Schon bevor der amerikanische Präsident Joe Biden seine Spuren in Brüssel hinterlassen konnte, steht fest: Die Lobeshymnen über das wiedergefundene Verständnis von USA und Nato sowie EU werden euphorisch ausfallen. Das liegt allerdings nicht nur an der Person des neuen Mannes im Weißen Haus, sondern an dem Scherbenhaufen, den sein Vorgänger Donald Trump hinterlassen hat.

Biden trifft auf eine verunsicherte Allianz, aber eine selbstbewusstere Union. Die hat sich politisch und wirtschaftlich zwar nicht von den Freunden in Washington losgesagt, aber doch emanzipiert. Ein Ergebnis sind die Bande, die Brüssel mit China knüpfte und dabei sogar kurz vor Weihnachten 2020 ein Investitionsabkommen heraussprang. Doch die Union hat dessen Ratifizierungsprozess gestoppt und sich damit für gemeinsame Initiativen mit Washington geöffnet und signalisiert, dass man dem Anti-Peking-Netzwerk Washingtons aufgeschlossen gegenübersteht.