Interviewserie "Über den Rand" Sie hilft, wenn Babys schlecht schlafen und Eltern verzweifeln

Kathrin Bachmann arbeitet als Schlafcoach für Säuglinge und Kleinkinder in Regensburg und Umgebung. Foto: Susanne Pritscher

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, gibt es Hebammen und Ärzte, die den Müttern weiterhelfen. Aber wer hilft danach, wenn die Kinder nachts nicht durchschlafen und Eltern einmal nicht weiter wissen? Kathrin Bachmann arbeitet als Schlafcoach für Säuglinge und Kleinkinder in Regensburg - und ist damit einer der wenigen zertifizierten Schlafcoaches, die es in Bayern überhaupt gibt. Im Interview erzählt sie von den Sorgen junger Eltern, den Ursachen für schlechten Schlaf und ihrem Weg zur beruflichen Selbstverwirklichung.

Frau Bachmann, was genau macht ein Schlafcoach denn?

Kathrin Bachmann: Ich helfe Familien bei Problemen mit dem Schlaf ihrer Kinder und unterstütze sie dabei, ihre Schlafsituation zu verbessern, indem ich die Situation genau anschaue und analysiere. Ich versuche eine Ursache für das Schlafproblem zu finden. Dabei gibt es vielfältige Probleme und auch vielfältige Ursachen. Ich kann drei verschiedene Familien betreuen, die alle oberflächlich dasselbe Problem haben, aber ich finde drei verschiedene Ursachen und für jede Familie auch eine andere Lösung. Kinderschlaf ist ein Thema, das oft sehr vernachlässigt wird. Man macht Geburtsvorbereitung und bekommt Infos zum Stillen, aber mit Schlaf befasst man sich vorher oft nicht. Und da kläre ich dann auf.

Würden Sie sagen, dass viele Eltern zögern, dieses Problem in ihrem Umfeld anzusprechen?

Es ist etwas, worüber man nicht spricht, weil Eltern natürlich immer Angst haben, verurteilt zu werden oder als schlechte Eltern dazustehen. In den meisten Fällen kann ich die Eltern aber beruhigen und sagen, ihr habt gar nichts falsch gemacht. Ihr habt es genau so gemacht, wie es die Situation jetzt erfordert. Und für die Kinder sind diese Probleme gar keine Probleme. Sie holen sich den Schlaf meistens schon, den sie brauchen. Aber die Eltern leiden darunter, weil sie abends einfach durch sind. 

Was sind die häufigsten Ursachen, warum Kinder nicht einschlafen können?

Das kann man gar nicht sagen, weil es wirklich immer anders ist. Es sind meistens mehrere Kleinigkeiten, die da zusammenkommen. Es spielen Umstände vor der Geburt und bei der Geburt selber eine Rolle, ob die Mutter vielleicht in der Schwangerschaft sehr im Stress war oder ob die Geburt schwierig war. Dann spielt rein, wie der Alltag abläuft und natürlich auch der Charakter des Kindes. Die einen Kinder sind von Geburt an schon gechillt und es gibt Kinder, die einfach reizoffener sind, die nervöser und sensibler sind. Es passiert auch ganz oft, dass Eltern zum Beispiel beim ersten Kind überhaupt keine Schwierigkeiten hatten und beim zweiten machen sie alles genauso, aber das Kind ist einfach ein anderer Charakter.

Wie genau läuft das Schlafcoaching ab?

Die Eltern nehmen Kontakt mit mir auf und dann führe ich mit ihnen ein kurzes Vorgespräch, in dem sie mir erzählen, was das Problem ist. So kann ich sagen, ob ich da helfen kann. Ich schließe aus, dass irgendwelche medizinischen Gründe vorliegen. Die würde ich zunächst erst einmal von einem Arzt abklären lassen. Ich frage die näheren Umstände ab, zum Beispiel, ob die Familie demnächst in Urlaub fährt oder der Kita-Start ansteht. Es wäre ungünstig, parallel zu anderen Veränderungen im Alltag des Kindes auch noch die Schlafsituation zu verändern.

Es geht also auch darum, dass die Familie eine Routine entwickelt.

Genau. Wir brauchen Alltag, um Veränderungen zu machen. Manche melden sich und sagen, das Problem ist jetzt seit zwei Wochen so. Mir ist bekannt dass es Umstände gibt, die sich temporär auf den Schlaf des Kindes auswirken können. Hat das Kind zum Beispiel erst angefangen zu krabbeln, empfehle ich den Eltern,noch ein wenig abzuwarten, ob sich die Lage möglicherweise wieder entspannt. Wenn nicht können sich die Eltern gerne noch einmal melden.

Wie geht es dann weiter?

Ich erkläre den Eltern den Ablauf und wir vereinbaren einen Termin, vor dem sie eine Woche lang ein Schlafprotokoll führen. Sie kreuzen an, wann das Kind geschlafen hat, welche Einschlafhilfen verwendet wurden, was sie gegessen haben und was sie in Wachphasen gemacht haben. Außerdem beantworten sie ein paar Fragen, damit ich mir ein gutes Bild der Gesamtsituation machen kann. Ich mache vor dem ersten Termin eine Schlafanalyse, aus der ich bereits erste Schlüsse ziehen kann.

Zum Beispiel?

Meist kann ich den Eltern bei ersten Termin sagen, dass das Kind schon ausreichend schläft. Das ist oft die erste Panik der Eltern und ich kann sie ihnen nehmen, indem ich ausrechne, wie viele Stunden das Kind insgesamt wirklich geschlafen hat. Bei diesem ersten Termin, dem Analysegespräch, gehen wir in die Tiefe. Ich versuche noch alles an Informationen zu sammeln, was auf den Schlaf Auswirkungen haben kann und gebe den Eltern erste Impulse mit, die sie schon einmal umsetzen können. Wir treffen uns meistens nach etwa ein, zwei Wochen noch einmal und machen das eigentliche Coaching. Da erkläre ich den Eltern dann noch alles zu dem Thema Schlafbiologie und wir machen einen Plan, wie sie mit kleinen Veränderungen die Schlafsituation verbessern können und gleichzeitig die Bedürfnisse des Kindes achten und die Bindung zu den Bezugspersonen stärken.

Gab es schon einmal einen Fall, bei dem Sie nicht weiterhelfen konnten?

Ich konnte bisher zum Glück alle Fälle annehmen und für viele Familien die Nächte verbessern. Aber ich stoße natürlich auch mal auf Schwierigkeiten. Coaching ist ja Hilfe zur Selbsthilfe. Ich bringe mein Fachwissen mit und lenke die Eltern in die gewünschte Richtung. Den ersten Schritt zur Veränderung kann ich ihnen aber nicht abnehmen. Wenn die Eltern den Schritt nicht machen oder es die Umstände nicht erlauben, dann kann es auch nicht klappen. Die Bereitschaft muss schon da sein.

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