Kuba Von Havanna nach Trinidad: Zwischen Land und Meer

Trinidads reizvolle Lage erschließt sich am besten von einem Aussichtsturm inmitten der Stadt. Foto: Rita Neumaier
Trinidads reizvolle Lage erschließt sich am besten von einem Aussichtsturm inmitten der Stadt. Foto: Rita Neumaier

An der belebtesten Straße von Havanna, der Obispo im Stadtteil Havanna Viaje, erklingt überall Musik.

Jedes Lokal hat seine Live-Bands, auch das "El Escabeche", eine Eckkneipe, die zur Straße hin offen ist. Drinnen stoßen die Gäste mit Daiquiris und Mojitos an, während die Band zum x-sten Mal an diesem Tag das Lied vom Commandante Che Guevara spielt. Vor der Kneipe wiegen sich schon Vierjährige im Salsaschritt, was die Gäste aus dem Ausland entzückend finden, und begeistert fotografieren.

Fast keiner bemerkt dabei die ausgemergelte Hand, die sich durch das Holzgitter streckt, mit dem das Lokal zur Gasse hin abgetrennt ist. Dunkle Augen bohren sich durch die Stäbe in die der Kneipengäste. Ein müder, faltiger Mann bittet leise um einen Peso. Peinlich berührt kramt man in der Tasche nach einer Münze, reicht sie durch die Stäbe.

Auch das ist Havanna. Soziale Verlierer sind die Alten, die vom Tourismus nicht profitieren, weil sie nichts mehr zu verkaufen haben. Nicht einmal sich selbst, wie die vielen jungen Frauen und Männer, die Touristen antanzen. Dabei gehen sie auf äußerste Tuchfühlung - und bei Gefallen auch mit ins Hotel. Dabei gibt es offiziell keine Prostitution im nachrevolutionären Kuba.

"Casa particulares" - mitten drin im kubanischen Leben

Man kann bereits am Flughafen einen der Oldtimer als Taxi mieten, die heute noch den Großteil des kubanischen Verkehrs ausmachen. Die Fahrer finden auch die verstecktesten "Casa particulares", das sind Unterkünfte von Privatleuten, die sie mit staatlicher Genehmigung an Touristen vermieten dürfen.

Auf diese Weise ist man näher am kubanischen Leben, als etwa im historischen Hotel Inglaterra. Dort ist die stilvolle Dachterrasse am Abend ein gepflegter Treffpunkt für Kontaktsuchende, außerdem ist der Blick auf den Parque Central und das alte Havanna so erhebend, dass man gerne mal ein paar CUC mehr für sein Bier bezahlt. Mit dem CUC oder auch "Peso convertible", der an den Dollarkurs geknüpft ist, zahlt man als Tourist. Einheimische bekommen ihr Gehalt in kubanischen Pesos ausgezahlt, die nur einen Bruchteil davon wert sind. Selbst Akademiker verdienen kaum mehr als umgerechnet 50 Euro im Monat, was für den Lebensunterhalt kaum reicht, auch wenn es monatliche Zuwendungen an Grundnahrungsmitteln gibt.

Von der Plaza Central aus lassen sich viele Sehenswürdigkeiten der Stadt erschließen, wie das Capitol oder die Nationaloper. Stürzt man sich ins Gewirr der Altstadtgassen, liegt das "Floridita" sicher auf dem Weg. Dort hat Ernest Hemingway den Daiquiri erfunden. Und da sitzt er immer noch an der Theke: überlebensgroß in Bronze gegossen, zu Tode fotografiert von Touristenscharen, die an dieser Stelle busweise ausgespuckt werden. Seinen Mojito trank Hemingway am liebsten in der Bodeguita del Medio, die aus diesem Grund so populär wurde, dass es davon sogar einen Ableger im 270 Kilometer entfernten Trinidad gibt. Dem Mythos des Literaten kann man auch in seiner Finca folgen, die jedoch weit außerhalb von Havanna liegt.

 

idowa-Newsletter kostenlos abonnieren

E-Mail-Adresse:
 
 
 

0 Kommentare

Kommentieren

null

loading