Interviewserie Über den Rand Jonas verbringt Weihnachten auf hoher See 

Wie war es für Sie, an Weihnachten nicht daheim sein zu können?

Baumgartner: Nicht leicht. An Weihnachten bin ich normalerweise immer bei meiner Familie. Unser Kapitän hat an Weihnachten eine rührende Ansprache gehalten: "Vor etwa 2.000 Jahren haben zwei Reisende in der Not ein Dach über dem Kopf gesucht und gefunden. Jetzt sind wir an der Reihe und bieten den Leuten einen Platz an. Wir schenken den Leuten das Leben." Bei uns an Bord gab es sicherlich keinen Luxus. Den werden die Menschen auch in Europa nicht finden, aber sie leben!

Wie ist es, wieder hier zu sein? Und was hat Ihre Familie zu ihrem Einsatz bei Sea-Eye gesagt? 

Baumgartner: Die haben mich sehr unterstützt. Meine Mutter hat mich bestärkt. Meine Freundin hat mich sehr vermisst, ist aber sehr stolz. Daheim zu sein, fühlt sich super an. Seit Montag ist der Alltag an der Uni wieder angebrochen und ich habe einiges nachzuholen. Es ist schön, wieder in den eigenen vier Wänden zu sein. An Bord hat man ja keine Privatsphäre. Da teilt man sich eine Kajüte und bewohnt zu zweit zehn Quadratmeter. Man ist nie alleine.

Was waren Ihre Aufgaben an Bord?

Baumgartner: Ich war hauptsächlich zuständig für die Wäsche, die Search-and-Rescue-Wachen und für die Kontrolle der Schlauchboote. Die musste man nach dem Einsatz überprüfen und wieder einsatztauglich machen. Wir waren insgesamt 18 Crewmitglieder, sieben davon angestellte Seemänner, die die Schiffsführung übernahmen. Die anderen waren Ehrenamtliche. Die kümmerten sich dann beispielsweise um die Küche, das Waschen, die Wachen oder die Verpflegung der Asylsuchenden. Außerdem mit an Bord waren ein Arzt und eine Krankenschwester. Während einer Wache waren wir zum Beispiel vier Stunden auf der Brücke und haben Ausschau gehalten, ob wir ein Boot in Seenot sichten. Gearbeitet hat man im Schichtdienst. Mein Zimmergenosse und ich hatten zum Teil um zwölf Stunden versetzte Schichten. Das heißt: Einer von uns hat eigentlich immer geschlafen. Jetzt wieder Freiraum zu haben, ist schön. 

Lesen Sie das weitere Interview auf der Folgeseite. 

 
 
 

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