Es war ein Dilemma für die sechste Strafkammer des Landgerichts. In den vergangenen Wochen hatte sie sich mit dem Fall eines an einer paranoiden Schizophrenie leidenden Landshuters auseinanderzusetzen, dessen Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus 2019 von der ersten Strafkammer angeordnet worden war. Der BGH hatte das Urteil 2020 jedoch aufgehoben. Die Anlasstaten seien zu gering gewesen, um den bis dato strafrechtlich nicht in Erscheinung getretenen 31-Jährigen auf unbefristete Zeit wegzusperren, hieß es zur Begründung.

Nach sorgfältiger Prüfung unter anderem der Gefährlichkeitsprognose war am Freitag auch die sechste Strafkammer zu diesem Ergebnis gekommen: Der neuerliche Antrag der Staatsanwaltschaft auf Unterbringung wurde als unbegründet abgelehnt. Der Kammer sei bewusst, so Vorsitzender Richter Ralph Reiter, dass dies eine problematische Entscheidung sei. Es gebe keinen sozialen Empfangsraum, wenn der 31-Jährige jetzt in die Freiheit entlassen werde. Aber: "Draußen neben der Tür steht nun mal Strafkammer und nicht Betreuungsgericht."

"Mal Urlaub machen" von seinen Medikamenten wollte der 31-Jährige Anfang 2019. Die Psychose ließ nicht lange auf sich warten: Am 8. März drang er im Zustand der Schuldunfähigkeit mit einem Messer in der Hand in Dingolfing in die Wohnung seiner Nachbarn ein. Die Polizei brachte den selbsternannten Ziehsohn Bob Marleys ins BKH Landshut. Eine Woche später soll er dort zwei Mitpatienten attackiert haben.