Junger Programmierer Zwischen Zahlen und Buchstaben: Der 19-Jährige Florian Wilhelm entwickelt eigene Apps

Florian Wilhelm hat früh angefangen, eigene Apps zu programmieren. Foto: Florian Wende

Fünf bis sechs Stunden Schlaf hat Florian Wilhelm pro Nacht. Tagsüber geht er in die Straubinger Berufsschule. Meistens sitzt er aber vor dem Computer und reiht Befehle aneinander. Aus diesen entstehen irgendwann Smartphone-Apps. Doch trotz seiner Leidenschaft ist Florian eines ganz wichtig: auch einmal offline zu sein.

Florian ist zwölf Jahre alt, als er sich das erste Mal mit Computern beschäftigt. Er kauft sich Fachbücher und lernt sich selbst das Programmieren. „Das ist ein Prozess. Man ist nicht irgendwann fertig und weiß alles, es entwickelt sich immer weiter. Früh anfangen ist daher wichtig!“, sagt Florian. Sein erstes Werk: eine eigene Webseite.

Zu diesem Zeitpunkt kommen Apps für Handys auf. Sie faszinieren Florian. Er programmiert einen Internetauftritt für einen eigenen iPhone-Blog. Dort stellt er neue Apps vor. „Das ist aber voll in die Hose gegangen“, blickt der Berufsschüler zurück. Nur wenige haben sich für seine Seite interessiert.

Es geht weiter mit „XCode“. Das ist eine Programmieroberfläche von Apple. „Sie ist recht einfach und leicht verständlich“, sagt Florian. „Für einen Programmierer zumindest“, fügt er an und grinst. Mit „XCode“ können Technikbegeisterte eigene Apps für iOS und MacOS, den Betriebssystemen von Apple, programmieren. Florian ist großer Fan der Firma aus Kalifornien, seit diese die ersten Geräte auf den Markt gebracht hat.

Die erste eigene App im Appstore

Im vergangenen Jahr schaffte es Florians erste eigene App in den Appstore von Apple. Sie nennt sich „Yourtodo“ und sieht im ersten Moment wie eine „To-Do-App“ aus. Nutzer tragen Aufgaben ein und geben an, bis wann sie diese erledigen sollen. Die App erinnert daran regelmäßig. Wenn etwas erledigt ist, kommt das Besondere: „Der Nutzer erhält als Belohnung Punkte. Diese kann er für eigene, selbstbestimmte Belohnungen nutzen“, erklärt Florian. App-Nutzer können also zum Beispiel festlegen, dass bei 20 Punkten eine Tafel Schokolade die Belohnung ist, bei 50 ein Kinobesuch, bei 100 eine Shopping-Tour. Über 60.000 mal wurde die App mittlerweile heruntergeladen.

Geld verdient Florian dabei nicht. Denn er verfolgt eine eigene Philosophie bei seinen Apps: „Ich baue nur Sachen ein, hinter denen ich auch selbst stehe.“ Und da der 19-Jährige Werbung in Apps hasst, fügt er in seine auch keine ein, genauso wie keine In-App-Käufe. Das sind Angebote in Apps, mit denen Nutzer Vorteile mit Geld kaufen können. „Es ist entscheidend, dass ich mich selbst mit meinem Werk identifizieren kann“, sagt Florian.

Ein paar Updates hat der Berufsschüler für „Yourtodo“ schon geplant. In letzter Zeit kam er aber nicht dazu, diese umzusetzen, da ein anderes Projekt seine Zeit in Anspruch nahm: „wuidi“. „wuidi“ ist eine App, die Autofahrer warnen soll, wenn sie in einem Gebiet unterwegs sind, in dem erhöhte Wildwechsel-Gefahr besteht. Alfons Weinzierl, Alexander Böckl und Jozo Lagetar haben „wuidi“ gegründet. Die drei waren auf der Suche nach einem iOS-Experten, der „wuidi“ auch für Apple-Produkte umsetzt. Durch einen Artikel im Straubinger Tagblatt kamen sie auf Florian und fanden in ihm den richtigen. „Ich war bei ‚wuidi‘ vor allem für die Umsetzung der Apple-App zuständig“, sagt Florian. Von „wuidi“ hat sich Florian aber vor Kurzem verabschiedet. „Ich möchte mich neuen Projekten widmen“, begründet der 19-Jährige. Welche das genau sind, verrät er noch nicht. „Ich habe einiges vor“, kündigt er an.

Auch mal offline sein

Zwischen all den Buchstaben, Zahlen, Apps und Programmcodes ist Florian aber auch Auszeit wichtig. „Das Motto ‚always on‘ ist nicht gut. Das Handy wird zu stark missbraucht. Manche können ohne gar nicht mehr leben“, kritisiert der 19-Jährige. Für ihn ist es da wichtig, eine Grenze zu finden und Smartphone, Laptop und Co. in Maßen einzusetzen. „Bei mir ist die Schule ein guter Ausgleich“, sagt er und lacht. Denn auch für den begeisterten Entwickler herrscht da Handyverbot. Zurück zu den Apps: Damit eine App richtig erfolgreich wird, muss sie einzigartig sein und ein Alleinstellungsmerkmal haben. Denn: „Nur ein Prozent der angebotenen Apps wird so erfolgreich, dass man gut davon leben kann“, sagt Florian.

Langeweile ausgeschlossen

Der 19-Jährige kann sich sein Leben durch das Programmieren finanzieren. Das möchte er auch weiterhin machen. Im Moment geht er noch in die Straubinger Berufsfachschule für Kaufmännische Assistenten. Sie ist eher das Hobby von Florian. Denn die meiste Zeit des Tages verbringt er inmitten vieler Buchstaben und Zahlen. „Die Schule steht aber hinter mir“, sagt er. Seine Lehrer sind kooperativ und wissen, dass Florian meist mehr Zeit mit dem Programmieren verbringt als für die Schule. „Sie verstehen auch, wenn ich einmal wegen Terminen, Messen oder Veranstaltungen weg muss“, sagt der 19-Jährige. Ende Juli 2017 schließt Florian die Berufsschule ab. „Mal schauen, was dann kommt“, sagt er. Mit seinen Projekten und jeder Menge App-Ideen wird ihm da aber auf keinen Fall langweilig werden.

 
 

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