Mehr als Kopfschmerz Professor rät, wie man Migräneanfall vorbeugen kann

Migräne ist eine oft unterschätzte Volkskrankheit Foto: Andrea Warnecke/dpa

Prof. Tobias Freilinger ist Chefarzt der Neurologie am Klinikum in Passau und Spezialist für Migräne. Er ist der Meinung: "Migräne ist nicht nur ein harmloser Kopfschmerz".

Der Professor betont, dass die Migräne eine erhebliche genetische Komponente hat, welche eine entsprechende Veranlagung oder Disposition begründet. "Aus großangelegten Forschungsarbeiten wissen wir: es gibt eine Vielzahl häufiger genetischer Risikofaktoren, welche die Wahrscheinlichkeit, an einer Migräne zu erkranken, erhöhen."

Doch was genau löst aus ärztlicher Sicht einen Migräneanfall aus? Hierauf antwortet der Professor direkt: "Natürlich gibt es häufige Trigger, die man versuchen kann zu identifizieren und zu eliminieren. Aber wir erleben oft auch, dass die Suche nach Triggern die Betroffenen stark unter Druck setzen und stressen kann. Das ist dann natürlich kontraproduktiv. Es geht also um die gesunde Mitte." Jedoch gibt es laut Freilinger auch offensichtliche Trigger: Stress oder auch nachlassender Stress wie etwa am Wochenende oder im Urlaub, Schlafmangel, zu geringe Flüssigkeitszufuhr und diverse Nahrungsmittel.

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Wenn es um die Behandlung einer Migräne geht, stehen die Analyse des Krankheitsbildes und die Erhebung der Krankengeschichte für Freilinger an erster Stelle. Dabei achtet er auf bestimmte Eigenschaften der Attacken und orientiert sich an festgelegten Kriterien der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft. Auf dieser Basis kommt es anschließend zur Behandlung.

Diese gliedert sich in zwei Bereiche: die Therapie akuter Attacken und die vorbeugende Behandlung. Zur Akuttherapie können bei leichten bis mittelstarken Attacken frei verkäufliche Schmerzmittel ausreichen, um gegen die Schmerzen anzukämpfen. Bei schweren Attacken hingegen können spezielle Migräne-Medikamente eingesetzt werden, die sogenannten Triptane. Diese wirken spezifisch gegen Migräne und haben den Vorteil, dass die Einnahme auf verschiedene Arten erfolgen kann: zum Beispiel als Schmelztablette für Patienten, die zusätzlich zu den Kopfschmerzen an Übelkeit oder Erbrechen leiden. Auch bestehe die Möglichkeit, das Medikament in Form einer Spritze zu verabreichen.

Zu viel Schmerzmittel kann auch schaden

Der Nachteil von Triptanen, wie auch von frei verkäuflichen Schmerzmitteln, besteht darin, dass die Frequenz der Anfälle bei übermäßiger Einnahme sogar gesteigert werden kann. Hierdurch kann es zu einem Dauerkopfschmerz kommen. Sollten solche Beschwerden auftreten, sollte zwingend eine Einnahmepause eingelegt werden, rät der Experte. Was die vorbeugende Behandlung betrifft, hat er eine klare Botschaft: "Im Mittelpunkt der Prophylaxe sollten immer nicht-medikamentöse Maßnahmen stehen, das ist die Basis für alles Weitere." Dazu gehören ein gleichmäßiger Lebensrhythmus, ausreichend Schlaf und regelmäßige moderate körperliche Aktivität. Auch Entspannungstechniken können helfen.

Um einen Anfall vorzubeugen, rät Freilinger zu einer Entspannungsübung: der Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson. Dabei werden bestimmte Muskelpartien angespannt. Diese Spannung wird für einige Sekunden gehalten und anschließend wieder gelöst. Hierdurch wird ein angenehmer Entspannungszustand hervorgerufen.

Bei häufigeren Attacken besteht zudem die Möglichkeit einer Vorbeugung mit Hilfe von Medikamenten. Zusätzlich zu den bekannten herkömmlichen Wirkstoffen, die meist als Tabletten täglich eingenommen werden müssen, gibt es seit wenigen Jahren einen ganz neuen spezifischen Therapieansatz: Antikörper gegen das sogenannte CGRP, ein Schlüsselmolekül bei der Migräne. Diese werden mit einer Spritze meist einmal im Monat unter die Haut appliziert. Die Nebenwirkungen wurden bisher als gering eingestuft. Bereits vier Varianten dieses Medikaments sind auf dem Markt, kommen jedoch nur bei besonders schweren Verläufen zum Einsatz. Das könnte für einige Migränepatienten eine lang ersehnte Behandlungsmethode sein.

Zum Autor

Max Woldrich studiert in Passau Journalistik und strategische Kommunikation. Sein Beitrag ist in einer Lehrredaktion entstanden, die in dem Studiengang integriert ist. Die Lehrredaktion wird von Redakteuren unserer Mediengruppe betreut.

 
 
 

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