Halloween Podcasterin und Skeptikerin Alexa Waschkau über das Ghosthunting

Alexa Waschkau hat einen Abschluss in Europäischer Ethnologie und arbeitet als Autorin und Journalistin. In ihrem Podcast "Hoaxilla - der skeptische Podcast aus Hamburg" beschäftigt sie sich mit Modernen Sagen. Foto: privat

Alexa Waschkau beschäftigt sich im Podcast „Hoaxilla“ mit Modernen Sagen. Mit dem Psychologen Dr. Sebastian Bartoschek hat sie für das Buch „Ghosthunting – Auf Spurensuche im Jenseits“ die deutsche Ghosthunter-Szene untersucht.

Alexa, warum wollen wir unbedingt, dass es Geister gibt?

Alexa Waschkau: Der Glaube an ein Jenseits ist bei uns kulturhistorisch und religionsgeschichtlich stark verwurzelt. Lediglich die Erscheinungsbilder wandeln sich mit der Gesellschaft und der Technik. Hier spielen zutiefst menschliche Wünsche eine Rolle. Beim Ghosthunting geht es weniger um die Toten, als vielmehr um die Lebenden. Es geht um unsere Art und Weise, mit dem Tod umzugehen. Mit der Frage: Was passiert danach? Es zielt darauf ab, das Jenseits zu erforschen, das es vielleicht gibt. Wir wollen mit Verstorbenen kommunizieren, weil wir es selber brauchen, um mit dem Tod umgehen zu können.

Haben Horrorfilme oder allgemein die Medien Einfluss auf unseren Glauben an Geister und wie wir sie uns vorstellen?

Ganz sicher. Ein anderes sehr treffendes Beispiel sind hier Aliens. Menschen, die mit ihrem Glauben an Außerirdische an die Öffentlichkeit gehen, beeinflussen mit ihrer Meinung Filmemacher. Diese stellen dann die Außerirdischen auf eine bestimmte Art und Weise dar, die beim Zuschauer ein Bild im Kopf entstehen lässt, wie so ein Alien auszusehen hat. Dasselbe trifft auch auf Geister zu.

Wieso sollten sich Geister uns gegenüber zu erkennen geben?

Die Erklärung von vielen Ghosthuntern ist, dass die Seelen der Verstorbenen den Menschen mitteilen wollen, dass ihnen zum Beispiel ein Unrecht geschehen ist. Man kennt ja wiederum aus Filmen das Motiv, dass ein Mord passiert ist, ein Geist erscheint, um darauf aufmerksam zu machen und letztlich auch daran mitwirkt, dass der Mord aufgeklärt wird, sodass der Seele Gerechtigkeit widerfährt.

Was ist die Motivation der Geisterjäger?

Zunächst die Vermutung, dass es paranormale Phänomene gibt und diese belegt werden könnten. Viele Ghosthunter wollen sich auch mit denen auseinandersetzten, die meinen Opfer eines Spuks geworden zu sein.

Geisterjäger gehen bei Nacht auf die Jagd. Warum?

Das hängt sicher mit dem Interesse an ungewöhnlichen Orten zusammen. Und dass man diese Orte auch zu ungewöhnlichen Zeiten, eben nachts, besuchen will. Aber auch mit ganz pragmatischen Gründen. Nachts ist es in den meisten Gegenden ruhiger, es herrscht weniger Verkehr, es sind keine anderen Menschen unterwegs und so weiter.

Wie objektiv sind die Untersuchungen der Geisterjäger?

Die Hemmschwelle, etwas als übernatürlich zu betiteln, ist sehr hoch. Die Teams sehen sich selbst als wissenschaftlich kritisch, was sie mit dem Einsatz vieler Geräte begründen. Nun ist es aber so, dass keine Standards existieren, sprich: die Szene nutzt zwar die gleiche Technik, aber es ist nicht festgelegt, mit welchem Wert ein Temperaturabfall, ein Beweis dafür ist, dass etwas Paranormales passiert.

Das GHTB und auch andere Geisterjäger messen beispielsweise die elektromagnetischen Felder und die Raumtemperatur. Gibt es einen Grund für die Annahme, dass sich Geister so erkennen lassen?

Geisterjäger begründen es zum Beispiel damit, dass wenn sich ein Geist zeigt, er der Umgebung Energie entzieht und es kälter wird. Vorbild ist hier aber ganz klar die amerikanische Ghosthunter-Szene.

Wie lassen sich auftretende Phänomene, seien es Stimmen auf Tonbändern oder Schattenfiguren, rational erklären?

Das hängt viel mit der Gruppendynamik bei Paranormalen Untersuchungen zusammen. Wenn man beispielsweise mit diversen Gerätschaften durch den dunklen Wald spaziert, passiert in der menschlichen Psyche sehr viel. Man beeinflusst sich gegenseitig und nimmt Geräusche und Dinge, die man vielleicht im Augenwinkel sehen könnte, viel intensiver wahr, als man das normalerweise tun würde. Zudem sucht man den jeweiligen Ort schon mit einer gewissen Erwartungshaltung auf.

Daniel behauptet, er versuche möglichst alles, was er beobachtet, erklären zu können. Andererseits sagt er aber auch, sein persönliches Befinden spiele eine große Rolle. Wie lässt sich das vereinbaren?

Das ist genau dieser Widerspruch, mit dem viele Ghosthunter umgehen müssen. Diese Empfindungen auszuschließen, wäre wünschenswert, wenn man es wirklich auf eine sehr wissenschaftliche Weise angehen möchte. Als Mensch können wir uns aber ganz schwer davon frei machen.

Glaubst du an Geister?

Ghosthunter gehen davon aus, dass es ein Jenseits und Geister gibt, mit denen man kommunizieren kann. Als wissenschaftlich-kritischer Mensch halte ich genau diese Grundannahme für nicht belegt. Wenn ich jetzt einem Geist gegenüberstehen würde, würde ich das vielleicht auch noch mal zurücknehmen, oder wenn jetzt auf einmal ein Ufo vor meinem Haus landen würde. Aber solange das nicht passiert, bleibe ich doch eher kritsch.

Was hältst du von Geisterjägern?

Ich finde den Austausch mit Ghosthuntern als wissenschaftlich-kritischer Mensch sehr spannend und finde es schade, dass viele Skeptiker die Ghosthunter als Spinner abtun. Man kann sich auf kultur-historische und psychologische Weise mit ihnen auseinandersetzen. Man kann sich angucken, warum sie genau das machen, was sie tun und man kann unter Umständen sehr viel über sich selbst lernen. Als ich mit einem Team mitgegangen bin, habe ich festgestellt, dass ich unterm Tag die Situation als entspannt wargenommen habe aber als wir dann nachts durch ein verlassenen Gebäude gegangen sind, und auf jedes Geräusch geachtet haben, ist mir dann zum Teil auch mulmig geworden. Das ist auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung, die man da machen kann.

Wie viele Geisterjäger gibt es in Deutschland?

Stand 2012, da haben wir unsere Untersuchungen durchgeführt, gibt es 34 Teams in Deutschland. Die haben ganz unterschiedliche Größen. Von Ein-Mann-Teams bis zu 13 Leuten ist da alles dabei.

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