dachfläche.

Doch Achtung: Auch die Dachneigung hat einen Einfluss auf die Tragkraft eines Daches. Zwischen einer Neigung von 0 Grad (Flachdach) und 60 Grad (Steildach) wird - gemäß einer Berechnung des Staatsministeriums - ein Korrekturfaktor zwischen eins und zwei eingefügt, mit dem der Druck, in unserem Fall 2,55-Kilo-Newton, multipliziert wird. Es gilt: Je steiler das Dach, desto größer der Faktor, desto mehr Gewicht lastet auf dem Dach.

Und wenn die errechneten Werte alarmierend sind, beziehungsweise neuer Schneefall droht, der die Schneelast auf dem Dach über einen zulässigen Wert klettern lässt? Dann muss das Dach vom Schnee geräumt werden. Zu beachten ist, dass ein Mensch mit Schneeschaufel auf dem Dach zusätzliches Gewicht bedeutet. Auch darf auf keinen Fall die Sicherung des Räumers, gerade auf geneigten Dächern, außer Acht gelassen werden. Dachaufbauten und Dachfenster sollten vorher auf einem Plan überprüft werden. Außerdem sollte das Dach nicht von einer Seite zur anderen geräumt werden, sondern immer von den Seiten gleichmäßig nach innen. Ansonsten kann es zu einer gefährlichen Verlagerung des Gewichtes kommen.

Wenn der Schnee im Frühjahr geschmolzen ist, dann ist es Zeit das Dach nach einem strengen Winter auf Schäden zu überprüfen. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte auch im Herbst, bevor der erste Schneefall einsetzt, nochmals einen kritischen Blick auf das Dach werfen, ob es für den kommenden Winter noch gerüstet ist.

 

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