Hype um Social-Media-App „Du kommst net rein!“: Ist die App „Clubhouse“ eine Bedrohung für Facebook und Co?

In den virtuellen Räumen können die User einem Audio-Chat anderer Clubhause-Nutzer zuhören oder sich aktiv an dem Gespräch beteiligen. Foto: Christoph Dernbach/dpa

Christian Lindner hat es, Dunja Hayali auch. Und Dieter Bohlen? Nun, kommt ganz darauf an, ob er schon eine Einladung erhalten hat und welches Smartphone er nutzt. Denn das ist das Besondere an der Social Media App „Clubhouse“, die seit einigen Tagen auch in Deutschland erhältlich ist. Um sie zu benutzen, muss man – vorerst – ein iPhone besitzen und eine Einladung erhalten haben.

Das Besondere an „Clubhouse“: Die App funktioniert auf Audiobasis. Vorstellen kann man sich das Ganze wie eine riesige Bar, in der verschiedene Gespräche stattfinden, an denen der Nutzer teilnehmen kann. Oder wie ein Chatroom-System – nur eben, dass die Sätze nicht geschrieben werden, sondern als Audiodateien aufgenommen.

Videofunktion gibt es keine, Kommentare ebenfalls nicht. Wie bei einem Podcast kann man verschiedenen Gesprächen nur lauschen. Alternativ – wenn der Moderator die Berechtigung dazu gibt – kann man auch daran teilnehmen. Gespräche finden in entsprechenden Räumen statt, hier haben die Moderatoren das Sagen.

Stars fördern den Hype

So weit, so normal. Denn wenn man es genau nimmt, macht Clubhouse nicht viel anders als andere Messenger-Apps oder soziale Netzwerke, nur eben per Audio. Reicht das, um einen Hype auszulösen? Nicht ganz, aber gerade in dem Bereich haben die Entwickler der App ganze Arbeit geleistet. Hier ein paar Punkte, die dem Hype geholfen haben:

„Clubhouse“ kommt zur richtigen Zeit: „Die App ist wie eine Party, in der ich mich unter Leute mische“, sagt eine Nutzerin zu den Vorteilen der App und ergänzt: „Wann hat man das zu Coronazeiten schon?“ „Clubhouse“ hatte also den perfekten Zeitpunkt zum Start.

„Clubhouse“ ist Audio: Spätestens mit Corona haben Audioformate wie Podcasts ihren endgültigen Siegeszug angetreten. Dinge anzuhören, aber nicht ansehen zu müssen, ist das Format der Stunde. Einige Kommentatoren sprechen sogar schon vom „Podcast 2.0“.

„Clubhouse“ macht sich rar: Vorerst kann man nur als iPhone-Nutzer dem Netzwerk beitreten und das auch nur nach einer Einladung. Das macht „Clubhouse“ selten und spricht damit unser Unterbewusstsein an, das allem, was selten ist, einen hohen Wert beimisst.

„Clubhouse“ hat die Stars: Ob Paris Hilton oder Drake – viele Stars sind mittlerweile bei der App und nutzen sie fleißig. Da es insgesamt aber noch recht wenige Nutzer gibt, ist die Chance umso höher, sie in einem Raum anzutreffen – und so vielleicht ein paar Worte mit ihnen zu wechseln.

Der Name „Clubhouse“ ist also Programm bei der App. Sie funktioniert wie eine Edeldisco, in der alle coolen Leute abhängen und der Türsteher die Macht hat, die Träume auf eine tolle Party mit einem simplen „Du kommst hier net rein“ zu vereiteln. Das Resultat: In wenigen Tagen hat „Clubhouse“ ein Wachstum hingelegt, das andere soziale Netzwerke erst nach ein paar Wochen geschafft haben. Die Firma hinter der App ist an der Börse mittlerweile mit 100 Millionen Dollar bewertet.

Probleme auf „Clubhouse“

Aber selbst im besten Club kann es zu unschönen Szenen kommen. Auch bei „Clubhouse“ gab es schon Vorfälle mit Hatespeech und Beleidigungen. Hier fällt viel Arbeit auf die Moderatoren der einzelnen Räume ab, denn die Macher der App hielten sich zunächst zurück. Mittlerweile arbeiten sie aber wohl an einem Regelwerk für einen sauberen Umgang der Nutzer untereinander.

Ein weiteres Problem der App ist der Datenschutz. Audiomitschnitte werden temporär gespeichert, auch, wenn das wohl nur geschieht, um eventuelle Verstöße zu moderieren. Außerdem muss ein Nutzer sein Adressbuch offenlegen, wenn er eine Einladung verschicken will. Die ersten Nutzer scheint beides aber nicht gestört zu haben.

Die Zukunft wird es zeigen

Ob der Hype von „Clubhouse“ Bestand hat, wird man in den nächsten Wochen und Monaten sehen, wenn immer mehr Nutzer die App entdecken und irgendwann auch eine Android-Version freigeschaltet wird. Dann zeigt sich, ob der hippe Club auch dem Andrang der Massen standhalten kann – oder ob er dadurch seinen Coolness-Faktor verliert. 

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