Joseph Vilsmaier über "Bayern - sagenhaft" "Ich wollte, dass mir keiner drein redet."

, aktualisiert am 12.02.2020 - 18:40 Uhr

Es geht in Ihrem Film um Traditionen, um das Sagenhafte in Bayern, um Mythen. Sind solche Inhalte wichtig, um sich eine eigene Identität zu schaffen?

Meine Identität ist ganz einfach: Ich bin in München geboren, im Rottal aufgewachsen, ich liebe meine Heimat. Heimat ist ein Gefühl. Monika Gruber würde sagen: Heimat ist die Familie.

Momentan gibt es extreme Ausprägungen der Rückbesinnung auf die eigene Region. Wie stehen Sie zu den Abgrenzungstendenzen, die in manchen Regionen Europas derzeit zu beobachten sind? Zum Beispiel die Situation in Spanien.

Sowas kann man nicht machen. Gesetzesmäßig liegen die Katalanen einfach falsch. Und bei Bayern muss man sagen: Ein eigener Staat sein – das ist einfach Blödsinn. In Bayern gibt es halt gegenüber den anderen Bundesländern – man kann schon fast sagen – mehr Kultur. Die Feste sind hunderte Jahre alt. Am Land wird das Brauchtum hochgehalten. Man sieht dieses Brauchtum zum Beispiel bei Trachtenumzügen: Die Leute, die da mitgehen, stehen dazu. Und das finde ich toll. Das sollte man ihnen auch lassen und es nicht wegnehmen – sonst nimmst du alles weg. Ich finde es ganz toll, dass es so viele Menschen gibt, die ihre Traditionen noch pflegen.

Ich habe gelesen, dass Sie den Film selber finanziert haben. Das heißt, Sie haben auch auf Filmförderung verzichtet. Wieso?

Weil ich einen Film ohne Bürokratie machen wollte. Ich wollte, dass mir keiner drein redet. Entweder untergehen, oder aufgehen. Ich habe alle Rechte, auch die Fernsehrechte, nächstes Jahr bringe ich die DVD raus. Das habe ich mir mal gewünscht – auch, dass ich ihn selber verleihe. Das war aber auch das Schwierige. Jeder Verleiher hat fünfzig Leute, wir waren zu zweit. Ich muss mit jedem Kinobesitzer der 103 Kinos reden, in denen er gestartet ist.

Mit „Herbstmilch“ und „Comedian Harmonists“ hatten Sie zwei große Publikumserfolge.  Die Filmkritiker waren Ihren Filmen gegenüber nicht immer so positiv eingestellt. Lesen Sie überhaupt noch professionelle Filmkritik?

Eigentlich nicht mehr. Bei „Herbstmilch“ standen im „Spiegel“ vier Zeilen – verwässerte Liebesgeschichte. Bei „Stalingrad“ war ich in Köln. Da bin ich in allen Zeitungen vernichtet worden. Sechs Jahre später lief bei der Berlinale, Eröffnungsfilm, der Stalingrad-Film. Ich fahre ins Büro und um acht Uhr in der Früh kommen Nachrichten. Ich bleibe rechts stehen und höre zu: Und es reden alle über Vilsmaiers Stalingrad-Film, wie toll der war. Da habe ich mir gesagt: Schau her, vier Jahre hat es gedauert. Das einzige, was mich ärgert, ist, wenn Unwahrheiten geschrieben werden. Zum Beispiel hat mal jemand geschrieben, dass ich von der Industrie finanziert wäre. Ich schwöre: Ich habe keinen Cent gekriegt. Ich habe von keinem einen Cent angenommen. Oder man schreibt, dass das der Film zur Bayerischen Landtagswahl wäre, und alle Industrieunternehmen müssten vorkommen. Ich arbeite das dann in den Kinosälen auf. Es kommt mir keiner aus, wenn er irgendwas schreibt, was nicht richtig ist. Den führe ich dann im Kino vor, mit Namen. Gleichzeitig muss ich aber sagen, dass es viele tolle Filmkritiker gibt.

 

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