"Hofmark Eins" in Mallersdorf Neues Leben im ehrwürdigen Gemäuer

Das "Hofmark Eins" lockt wieder Gäste mit Kochkunst. Foto: Andreas Reichelt

Ein Gebäude mit uralter Tradition. Ein Unternehmensberater, der unkonventionelle Entscheidungen liebt. Und ein Familienvater, der seine Kochleidenschaft mit einbringt. Solch eine Konstellation kann man nicht hervorrufen. Sie passiert einfach. Und bildet so das Fundament, auf dem das Lokal „Hofmark Eins“ in Mallersdorf-Pfaffenberg ruht.

Als Unternehmensberater Tobias Rieder vom Verkauf des altehrwürdigen Gebäudes in der Zeitung liest, kommt ihm ein unerklärbarer Gedanke: Er will dieses Objekt haben. Beim Frisör erkundigt er sich danach. „Frag mal in der Bank, die haben den Schlüssel. Vielleicht lassen sie dich rein“, antwortet dieser und löst damit eine neue Epoche für das charaktervolle Haus aus.

Kurze Zeit später ist Tobias Rieder der stolze Eigentümer des alten Gasthauses „Zur Post“. Mittlerweile gehört es ihm und seinem Freund und Geschäftspartner Mathias „Matze“ Reichl zu gleichen Teilen.

Dass Rieder beim Kauf nicht aus reiner Vernunft agiert, passt zu ihm. Schon nach dem Zivildienst trifft er die ersten eher unkonventionellen Entscheidungen. „Ich habe nicht das gemacht, was geplant war, was vernünftig gewesen wäre. Ich hatte in Bayreuth einen Jura-Studienplatz“, schmunzelt er, als wir uns in einem Nebenraum des Restaurants „Hofmark Eins“ unterhalten.

Da wir allein in dem großen Gastraum sitzen, hallt seine Stimme etwas nach, als er weiterspricht: „Ich habe dann zum Entsetzen von vielen angefangen, katholische Theologie an der LMU in München zu studieren und bei den Jesuiten Philosophie.“

Dass er nun zusammen mit „Matze“ als Gastronom seinen Lebensunterhalt verdient, scheint er noch gar nicht recht realisiert zu haben. „Ich kann es rational nicht begründen“, sagt er und zuckt mit den Schultern. „Ich bin hier reingekommen und habe gewusst: Das ist es.“

Die "Seele" des Hauses

Ich schaue mich um, und sauge die Atmosphäre des Gebäudes in mich auf. Wenig Dekoration, helle Holzmöbel in Kombination mit alten, schwarz lackierten Stühlen. Der Raum hat Style. „Kein Chi-Chi“, wie es Miteigentümer Mathias Reichl später formulieren wird. Eine Reduktion aufs Wesentliche. So wie der Name. „Hofmark Eins“ ist schlichtweg die Adresse. Das frühere „Zur Post“ musste weichen.

Tobias Rieder lebt auf einem alten Bauernhof, den er selbst renoviert hatte. Mit dergestalten Projekten kennt er sich also aus. Und doch ist Vieles auch Neuland für ihn. Es dauerte Jahre, bis sich nach einigen Rückschlägen die weiteren Schritte förmlich aufdrängen. Rieder lernt dann Mathias „Matze“ Reichl kennen und als Freund schätzen. „Matze war zehn Jahre Küchenchef“, erzählt er. „Er bringt eine Menge Erfahrung in der Gastronomie mit ein.“

Der Entschluss zu dem gemeinsamen Unternehmen ist geboren. „Wir wollten es kleiner dimensioniert angehen“, erzählt Rieder. „Wir fahren zum Baumarkt, kaufen ein paar Eimer Farbe und machen eine Art Pop-Up-Restaurant. Das war natürlich an Naivität nicht zu überbieten“, lacht er.

Doch dann merken beide, dass das nicht ihr Stil ist. Sie starten mit dem Erdgeschoss und beginnen eine intensive Sanierung. „Rückbau mit eigenen Händen“, wie es die beiden Unternehmer nennen. „Wir kennen jeden Wertstoffhof in der Region mit Namen und Öffnungszeiten“, lacht Rieder. Ihre Mission ist aller Ehren wert: „Wir wollten den Charakter des Hauses erhalten.“ Die zwischenzeitliche Nutzung als Wohnhaus hat Spuren hinterlassen. „Mit jeder Schubkarre Schutt, die wir rausfuhren, konnten wir das Gebäude aufatmen spüren.“ Mit nachdenklicher Stimme fügt Rieder hinzu: „Weil das Haus wieder zu der Seele zurückkehren durfte, die es immer hatte.“

Geschmack ist Chefsache

Eine solche Hingabe erfordert auch ein entsprechendes kulinarisches Konzept. Mich erfasst eine gewisse Spannung, als ich mich auf den Weg in die Küche mache. Dort ist Matthias Reichl bereits mit den Vorbereitungen fürs Tagesgeschäft beschäftigt.

Ich gehe vorbei an frischen Weißbroten, grünem Spargel und Krebsen, die in der Laber gefischt wurden. Zwei Angestellte bereiten gerade die Gemüse für die Tagesgerichte vor. Auf dem Ofen köcheln Tomatensuppe und ein großer Topf, den ich laienhaft als Ansatz einer Brühe definiere. Zwischenzeitlich stelle ich mir dir Frage, ob man am eigenen Speichel ertrinken kann. So sehr spricht mich der Duft an.

„Meine Küche soll nah an mir selbst sein“, versucht Mathias „Matze“ Reichl seine Philosophie zusammenzufassen. „Ich möchte möglichst natürlich, schnörkellos kochen. Es soll lässig aus dem Ärmel geschüttelt wirken. Kein Chi-Chi.“

Dabei legt er besonderen Wert auf Produkte aus der Region. Gemüse und Fleisch liefern regionale Produzenten. Seine Leidenschaft ist die Heimat. „I mag hier nimmer weg“, lacht er. „Ich wohne auf einem Bauernhof mit meiner Frau und meine zwoa Buam.“ Matze ist ganz Familienmensch. Während wir uns unterhalten, bedient seine Frau die Gäste. Matze unterbricht die Erzählung und rührt kurz das Rindfleisch in einer Pfanne durch. „Ich möchte der Region was zurückgeben“, sagt er nachdenklich. „Ich möchte mich hier verwirklichen, auf dem Land, nicht in der Stadt. Für die Menschen was machen, die mich umgeben.“ Matze strahlt Begeisterung und Freude für seinen Beruf aus.

Lesen Sie den vollständigen Artikel im NIEDERBAYERN TV Magazin, Ausgabe 11.

 

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