Geschichte Für den Kaiser in den Kampf

Das Denkmal vor dem Havannah in Cham erinnern an den Deutsch-Französischen Krieg Foto: Dominik Altmann

Am Ende des Konflikts sind Johann Stock, Franz Siebenhandel, Anton Schuegraf, Anton Dietl, Andreas Schmaderer und Andreas Braun tot. Die Namen prangen an einer Tafel des Kriegerdenkmals vor dem Havannah.

Es erinnert an den Deutsch-französischen Krieg, der dieser Tage vor 150 Jahren begann. Beim Blick ins Stadtarchiv finden sich durchaus Spuren dieser Auseinandersetzung auf Land und Leute.

Der deutsche Kaiser hat nunmehr das sagen im Bayernlande. Die Bevölkerung zahlt mit der Mark. Männer wählen nun auch den Reichstag. Bürgerliche Kreise, Beamte und Schulkinder feiern Kaisergeburtstage. Timo Bullemer, Stadtarchivar, der Stadt Cham zählt einige Dinge auf. In der Folge des Kriegs kommt mit dem Sedantag eine weltliche Festivität dazu. Das Deutsche Reich erinnert damit an die Kapitulation der Franzosen bei Sedan. Im September 1870 schlugen dort preußische, württembergische, sächsische und bayerische Truppen die entscheidende Schlacht des Krieges. Im Juli vor anderthalb Jahrhunderten zieht das Bündnis der deutschen Staaten in den letzten der drei Einigungskriege.

Eine Jungfrau motiviert

An die Front müssen auch Burschen aus Cham. "Der bayerische König sprach 1870 die Mobilmachung sicher sehr gegen seine persönliche Neigung aus und auch im bayerischen Landtag war diese Entscheidung Ergebnis einer leidenschaftlichen Debatte", sagt Dr. Dieter Storz. Er ist Hauptkonservator des bayerischen Armeemuseums in Ingolstadt. Aber es hilft nichts. Das Bündnis mit Preußen lässt dem Ludwig II. und anderen Gegnern keine Wahl.

Dem letzten Skeptiker redeten mutmaßlich die Amtsblätter mehr Engagement ein. Unter anderem mit Zeilen wie diesen: "Helden! auf und fort zum Kampfe!/hieß es unlängst, richtet euch!/Stehet zu dem Vaterlande/Und dem großen deutschen Reich. Und ihr edlen tapferen Brüder/habt vernommen diesen Klang,/der zum Heldenmut entflammend,/an die deutschen Herzen drang." Angeblich das Gedicht einer Chamer Jungfrau - wenn man dem Autorennachweis folgt. Das bezweifelhaft Bullemer allerdings. Er glaubt, die Zeilen seien vielmehr politisch motiviert.

In den Amtsblättern finden sich neben diesem Gedicht Ankündigungen zur Gründung sogenannter Kriegerunterstützungsvereine. Deren Geschichte sei noch nicht geschrieben, erläutert Storz. Er spekuliert: "Die Wehrpflichtheere des 19. Jahrhunderts waren ja Volksheere." Daher habe es, unabhängig von der Einstellung zum Krieg, eine Verbindung zwischen Bevölkerung und Soldaten gegeben. Storz hält es daher für möglich, dass die Vereine mittellose Angehörige unterstützt haben könnten, wenn die Ernährer im Feld standen. Diese warteten sehnsüchtig auf die Rückkehr der Krieger. Sechs Mann aus der Stadtmannschaft Cham kamen nicht mehr heim. Den anderen bereitete die heutige Kreisstadt ein Begrüßungsfest. Das Fest, war der Mannschaft gewidmet, "welche in dem ruhmreiche Kriege gegen Frankreich von 1870/71 entweder auf feindlichem Gebiete die siegreichen Schlachten mitgeschlagen oder im Depot zu diesem Abschlusse mittelbar beigetragen hat". Angesetzt haben es die Verantwortlichen laut Flugblatt für den 27. August 1871. Sonntag und Montag feierte die Stadt mit ihren Kämpfern.

Ende Juli gen Frankreich

Die rekrutierten sich aus den dafür infrage kommenden Jahrgängen. In der Regel griff die Obrigkeit auf bereits ausgebildetes Personal zurück. Erfassung, Musterung und Verteilung der Dienstpflichtigen auf die Waffengattungen lief unter der Bezeichnung Ersatzgeschäft. "Das war ein komplexer Vorgang", weiß Storz. Die Gemeindebehörden erfassten die Männer. Es folgte die Musterung, übernommen durch die Ersatzkommission. Sie bestand aus Offizieren, Miliätärzten, bürgerlichen Beisitzern und Ärzten. Dieses Gremium bereiste den Bezirk und untersuchte die Männer in Gasthäusern auf Tauglichkeit.

Über die Einteilung zu Waffengattungen entschieden körperliche Eigenschaften. "Natürlich hat auch die bürgerliche Profession eine Rolle gespielt. Ein Zimmermann kam eher zu den Pionieren als zur Reiterei", fasst Storz zusammen. Die Zuteilung zu den Regimentern "dürfte sich im Großen und Ganzen heimatnah vollzogen haben". Es sei die Ausnahme gewesen, einem Truppenteil am andern Ende Bayerns zugeteilt zu werden. So ging es also für Stock, Seibenhandel und anderen Chamer Ende Juli 1870 Richtung Frankreich.

 

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