Interviewserie „Über den Rand“ Indien trifft Oberpfalz: Das Rezept zum Glücklich-Sein

Kornelia Rebel kocht und schreibt nicht nur, sondern malt auch gerne. Das Bild zeigt sie mit ihrem Sohn Valentino, damals noch im Baby-Alter. Foto: pb

Sri Lanka, Griechenland, Indien: Kornelia Rebel ist ganz schön herumgekommen. Kaum erwachsen zog es die Oberpfälzerin ins Ausland, nach Jahren der Reise ließ sie sich schließlich in Goa nieder. Dort wurde sie als Autorin mehrerer Kochbücher bekannt, für die sie auch mit dem „Gourmand World Cookbook Award“ ausgezeichnet wurde. Nach 24 Jahren in Indien lebt die 57-Jährige seit kurzem wieder im Landkreis Regensburg. Im Gespräch mit idowa erzählt sie von ihren nicht immer ungefährlichen Reisen, den Vor- und Nachteilen der indischen Küche und warum sie Fernsehkoch Gordon Ramsay furchtbar findet.

Die 57-jährige Kornelia Rebel hat die unterschiedlichsten Winkel der Welt kennen- und lieben gelernt. Sie hat zwei Mal geheiratet, 24 Jahre in Goa gelebt – und in Indien mehrere Kochbücher geschrieben. Wie es dazu kam, wie das Leben in Indien war und weshalb sie wieder in die Oberpfalz gezogen ist, erzählt sie im Interview.

Frau Rebel, woher kommt Ihre Leidenschaft für das Reisen?

Kornelia Rebel: Da gab es diesen Moment während eines Frankreich-Urlaubs. Ich war 18, hatte gerade mit meinem Freund Schluss gemacht und saß am Meer. Der Sonnenuntergang spiegelte sich im Wasser an der Côte d'Azur – ein wunderschönes Bild. Und in mir war diese Aufbruchstimmung. Ich habe mir gedacht: Ich will mehr von der Welt sehen. Ich will mir nicht irgendwann vorwerfen müssen, mein Leben aus Angst nicht gelebt zu haben.

Also sind Sie raus in die große, weite Welt?

Rebel: So ungefähr (lacht). Mit 19 bin ich zum ersten Mal alleine gereist, nach Sri Lanka. Es war wunderschön, aber auch abenteuerlich. Zum Beispiel ist dort jemand in mein Zimmer eingebrochen – während ich schlief. Ich bin wach geworden und sah diesen Mann, wie er gerade meine Sachen durchwühlte. Er war wohl genauso erschrocken wie ich, denn er flüchtete sofort und ließ dabei fast alles wieder fallen. Nur meine Flugtickets hat er behalten. Ich musste deswegen meinen Flug umbuchen und kam erst später als vereinbart wieder nach Hause. Da herrschte natürlich helle Aufregung, als meine Eltern davon erfuhren.

Abgehalten hat Sie diese Erfahrung aber offenbar nicht…

Rebel: Nein. Ich bin weiterhin viel gereist, etwa nach Griechenland. Dort habe ich auch meinen ersten Mann kennengelernt. Wir haben geheiratet und zwei Jahre lang zusammen dort gelebt, sind dann aber nach Deutschland zurück.

Warum?

Rebel: Mein Mann sollte zur Armee, wollte aber nicht. In Griechenland konnte man damals den Wehrdienst jedoch nicht verweigern. Deswegen gingen wir nach Deutschland. Er hat dort bei einer Gärtnerei angefangen, ich habe als Redakteurin gearbeitet. Das ging eine Zeitlang gut, aber dann hat sich abgezeichnet, dass aus uns nichts wird. Ich wollte unbedingt Kinder, er hatte andere Pläne. 1992 haben wir uns scheiden lassen. Danach wollte ich eine Auszeit und bin zum ersten Mal nach Goa gereist. Dort gab es damals Motorräder für verhältnismäßig wenig Geld. Da dachte ich mir: Kauf eines und fahr durch Indien. Mal sehen, was passiert.

Und was ist passiert?

Rebel: Eine ganze Menge. Ich habe zum Beispiel Motorradfahren gelernt. Das konnte ich davor gar nicht. Ich habe es mir dann selbst beigebracht. (lacht) Mein Plan war, von Manali bis nach Ladahk zu fahren. Da ging es teilweise durch Schnee und Eis… Und Flüsse. Ich will gar nicht wissen, wie oft ich ins Wasser gefallen bin. Aber irgendwie habe ich es doch immer weiter geschafft. Ich habe auch oft Hilfe bekommen – als Frau auf einem Motorrad hat man da schon gewisse Sympathien auf seiner Seite. Auf halber Strecke ist mir dann aber mein Kettenschloss gerissen. Ich dachte eigentlich, ich hätte Ersatz dabei. War aber nicht so. Dann habe ich erst einmal blöd geschaut. Ich habe schließlich in einem Armee Camp in der Nähe um Hilfe gebeten. Ich hatte gar keine Ahnung, wie gefährlich das als allein reisende Frau eigentlich ist. Als Deutsche habe ich „Armee“ automatisch mit Sicherheit assoziiert. Zuerst waren auch alle Soldaten sehr nett, haben mich gleich zum Essen eingeladen und sich lange mit mir unterhalten. Als es dann aber dunkel wurde, haben sie mich gedrängt, doch über Nacht zu bleiben. Dann wurde mir doch etwas mulmig und ich wollte zu meinem Zelt zurück. Zwei Männer haben sich dann bereit erklärt, mich mit einem Jeep zurückzufahren. Nach einer Weile haben sie jedoch einfach angehalten – und im nächsten Moment packten sie mich und versuchten, mich aus dem Auto zu ziehen…

Das ist heftig. Wie haben Sie reagiert?

Rebel: Ich war absolut panisch. Mir war klar, wenn die mich umbringen oder vergewaltigen wollen, dann machen sie das. Ich habe mich gewehrt und geschrien wie am Spieß. Und irgendwie hat das gewirkt. Sie haben von mir abgelassen und sind wortlos weitergefahren. In der Nähe von dem Campingplatz haben sie mich dann rausgeschmissen und sind umgedreht. Ich war danach erst einmal ziemlich unter Schock. Das war wahrscheinlich der gefährlichste Moment meines Lebens. Mein Motorrad stand noch bei dem Camp, aber das war mir egal. Ich bin in den nächsten Bus gestiegen und auf diesem Weg weiter nach Ladahk gefahren. Hauptsache weg.

 
 

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